Formel 1 2018: Verfolger Sebastian Vettel darf sich keine Fehler mehr erlauben

Großer Preis von Ungarn: Verfolger Vettel darf sich keine Fehler mehr erlauben

Sebastian Vettel steht vor dem Großen Preis von Ungarn unter Siegzwang. Auch der Tod des langjährigen Ferrari-Bosses Sergio Marchionne drückt bei der Scuderia auf die Stimmung.

Sebastian Vettel kennt seinen Auftrag. Doch damit der Heppenheimer ihn auch bloß nicht vergisst, wurde der neue starke Mann in Maranello gleich überdeutlich. "Der WM-Sieg ist Ferraris einziges Ziel", sagte Ferrari-Präsident John Elkann der Gazzetta dello Sport.

Den WM-Titel zu holen, führte der Enkel des verstorbenen Fiat-Patriarchen Gianni Agnelli aus, sei zudem der "beste Weg, das Andenken von Sergio Marchionne zu würdigen". Der 66-Jährige, Vorgänger von Elkann, war nach schweren Komplikationen während einer Schulteroperation Anfang Juni am Mittwoch in einem Züricher Krankenhaus gestorben.

Für Vettel ist der himmelhohe Anspruch längst alltäglich geworden. In seinem vierten Jahr bei der ruhmreichen Scuderia, die seit 2008 auf einen WM-Titel wartet, ist der Druck auf ihn aber größer denn je. Nach seinem Fehler beim Heimspiel in Hockenheim, der ihn in der WM gegen Mercedes-Star Lewis Hamilton (England) wieder ins Hintertreffen brachte, müssen beim Großen Preis von Ungarn (Sonntag, 15.10 Uhr/RTL) die maximalen 25 Punkte her.

"Ich habe nicht das Gefühl, dass wir etwas beweisen müssen", sagte Vettel und gab sich cool: "Jeder weiß, wozu wir in der Lage sind, deshalb schaue ich zuversichtlich nach Ungarn. Wir haben ein starkes Auto."

Die Aufgabe ist dennoch alles andere als dankbar, denn die italienische Presse hinterfragte nach Vettels Hockenheim-Blackout ziemlich deutlich, ob der viermalige Formel-1-Weltmeister überhaupt in der Lage ist, das immense Potenzial des SF71H in die nötigten Punkte umzumünzen.

Die Meinungen in der Szene gehen auseinander. "Sebastian und Ferrari haben in diesem Jahr eindeutig das schnellste Paket. Das wird am Ende entscheidend sein", sagte Red-Bull-Motorsportberater Helmut Marko der „Sport Bild“. Mercedes brauche dagegen in dieser Saison "immer Glück", um zu gewinnen. "Läuft alles normal, ist Ferrari vorn", so Marko weiter.

Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve glaubt dagegen, dass Hockenheim besonders bei Hamilton etwas ausgelöst hat. "Es ist wie letztes Jahr in Singapur. Davor war Lewis auch niedergeschlagen. Nach Sebs Fehler hatte Lewis auf einmal wieder das Gefühl: Wow, ich bin wieder großartig! Das hier kann denselben Effekt haben", sagte der Kanadier zu motorsport-magazin.com.

Sollte Villeneuve Recht behalten, muss Vettel vor dem letzten Rennen vor der Sommerpause angst und bange werden. Schließlich ist die bisherige Saison von Hamilton alles andere als perfekt verlaufen - und doch hat der Weltmeister vor dem zwölften von 21 Läufen ein 17-Punkte-Polster auf den Deutschen.

Bei Mercedes schiebt man die Favoritenrolle allerdings weit von sich. "Nüchtern betrachtet wissen wir, dass wir in Hockenheim nicht das schnellste Auto hatten", erklärte Motorsportchef Toto Wolff.

Tatsächlich waren die Ferrari-Boliden beim Großen Preis von Deutschland auf den Geraden eine halbe Sekunde schneller als die Silberpfeile. Mercedes, seit Beginn der Turbo-Hybrid-Ära 2014 lange unantastbar bei der Motorleistung, scheint im Entwicklungsrennen ins Hintertreffen geraten zu sein.

Die üblichen Gerüchte, Ferrari könnte sich unerlaubt Vorteile verschafft haben, machten im Fahrerlager die Runde. Beweise hat der Weltverband FIA nicht gefunden.

Die Motorleistung ist in Ungarn allerdings auch nicht die entscheidende Komponente: Auf dem engen Hungaroring ist Abtrieb deutlich entscheidender. Und hier konnten Ferrari und auch Red Bull in dieser Saison punkten. „Budapest ist für gewöhnlich nicht unsere stärkste Strecke, ich bin aber hoffnungsvoll“, sagte Hamilton, der nun 17 Punkte Vorsprung auf Vettel hat. „Es ist ja kein Powerkurs, daher wird Ferrari hoffentlich seine Extrapower nicht so viel bringen.“

(old/sid)