Daniel Ricciardo gewinnt vor Nico Rosberg und Sebastian Vettel

Hamilton raus, Vettel Dritter : Ricciardo raubt Rosberg kurz vor dem Ziel den Sieg

Eine kuriose Doppel-Panne hat die Erfolgsserie der Silberpfeile in Kanada jäh beendet und Daniel Ricciardo im Red Bull den Sieg beim Großen Preis von Kanada beschert – der erste Sieg für den Australier in der Königsklasse.

Eine kuriose Doppel-Panne hat die Erfolgsserie der Silberpfeile in Kanada jäh beendet und Daniel Ricciardo im Red Bull den Sieg beim Großen Preis von Kanada beschert — der erste Sieg für den Australier in der Königsklasse.

Der drittplatzierte Weltmeister Vettel verpasste seinem Teamkollegen Ricciardo die verdiente Champagnerdusche — und der Australier feierte ausgelassen seinen Premierensieg in der Formel 1. Neben den beiden Red-Bull-Piloten freute sich WM-Spitzenreiter Rosberg nach großen Problemen an seinem Silberpfeil über 18 Punkte für Platz zwei beim Großen Preis von Kanada und den Ausbau des Vorsprungs auf seinen ausgefallenen Mercedes-Teamkollegen Lewis Hamilton.

"Ich selbst bin immer noch ein wenig geschockt, es ist einfach unglaublich", sagte Ricciardo, der in seiner ersten Saison für Red Bull fährt. "Heute ist sein Tag", freute sich Vettel für Ricciardo: "Wir hatten ein gutes Comeback."

Rosberg, der sich nach sechs Silberpfeil-Erfolgen in den ersten sechs Rennen erstmals einem anderen Auto geschlagen geben musste, war trotzdem nicht unzufrieden: "Ich habe sehr viel Leistung verloren. Ich habe alles versucht, leider hat es gegen Daniel nicht ganz geklappt."

Rosberg baut Führung in der WM-Wertung aus

Rosberg hat sich trotz der knappen Niederlage zum Favoriten im Titel-Duell der Silberpfeile aufgeschwungen und die Führung im WM-Klassement ausgebaut. Der 28-Jährige brachte seinen angeschlagenen Boliden immerhin über die Ziellinie und liegt nun mit 140 Punkten bereits 22 Zähler vor Hamilton (118).

Nachdem beide Silberpfeile fast zeitgleich durch Probleme mit dem Elektromotor an Leistung verloren hatte, streikten wenig später beim englischen Ex-Weltmeister die Bremen — nach dem Aus im Auftaktrennen in Australien bereits der zweite Ausfall für den 29-Jährigen.

Mit Rosberg an der Spitze waren die Silberpfeile zunächst erneut klar schneller als die Konkurrenz und steuerten scheinbar ungefährdet dem sechsten Doppelsieg in Folge entgegen, doch kurz nach der Rennhälfte verloren die Boliden fast zeitgleich an Geschwindigkeit. "Das war schon komisch, dass uns das gleichzeitig passiert ist", sagte Rosberg, der nach dem Tohuwabohu nach eigenem Bekunden nicht wusste, auf welcher Position er ins Ziel gekommen ist.

Noch am Samstag hatte alles seinen gewohnten Lauf genommen, Rosberg hatte sich in beeindruckender Weise die Pole vor Hamilton gesichert. Ob er sie auch würde nutzen können, schien jedoch fraglich. Denn häufig in der Saison hatte der Deutsche schon am Start die Chance auf einen Sieg verschenkt, ein Problem, an dem er mit seinen Ingenieuren in den vergangenen Wochen entsprechend hart arbeitete. "Ich werde heute Nacht gut schlafen, weil ich von einem starken Start ausgehe", sagte der Wahlmonegasse daraufhin am Samstagabend.

Als die roten Ampeln ausgingen, zeigte sich jedoch, dass die Zweifel berechtigt waren. Rosberg erwischte den schlechteren Start und musste Hamilton fast vorbeiziehen lassen. Dank eines harten Manövers hielt der Deutsche jedoch seine Position und zwang Hamilton auf den Seitenstreifen — Vettel nutzte das, um auf Rang zwei vorzurücken.

Der Weltmeister war zu diesem Zeitpunkt jedoch chancenlos gegen Hamilton im überlegenen Silberpfeil und musste den Ex-Champion nach wenigen Runden ziehen lassen. "Ich werde versuchen, so nah wie möglich an ihnen dranzubleiben", hatte Vettel noch vor dem Rennen gesagt, "vielleicht komme ich ja in den Windschatten." Das erwies sich jedoch als unmöglich, die Silberpfeile zogen davon, und lieferten sich an der Spitze erst einmal ihr privates Duell. Auch durch die ersten Stopps änderte sich nichts an der Reihenfolge, danach machte Hamilton jedoch Druck.

Der Engländer war nun schneller und trieb Rosberg in einen Fehler, durch den dieser eine Kurve abkürzen musste — die Rennleitung untersuchte den Vorfall, beließ es aber bei einer Verwarnung für den Deutschen.

Vettel war mittlerweile durch eine unterlegene Strategie zurückgefallen und hatte das Podest aus den Augen verloren, da drehte sich durch den Mercedes-Schaden das Rennen auf den Kopf. Rosberg hatte als einziger verbliebener Silberpfeil völlig ungewohnte Schwierigkeiten auf der Geraden — doch in den Kurven zeigte Rosberg lange seine Klasse. In der spannenden Schlussphase schnappte sich aber Ricciardo den WM-Spitzenreiter, Vettel holte Platz drei. Sergio Perez und Felipe Massa sorgten in der Schlussrunde mit einem Crash noch für eine Safety-Car-Phase.

Ergebnisse

Grand Prix von Kanada in Montréal (70 Runden à 4,361 km/305,270 km):

1. Daniel Ricciardo (Australien) Red Bull 1:39:12,830 Std. (Schnitt: 184,613 km/h)
2. Nico Rosberg (Wiesbaden) Mercedes + 0:04,236 Min.
3. Sebastian Vettel (Heppenheim) Red Bull + 0:05,247
4. Jenson Button (England) McLaren Mercedes + 0:11,755
5. Nico Hülkenberg (Emmerich) Force India + 0:12,843
6. Fernando Alonso (Spanien) Ferrari + 0:14,869
7. Valtteri Bottas (Finnland) Williams + 0:23,578
8. Jean-Eric Vergne (Frankreich) Toro Rosso + 0:28,026
9. Kevin Magnussen (Dänemark) McLaren Mercedes + 0:29,254
10. Kimi Räikkönen (Finnland) Ferrari + 0:53,678
11. Sergio Perez (Mexiko) Force India + 1 Runde
12. Felipe Massa (Brasilien) Williams + 1 Runde
13. Adrian Sutil (Gräfelfing) Sauber + 1 Runde
14. Esteban Gutiérrez (Mexiko) Sauber + 6 Runden

Ausfälle:
Kamui Kobayashi (Japan) Caterham (1. Runde)
Daniil Kwjat (Russland) Toro Rosso (1. Runde)
Romain Grosjean (Frankreich) Lotus (21. Runde)
Marcus Ericsson (Schweden) Caterham (23. Runde)
Max Chilton (England) Marussia (46. Runde)
Jules Bianchi (Frankreich) Marussia (47. Runde)
Lewis Hamilton (England) Mercedes (48. Runde

Schnellste Rennrunde: Felipe Massa (Williams) 1:18,504 Min.
Pole Position: Nico Rosberg (Mercedes) 1:14,874 Min.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Ricciardo holt in Kanada ersten Grand-Prix-Sieg

(seeg)
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