"Drive to Survive": Formel-1-Doku bei Netflix zeigt beeindruckende Bilder

Formel-1-Doku bei Netflix: Der beeindruckende Blick in die Boxengasse

Am Wochenende startet die Formel 1 in ihre neue Saison. Passend dazu ist die Doku „Drive to Survive“ des Streaminganbieters Netflix erschienen und liefert beeindruckende Bilder und Hintergrundgeschichten aus dem vergangenen Rennjahr.

„Fuck! Wenn wir Vierter und Fünfter geworden wären, hätten wir wie Rockstars ausgesehen, jetzt stehen wir da wie Vollidioten“ - Günther Steiner, Teamchef des amerikanischen Formel-1-Teams Haas, ringt nach dem Saisonauftakt in Australien am Telefon mit den Worten. Obwohl beide Fahrer, Kevin Magnussen und Romain Grosjean, lange Zeit vorne im Feld mitgefahren sind, steht das junge Team am Ende mit null Punkten da. Beide Haas-Piloten schieden aus, weil bei ihren Boxenstopps jeweils ein Rad nicht richtig befestigt wurde.

Ein absolutes Desaster, das der Österreicher Steiner wenig später Teambesitzer Gene Haas am Telefon erklären muss. Die Kameras fangen alles ein. Auch die Aussprache zwischen Steiner und dem schuldigen Mechaniker, der die Räder nicht richtig montierte und deshalb mit Tränen in den Augen in der Boxengasse steht, wird dem Zuschauer ausführlich gezeigt.

Es sind diese Momente, abseits vom eigentlichen Renngeschehen, die die neue Netflix-Doku über die Formel 1 so interessant machen. Über zehn Folgen wird die vergangene Saison zusammengefasst, der sportliche Verlauf spielt dabei aber nur eine nebengeordnete Rolle. Im Fokus stehen die Fahrer, Teamchefs und Mechaniker und ihr Durchleben eines Rennwochenendes in der Formel 1. Dabei glänzt die Doku mit spektakulären Aufnahmen und mitreißenden Bildern.

Der Zuschauer erlebt zum Beispiel die heftige Auseinandersetzung im Red-Bull-Team zwischen Max Verstappen und Daniel Ricciardo (jetzt Renault) nach ihrem Crash in Baku und wie Teamchef Christian Horner den Streit der beiden Fahrer schlichten will. Auch die spannende Rivalität zwischen dem spanischen Nachwuchsfahrer Carlos Sainz und seinem Idol, Ex-Weltmeister Fernando Alonso, die ausgerechnet beim Großen Preis von Spanien den vorläufigen Höhepunkt erreicht, wird detailliert mit Hintergrundinterviews und beeindruckenden Rennbildern erzählt.

Das Format und die Aufmachung kommt bei den meisten Teams der Formel 1 gut an. Neben Lob von Haas-Pilot Grosjean über Twitter, gab es auch von Ricciardo positive Worte für die Produzenten der Doku: „Sie waren immer sehr respektvoll und haben nach unseren Bedingungen gespielt. Das war gut. Man bekommt einen Einblick und mehr Verständnis dafür, wie dieser Sport funktioniert. Das ist global gesehen für die Formel 1 sehr wichtig.“

Der australische Rennfahrer ist einer der Hauptprotagonisten der Doku. Seine ungeklärte Vertragssituation während der Saison und seine Entscheidung von Red Bull nach Renault zu wechseln, wurde Schritt für Schritt von Kameras begleitet. Auch seine beiden Eltern stehen in einigen Folgen im Mittelpunkt und zeigen eindrucksvoll, wie sehr die Familienmitglieder der Fahrer an einem Rennwochenende zittern und leiden. „Ich bete jedesmal für ein sicheres Rennen. Alles darüber hinaus ist Bonus“, erzählt Ricciardos Mutter Grace in der Doku.

In der achten Episode „Die nächste Generation“ bekommen die Motorsport-Fans einen Eindruck von Charles Leclerc, Patenkind des 2015 verstorbenen Rennfahrers Jules Bianchi. Der 21-Jährige feierte erst im vergangenen Jahr sein Formel-1-Debüt bei Sauber und ist ab dieser Saison Teamkollege von Sebastian Vettel bei Ferrari.

Ausführliche Darstellungen über den vierfachen deutschen Weltmeister Vettel fehlen aber leider in der Doku. Ebenso wie Bilder aus der Mercedes-Boxengasse mit Star-Fahrer Lewis Hamilton. Sowohl Mercedes als auch Ferrari weigerten sich als einzige der zehn Teams an der Doku teilzunehmen. Auch deshalb spielt der Titelkampf von 2018 nur eine untergeordnete Rolle. Das ist zwar schade, tut der Qualität der Doku aber keinen Abriss. Vielmehr wird deutlich, dass die Formel 1 auch abseits des Kampfes um die Weltmeisterschaft ein hochspannender Sport ist. Mit vielen Emotionen und außergewöhnlichen Geschichten.

(seka)
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