Formel 1: Charles Leclerc widmet ersten Sieg totem Freund Anthoine Hubert

„Das ist für dich, Anthoine“ : Leclerc widmet ersten Formel-1-Sieg totem Freund

Charles Leclerc kann über seinen Premierensieg nicht richtig jubeln. Die Trauer um einen guten Freund ist zu groß. Der Tod des Formel-2-Piloten überschattet auch den Großen Preis von Belgien.

Den Blick hatte Charles Leclerc gesenkt, nur ein leises Lächeln umspielte seine Lippen, als er zum ersten Mal in seinem Leben in der Formel 1 ganz oben auf dem Treppchen stand. "Das ist für dich, Anthoine", sagte Leclerc nach dem Sieg beim Großen Preis von Belgien, und der Blick ging gen Himmel: "Es fällt mir schwer, mich zu freuen, obwohl ein Traum in Erfüllung gegangen ist."

Die obligatorische Champagner-Orgie nach der Siegerehrung fiel aus, Leclerc und die beiden Mercedes-Piloten Lewis Hamilton und Valtteri Bottas auf den Plätzen zwei und drei stießen nur kurz mit ihren Magnum-Flaschen an, dann war die Zeremonie auch schon beendet. Sebastian Vettel war nicht dabei, er landete mit 26 Sekunden Rückstand auf seinen Teamkollegen Leclerc auf dem enttäuschenden vierten Platz.

24 Stunden bevor Leclerc Ferrari den ersehnten ersten Sieg der Saison bescherte, war sein Freund Anthoine Hubert bei einem fürchterlichen Unfall im Formel-2-Rennen ums Leben gekommen. "Ich bin über die Ziellinie gefahren und sofort im Jahr 2005 gelandet, als vier kleine Jungs mit einem großen Traum im Kart gegeneinander gefahren sind", sagte Leclerc: "Es ist hart zu verstehen, dass einer dieser vier Jungs nicht mehr da ist. Und auch nicht wiederkommt."

"Es ist gut für das Team, schön für Charles, ein besonderer Tag", sagte Vettel bei RTL: "Aber der eigene Eindruck ist am Ende der, der am stärksten durchklingt, und ich kann mit meiner Leistung nicht zufrieden sein."

Schon nach wenigen 100 Metern war das Rennen für Max Verstappen beendet. Der Red-Bull-Pilot, dem nach seinem Sieg in Hockenheim die Schlagzeilen des Sommers gehört hatten, kam schon am Start schlecht weg. Er kollidierte dann mit dem Alfa von Kimi Räikkönen, dabei brach die vordere Radaufhängung, und Verstappen landete in der Bande.

"Ich hatte einen schlechten Start, und dann hat Kimi mich nicht gesehen", sagte er bei RTL: "Aber es ist egal, es ist passiert, und solche Dinge können passieren." Nico Hülkenberg, der das Renault-Team nach der Saison verlassen muss, fuhr am Sonntag als Achter in die Punkte.

Vorne gaben zunächst die beiden Ferrari den Ton an. WM-Spitzenreiter Hamilton hatte es nach dem Start nur kurz geschafft, sich an Vettel vorbei auf Platz zwei zu schieben, doch auf der langen Kemmel-Geraden zog Vettel aus dem Windschatten wieder vor. Nach einem kurzen Verbremser von Vettel in La Source war Hamilton wieder dran, doch gegen den Highspeed des Ferrari auf der Geraden war der Mercedes ohne Chance. "Sie sind uns eine Meile voraus", blaffte Hamilton in den Boxenfunk.

Schon in der 16. Runde kam Vettel rein und holte sich neue Reifen. Mit den gelben Gummis sollte er die restlichen 28 Runden durchfahren, so lautete Ferraris Plan A. Er schien aufzugehen, Vettel holte eine Bestzeit nach der anderen, doch schon in der 21. Runde signalisierte ihm die Box, die Reifen möglichst ein bisschen zu schonen.

Nach Leclercs Boxenstopp übernahm Vettel kurzzeitig die Führung, aber in der 27. Runde zahlte er den Preis für den frühen Reifenwechsel. "Seb wird dich gleich vorbeilassen", teilte die Box Leclerc mit, und so geschah es. Von hinten stürmte Hamilton heran. "Er wird gleich über mich drüber fahren", sagte Vettel ein wenig resigniert - und wurde in Runde 32 von Hamilton "gefressen".

Der Unfalltod von Anthoine Hubert war am Rennsonntag das alles beherrschende Thema. Auf den Autos und den Helmen der Fahrer erinnerten Aufkleber mit den Worten "Racing for Anthoine" und dessen Startnummer 19 an den 22-Jährigen, der auf so tragische Art ums Leben gekommen war. Zudem trugen die Mitglieder der Teams und die Fahrer schwarze Armbinden als äußeres Zeichen der Trauer.

(sid/dpa/old)
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