Ex-Formel-1-Boss: Die krude Welt des Bernie Ecclestone

Ehemaliger Formel-1-Boss : Die krude Welt des Bernie Ecclestone

Bernie Ecclestone hat nicht nur die Formel 1 jahrzehntelang als Alleinherrscher geführt, er hat auch ein Faible für Diktatoren. Zuletzt sorgte er mit kruden Äußerungen über Putin und die Demokratie für Aufsehen.

Bernie Ecclestone war mehr als 40 Jahre lang der Macher der Königsklasse des Motorsports. Dass die Formel 1 diesen Status erlangt hat, ist auch der Geschäftstüchtigkeit des britischen Unternehmers zu verdanken.

Eine Vorliebe für Autos hatte er schon immer: In jungen Jahren arbeitete Ecclestone als Mechaniker und Gebrauchtwagenhändler, später versuchte er sich als Rennfahrer. In der Formel 1 scheiterte er zwei mal in der Qualifikation. Zudem verletzte er sich bei einem Unfall auf der britischen Brands-Hatch-Strecke schwer, was seiner Karriere als Rennfahrer endgültig den Riegel vor schob.

Doch erst als Manager und Miteigentümer des Rennstalls Brabham blühte Ecclestone so richtig auf. Er kümmerte sich um die Professionalisierung der damals unorganisierten Formel 1. Schon Ende der 70er-Jahre sicherte er sich die Werbe- und Fernsehrechte an den Rennen und verkaufte diese.

Ecclestone ist heutzutage Milliardär (geschätztes Vermögen laut Forbes: ca. 2,5 Milliarden Euro). Zwar ist er nicht mehr Geschäftsführer der Formel 1, doch dafür besitzt er zusammen mit Renault-Teamchef Flavio Briatore den Londoner Fußballklub Queens Park Rangers.

Auffällig ist Ecclestones Vorliebe für junge Frauen: Aktuell ist er zum vierten Mal verheiratet. Seine Frau ist 45 Jahre jünger als er. Von Frauen als Rennfahrerinnen hält er aber nichts, da diese nicht ernst genommen würden. Wer das schon für rückschrittlich hält, kennt vermutlich noch nicht Ecclestones Aussagen zu politischen Themen, mit denen er immer wieder Empörung auslöst.

Kürzlich sagte er in einem Interview mit der britischen „Times“, der russische Präsident Putin habe „noch nie etwas gemacht, was den Menschen nicht gut getan hat“ und wünschte sich sogar, dass Putin Europa regiert. Der frühere Formel 1-Boss outete sich zudem als Fan von Diktatoren, da in einer Demokratie „alles verwässert“ werde.

Es sind krude Aussagen wie diese, durch die Ecclestone bereits mehrfach auffiel. 2009 lobte er, ebenfalls in einem Times-Interview, Hitler für dessen Tatkraft. Es sei zwar vermutlich schrecklich, so etwas zu sagen, "aber abgesehen von der Tatsache, dass Hitler mitgerissen und überredet wurde, Dinge zu tun, von denen ich keine Ahnung habe, ob er sie tun wollte oder nicht, konnte er viele Menschen führen und war fähig, Dinge zu erledigen“. Ein Jahr später sagte Ecclestone, Saddam Hussein habe den Irak stabiler gemacht.

Dass der 88-Jährige sich für Systeme begeistern kann, in denen ein Mann das Sagen hat, ist eigentlich nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass er jahrelang die Formel 1 wie ein Alleinherrscher geführt hat. "Wir sind nicht so etwas wie die Mafia, wir sind die Mafia", hat Ecclestone einst gesagt.

Der ehemalige Gebrauchtwagenhändler macht seinem Ruf als Pate der Formel 1 alle Ehre: 1997 spendete er der britischen Labour Party eine Million Pfund. Bekannt wurde dies, als die Labour-geführte Regierung verkündete, dass für die Formel 1 eine Ausnahme vom Verbot von Tabakwerbung gelten sollte.

2014 stand Ecclestone vor Gericht, weil Gerhard Gribkowsky, der ehemalige Vorstand der Bayern LB, ausgesagt hatte, dass er von dem Briten bestochen worden sei. Das Verfahren wurde jedoch gegen eine Zahlung von 100 Millionen Dollar eingestellt.

Ecclestone ist auch dafür verantwortlich, dass Rennen in Ländern stattfinden, deren Regierungen bekannt dafür sind, dass sie es mit der Einhaltung der Menschenrechte nicht so genau nehmen. Im aktuellen Rennkalender sind das zum Beispiel Russland, China, Bahrain oder Aserbaidschan. Zu der Kritik am Grand Prix in Bahrain sagte Ecclestone lediglich: „Ich denke, jeder, der wirklich über Menschenrechte reden möchte, sollte vielleicht mal nach Syrien gehen.“

Diese Argumentationsweise würde man auf Neudeutsch als "Whataboutism" bezeichnen. Statt die Kritik an den eigenen Entscheidungen zuzulassen, wird auf ähnliche Probleme in anderen Ländern verwiesen - eine Taktik, der sich auch der von Ecclestone so geschätzte Putin bedient.

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