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Formel-1-Chef: Bernie Ecclestone wird vor Gericht gestellt

Formel-1-Chef : Bernie Ecclestone wird vor Gericht gestellt

Bernie Ecclestone muss sich wegen des Verdachts auf Anstiftung zur Untreue und Bestechung verantworten. Es geht um den früheren Verkauf von Anteilen an der Rennsportserie. Für Ecclestone steht seine Karriere auf dem Spiel.

Im Oktober 2013 ist Bernie Ecclestone 83 geworden. In dem Alter genießen die meisten ihren Ruhestand, fernab von beruflichem Stress, Geldscheffeln und Reisen rund um die Welt. Ecclestone ist anders. Der Mann gilt immer noch als der große Zampano im Formel-1-Rennsport. Aber wie lange noch? Seit gestern ist klar, dass Ecclestone vor Gericht gestellt wird, weil er unter dem Verdacht der Anstiftung zur Untreue und der Bestechung steht. Und wenn ihm der Strafprozess tatsächlich eine Gefängnisstrafe eintragen sollte, dürfte seine Zeit im Motorsport wohl zu Ende sein.

Die Staatsanwaltschaft München hat Ecclestone im Juli des vergangenen Jahres angeklagt, das Landgericht München ließ die Anklage gestern zu. In der Sache geht es um den Verkauf von Anteilen an der Formel 1 vor acht Jahren. Diese Anteile gehörten ursprünglich mal dem Medienunternehmer Leo Kirch, waren aber an die Bayerische Landesbank (BayernLB) als einen der größten Kirch-Gläubiger verpfändet. Als die Landesbank diese Anteile verkaufen wollte, soll Ecclestone Angst um seinen Einfluss auf die Rennserie gehabt und die Banker gedrängt haben, an einen Investor zu verkaufen, der Ecclestone genehm war. Ein solcher war die Investmentgesellschaft CVC. Ecclestones Ansprechpartner bei der Bank war deren damaliges Vorstandsmitglied Gerhard Gribkowsky. Dem soll Ecclestone als Entlohnung für dessen Willfährigkeit bei der Veräußerung der Anteile 44 Millionen Euro gezahlt haben. Weil das Landgericht München das als erwiesen ansah, wurde Gribkowsky schon wegen Untreue und Bestechlichkeit zu achteinhalb Jahren Gefängnis verurteilt.

Jetzt ist Ecclestone dran. Der vorläufige Höhepunkt in einer Affäre, die inmitten eines Milliardengeschäfts mit schillernden Gestalten spielt. Und in der die eine Seite die andere seit Jahren mit Vorwürfen überzieht. Nicht nur Gribkowsky hat stets behauptet, Ecclestone habe ihn zum Verkauf an CVC gedrängt. Auch der Brite hat den Deutschen an den Pranger gestellt und beteuert, er habe das Geld nur gezahlt, weil Gribkowsky ihm gedroht habe, ein steuerlich umstrittenes Stiftungsmodell Ecclestones öffentlich zu machen. Um Bestechung sei es ihm, Ecclestone, nie gegangen. Seine Verteidiger, Sven Thomas und Norbert Scharf, haben diese Vorwürfe gestern ebenfalls noch einmal zurückgewiesen. Die Zulassung der Anklage sei kein Befund in der Sache selbst, erklärten die Anwälte und ergänzten in ihrer Stellungnahme: "Die behauptete Bestechung gab es nicht." Die Vorwürfe seien unzutreffend und ergäben kein schlüssiges Bild, sagen die Vertreter des Angeklagten.

Das alles mag man glauben oder nicht. Die Anklage und der Strafprozess in München bleiben dem Briten nicht erspart. Vermutlich der Stimmung halber hat er schon mal bekundet, wie schön er die bayerische Landeshauptstadt findet. Und auch die Tatsache, dass ausgerechnet am Tag vor der Bestätigung des Prozesses durch das Gericht Ecclestone neuerlich Interesse am Kauf der Nürburgring-Rennstrecke in der Eifel angemeldet hat, lässt manche vermuten, dass der rüstige Senior ein möglichst positives Image von sich zu verkaufen sucht — sozusagen als Retter der deutschen Formel-1-Landschaft.

Der Prozess soll Ende April beginnen. Die Ecclestone-Anwälte haben gestern auch erklärt, es müssten weitere Zeugen gehört werden, und es müsse neues Beweismaterial gesichtet werden. Das kann den Prozess in die Länge ziehen, was den Formel-1-Protagonisten durchaus lieb sein könnte. Denn je schneller das Verfahren zu Ende wäre, umso schneller könnte es in der Formel 1 an der Zeit sein, sich ein neues Aushängeschild suchen zu müssen —wenn Ecclestone zu einer Haftstrafe verurteilt würde. In der Rennserie vertretene Autokonzerne wie Ferrari und Mercedes pochen für den Fall einer Verurteilung Ecclestones auf ihre Ausstiegsmöglichkeiten, und das würde dem Spektakel auf der Rennstrecke gewaltigen Schaden zufügen. Solange aber ein Freispruch denkbar ist, setzt die Branche auf ihren Guru. Ein allseits akzeptierter Nachfolger wird jedenfalls derzeit nirgendwo nach vorn geschoben, obwohl schon mehrmals neue Namen gehandelt wurden.

(RP)