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Großer Preis von Deutschland: Ferrari feiert Doppelsieg vor Vettel

Großer Preis von Deutschland : Ferrari feiert Doppelsieg vor Vettel

Hockenheim (RPO). Ein Schlafmützen-Start von Sebastian Vettel und ein Eklat von Ferrari haben den Großen Preis von Deutschland entschieden: Vettel verschenkte schon auf den ersten Metern seinen erträumten ersten Heimsieg und musste sich am Ende mit Rang drei zufriedengeben.

In der Schlussphase überließ dann Felipe Massa genau ein Jahr nach seinem schweren Unfall in Budapest offenbar nicht ganz freiwillig den Triumph seinem in der WM-Wertung besser platzierten Teamkollegen Fernando Alonso. Und das, obwohl Teamorder in der Königsklasse eigentlich verboten ist.

100.000 Dollar Geldstrafe

Deswegen wurde es ein teurer Sieg für die Italiener, denn die Rennkommissare verdonnerten sie zu einer Geldstrafe von 100.000 Dollar (77.500 Euro) und verwiesen die Angelegenheit zudem für weitere Beratungen an das World Motor Sport Council des Automobil-Weltverbandes FIA.

Die Kommissare sahen den Bruch des Paragraphen 39.1 des sportlichen Reglements, der Teamorder verbietet, und einen Verstoß gegen den Paragraphen 151 c des Internationalen Sporting Code, der Handeln gegen den Geist des Sports verbietet. Das Rennergebnis blieb aber zunächst unangetastet.

"Der Start war der Schlüssel. Ich bin auf den ersten fünf, zehn Metern überhaupt nicht weggekommen und war noch froh, dass der Motor nicht abgestorben ist, weil die Drehzahl in den Keller gefallen ist", sagte Vettel: "Am Ende war der dritte Platz unser Maximum, deshalb ist es schön für mich, dass ich bei meinem Heimrennen auf dem Podium stehen und mich von den Fans feiern lassen durfte. Das war sehr emotional."

Nebenrolle für Vettel

In der Pressekonferenz nach dem Rennen spielte Vettel dann nur eine Nebenrolle und fragte schon scherzhaft, ob er gehen könnte. Denn alle wollten nur von Massa und Alonso wissen, wie es zum dem Platztausch in Runde 49 gekommen war, als der Brasilianer seinen spanischen Kollegen beim Herausbeschleunigen aus der Spitzkehre passieren ließ.

"Ich glaube, dazu muss ich nicht viel sagen", meinte Massa zunächst mit einem gequälten Lächeln. Später erklärte er, dass er für ein Unternehmen arbeite und schon oft gezeigt habe, dass er professionell sei. "Wir haben einen guten Job für das Team gemacht", sagte er und sprach zudem noch von Problemen mit den harten Reifen.

Alonso wollte nichts von einem geschenkten oder gar schmutzigen Sieg wissen. "Wir haben manchmal in diesem Jahr schon Team-Unfälle gesehen, durch die 42 Punkte verloren gingen. Heute hat Ferrari 42 Punkte in der Tasche", sagte der Spanier über seinen zweiten Saisonsieg nach dem Auftakterfolg in Bahrain und Nummer 23 seiner Karriere.

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Verständnis von Schumacher

"Das Team hat Priorität, von ihnen bekommen wir unsere Schecks", sagte Vettel zu der Geschichte. Mercedes-Pilot Michael Schumacher, der nach einer Fahrt im Niemandsland unmittelbar hinter Teamkollege Nico Rosberg Neunter wurde, zeigte offen Verständnis für sein Ex-Team Ferrari. "Das ist keine Kaffeefahrt hier. Es geht um WM-Punkte, um die Meisterschaft. Und der, der zu einem bestimmten Zeitpunkt der Saison mehr Punkte gesammelt hat, wird vom Team auf die Meisterschaft angesetzt", sagte Schumacher: "Es kann nur einer Weltmeister werden. Dafür arbeitet das ganze Team hart. Ich habe kein Verständnis für die Beschwerden."

Schumacher hatte im Mai 2002 bei Ferrari in Zeltweg den Sieg von Teamkollege Rubens Barrichello geschenkt bekommen. Die Scuderia war danach mit 500.000 Dollar Strafe belegt und die Teamorder danach ausdrücklich verboten worden. Damals war der Franzose Jean Todt Teamchef bei Ferrari, der jetzt als FIA-Präsident auch dem World Council vorsteht.

Verhängnisvoller Funkspruch

Der führende Massa hatte einen Funkspruch seines Renningenieurs erhalten: "Fernando ist schneller als du. Kannst du bestätigen, dass du diese Nachricht verstanden hast?" Nach dem vollzogenen Tausch folgte eine Entschuldigung des Ingenieurs. Schon vor dem Platztausch hatte Alonso auf der Strecke versucht, an Massa vorbeizukommen, doch der verteidigte seinen Platz erfolgreich.

Nach dem Rennen gab es zunächst nur eine kurze Umarmung zwischen Alonso und Massa, bevor der Brasilianer schnell zum obligatorischen Wiegen verschwand. Bei der Vorbereitung zur Siegerehrung sprachen die beiden Ferrari-Piloten auch kaum miteinander. Für die Scuderia war es der erste Sieg in Hockenheim seit Schumachers Erfolg 2006.

Hamilton führt Klassement an

Alonso hat mit 116 Punkten jetzt 41 Zähler Rückstand auf Spitzenreiter Lewis Hamilton, der hinter Vettel Vierter wurde und damit jetzt auch noch 21 Punkte vor dem Heppenheimer liegt. Der hat wie sein im Rennen sechstplatzierter Teamkollege Mark Webber jetzt 136 Zähler auch dem Konto und ist wegen der geringeren Zahl an Siegen hinter dem Australier Vierter. Vor den beiden liegt nach Rang fünf in Hockenheim noch Hamiltons McLaren-Kollege Jenson Button (143).

Für die übrigen deutschen Piloten gab es zu Hause nichts zu holen. Nico Hülkenberg landete im Williams bei seinem ersten Formel-1-Heimspiel auf Rang 13, Adrian Sutil wurde im Force-India-Mercedes nach einem völlig verkorksten Rennen mit drei Boxenstopps auf Position 17. Timo Glock sah als 18. in seinem Virgin wenigstens zum fünften Mal in dieser Saison die Zielflagge.

Wie schon zwei Wochen zuvor in Silverstone verpatzte Vettel auf der Pole Position den Start. Der Red-Bull-Pilot kam schlecht weg und versuchte vergeblich, auf der Innenseite den Angriff des rechts hinter ihm von Rang zwei gestarteten Alonso abzublocken. Lachender Dritter war Massa, der außen an beiden vorbei an die Spitze fuhr.

STATISTIK:

Formel 1, Großer Preis von Deutschland in Hockenheim, 11. von 19 Läufen zur Weltmeisterschaft, Endstand nach 67 Runden (306,458 km):

1. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari 1:27:38,864 Stunden (209, 788 km/h), 2. Felipe Massa (Brasilien) Ferrari 0:04,196 Minuten zurück, 3. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red-Bull-Renault 0:05,121, 4. Lewis Hamilton (Großbritannien) McLaren 0:26,896, 5. Jenson Button (Großbritannien) McLaren 0:29,482, 6. Mark Webber (Australien) Red-Bull-Renault 0:43,606, 1 Runde zurück: 7. Robert Kubica (Polen) Renault, 8. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes, 9. Michael Schumacher (Kerpen) Mercedes, 10. Witali Petrow (Russland) Renault, 11. Kamui Kobayashi (Japan) Sauber-Ferrari, 12. Rubens Barrichello (Brasilien) Williams-Cosworth, 13. Nico Hülkenberg (Emmerich) Williams-Cosworth, 14. Pedro de la Rosa (Spanien) Sauber-Ferrari, 15. Jaime Alguersuari (Spanien) Toro-Rosso-Ferrari, 2 Runden zurück: 16. Vitantonio Liuzzi (Italien) Force-India-Mercedes, 17. Adrian Sutil (Gräfelfing) Force-India-Mercedes, 3 Runden zurück: 18. Timo Glock (Wersau) Virgin-Cosworth, 4 Runden zurück: 19. Bruno Senna (Brasilien) Hispania-Cosworth

Schnellste Rennrunde: Sebastian Vettel 1:15,824 Minuten (67. Runde)

Ausgeschieden: Sebastien Buemi (Schweiz) Toro-Rosso-Ferrari, Jarno Trulli (Italien) Lotus-Cosworth, Heikki Kovalainen (Finnland) Lotus-Cosworth, Sakon Yamamoto (Japan) Hispania-Cosworth, Lucas di Grassi (Brasilien) Virgin-Cosworth (SID)

Hier geht es zur Bilderstrecke: Großer Preis von Deutschland 2010

(sid/seeg)