Formel 1: Cockpitschutz Halo spaltet die Teams

Motorsport-Königsklasse: Cockpitschutz Halo spaltet die Formel 1

Der neue Cockpitschutz Halo spaltet auch nach den Präsentationen der neuen Boliden die Formel 1. Gegen den Sicherheitsaspekt kann allerdings kein Team etwas sagen.

Toto Wolff würde am liebsten kurzen Prozess machen. "Wenn man mir eine Kettensäge gibt, schneide ich den Halo einfach ab", sagte der Mercedes-Motorsportchef bei der Präsentation des neuen Silberpfeils am Donnerstag. Auch Weltmeister Lewis Hamilton mag sich nicht so recht mit dem "Alien" anfreunden, der ab der neuen Formel-1-Saison die Sicherheit im PS-Zirkus weiter erhöhen soll.

Keine Frage, die Fahrzeugdesigner haben sich alle Mühe gegeben, den vom Weltverband FIA oktroyierten Titanbügel harmonisch in den Look der Formel-1-Boliden für 2018 einzufügen. Beim neuen Ferrari von Sebastian Vettel etwa ist der "Heiligenschein", so die deutsche Übersetzung von Halo, genauso knallrot wie weite Teile des SF71H. Besser kaschieren kann man den Cockpitaufsatz kaum. Und doch bleibt der Halo ein Zankapfel im Hochgeschwindigkeitssport Formel 1.

Denn in Zeiten der Digitalisierung und des sich wandelnden Konsumverhaltens kämpft auch die Motorsport-Königsklasse um jeden Fan. Gerade die Altvorderen fürchten durch Einführung des Halo einen weiteren Verlust an Attraktivität. "Fürchterlich, der Halo ist der größte Rückschritt", sagt etwa der dreimalige Weltmeister Niki Lauda: "Jeder soll sich entscheiden, ob er einen Kiosk aufmachen oder in der Formel 1 fahren will."

Der 69-jährige Lauda, seit 2012 Aufsichtsratsboss beim Mercedes-Team, fuhr noch in einer Zeit, als der Tod an den Rennstrecken allgegenwärtig war. Die immanente Gefahr machte den Sport aber auch sexy. In der modernen Formel 1 gehen selbst heftigste Unfälle oft glimpflich aus, seit dem Tod des legendären Ayrton Senna vor fast 24 Jahren in Imola starb allein Jules Bianchi an den Folgen eines Rennunfalls. Und Studien legen den Schluss nahe, dass auch der Halo den Franzosen beim Japan-Grand-Prix 2014 nicht gerettet hätte, als er mit seinem Wagen auf regennasser Strecke unter ein Bergungsfahrzeug rutschte.

Dennoch, und das räumt jeder Halo-Kritiker wenigstens mit einem Halbsatz ein, gibt es vom Sicherheitsaspekt kaum Argumente gegen die Einführung eines Cockpitschutzes. Laut einer FIA-Studie soll die Überlebenschance durch den Halo in verschiedenen Unfallszenarien um 17 Prozent steigen, weil die zwei seitlichen Titanstreben, die zentral zusammenlaufen, größere Teile oder Reifen aufhalten können.

Immer mehr Fahrer scheinen sich mit den Gegebenheiten zu arrangieren. "Am Anfang sieht es seltsam aus, aber so ist das bei Regeländerungen. Wir werden uns daran gewöhnen", sagte am Donnerstag Hamiltons Teamkollege Valtteri Bottas. Renault-Pilot Carlos Sainz junior schätzt, dass er "nach den ersten 20 Runden im Cockpit" die leichte Sichtbeeinträchtigung nicht mehr wahrnehmen werde. Und der Halo sei ja "ein effektiver Schutz", schob der Spanier hinterher.

Dennoch fristet der "Heiligenschein" ein Dasein auf Bewährung in der Formel 1. Bei den am Montag beginnenden Testfahrten in Barcelona dürfte es jedenfalls kein größeres Gesprächsthema geben - zumal der rund 14 kg schwere Halo auch das Fahrverhalten der Boliden verändert. Und wer damit nicht zurecht kommt, der meckert umso lauter.

Bleibt der Widerstand unverändert groß, wird die FIA zumindest alternative Systeme testen. Das wäre nicht nur im Sinne von Toto Wolff, der sagt: "Die Sicherheit der Fahrer ist wichtig, aber wir brauchen etwas, das besser aussieht."

(se)