Nach Niederlage gegen Madrid Woran Rhein Fire arbeiten muss

Analyse | Düsseldorf · Die erste Pleite nach 16 Siegen in Folge für Rhein Fire hatte sich angedeutet. Gegen Madrid gab es Probleme auf vielen Ebenen. Doch Grund zur Hoffnung auf Besserung besteht.

Rhein Fire: Das ist der Spielplan in der ELF-Saison 2024
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Das ist der Spielplan von Rhein Fire

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Foto: Rhein Fire/Justin Alexander Derondeau

Schon während des Spiels von Rhein Fire bei Frankfurt Galaxy beschlich einen das Gefühl, dass die Siegesserie ein Ende finden könnte. Doch letztlich ließ der Gegner einige Chancen ungenutzt und Fire schlug eiskalt zu. Sechs Tage später gegen die Madrid Bravos war es dann aber doch soweit, 10:22 hieß es am Ende in Oberhausen.

Was trotz der Siege von Fire in den Spielen zuvor schon zu sehen war, verdeutlichte sich bei dieser Niederlage noch einmal. Was schief lief, was aber auch Besserung verspricht:

Wide Receiver: Die Ausfälle auf dieser Position sind gravierend. Rhein Fire hat 2023 häufig genug gewonnen, weil man den Gegner mit seiner individuellen Klasse erdrückt hat. Das klappt nicht, wenn die besten drei, vier Wide Receiver allesamt fehlen. Rhein Fire will zwar ohnehin über das Laufspiel kommen, doch wenn die Gefahr im Passspiel fehlt, dann wird es schnell eindimensional und ausrechenbar – kurz: einfacher zu verteidigen.

Interceptions: Das beste Beispiel dafür lieferte Bravos-Defensive-Back Jalen Embry. Schon im allerersten Drive von Fires Offensive wusste er genau, wohin Quarterback Jadrian Clark beim dritten Versuch werfen wollte. Clark spekulierte darauf, dass Embry tiefer mitlaufen würde, der lauerte aber stattdessen auf den Pass, den Clark dann auch tatsächlich warf. Beinahe kam es zur ersten Interception, wenig später fing Embry gleich zwei auf genau diese Art und Weise.

Bei der ersten davon allerdings ist nicht ganz klar, ob Clark entweder zu weit (für Justin Schlesinger) oder zu kurz (für Devin Heckstall) geworfen hat. Wahrscheinlich ersteres, wobei das auch wieder daran liegen könnte, dass Schlesinger aus einem 45-Grad-Winkel direkt nach seinem Cut auf 90 Grad wechselte. Wäre er schräg weitergelaufen, wäre er wohl ungefähr an der richtigen Stelle gewesen. Wessen Fehler das war, wissen die Beteiligten sicherlich. Clarks zweite Interception war dann mehr oder weniger der Versuch, kurz vor Schluss noch irgendwie zum Anschluss zu kommen.

Devin Heckstall: Der erst wenige Tage zuvor angereiste US-Amerikanische Neuzugang konnte ob der Kürze der Zeit noch nicht die erhoffte Verstärkung sein. Doch er probierte alles; an der Seitenlinie sprach er ständig mit Mitspielern und Coaches, der verletzte Kelvin McKnight malte ihm eigens die Spielzüge an der Tafel auf. Doch mehr als ein paar Catches für ein paar Yards Raumgewinn waren noch nicht drin. Heckstall ist ein anderer Spielertyp als McKnight, das Konzept muss sicher noch auf ihn angepasst werden. Bei den paar Aktionen, die er hatte, ließ Heckstall aber aufblitzen, dass er noch eine echte Waffe sein kann.

Kurzes Experiment: Wahrscheinlich um der Receiver-Problematik zu entgegnen, probierte es Rhein Fire zu Beginn des Spiels mehrfach mit einem „Pony Personnel“, bei dem gleich zwei Running Backs neben dem Quarterback auf dem Feld stehen. Den gewünschten Erfolg brachte es aber keineswegs; daraus resultierte stattdessen ein riesiger Raumverlust, als ein Pitch auf TJ Alexander schief ging und zum Fumble wurde, der aber immerhin ins Aus rollte, sodass der Ball zumindest nicht verloren ging.

Danach war das Experiment mehr oder weniger beendet, später war nur noch einmal Sergej Kendus neben Glen Toonga zwar auf dem Feld, aber als Wide Receiver aufgestellt. Nach dem Fumble ging es zurück zum bekannten Laufspiel mit Yasir Raji als sechstem Offensive Lineman und Toss-Plays über Toonga, die Frankfurt sehr zu schaffen gemacht hatten. Gegen Madrid klappte das auch ganz gut, auch wenn es nicht reichte. Dennoch: Das Laufspiel ist kein Problem bei Rhein Fire. Wichtig wird es sein, die Eindimensionalität in den Griff zu bekommen, dann wird die Offensive schnell wieder erfolgreicher sein.

Zu wenig, zu spät: Nicht immer konnten die Ausfälle auf Wide Receiver als Erklärung für die Schwächen im Passspiel herhalten. Bei einem vierten Versuch im zweiten Viertel war Justin Schlesinger völlig frei, doch Clark brauchte zu lange, um das zu erkennen. Als er dann warf, war es zu spät und der Pass wurde geblockt.

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Foto: ELF/Jonas Wicker

Im Schlussviertel hatte der Quarterback nie eine echte Chance. Bei einem dritten Versuch beim Stand von 7:15 musste es in die Endzone gehen, doch der Spielzug sah vor, dass gleich zwei Passempfänger kurze Routen hatten, die einige Yards vor der Endzone endeten. Sie anzuwerfen hätte keinen Sinn gehabt, sie wären definitiv gestoppt worden. Also konnte Clark gar nicht werfen, denn die beiden anderen Passempfänger in der Endzone wurden von fünf Verteidigern gedeckt. Das Resultat: ein Sack mit Ansage.

Schlimmeres verhindert: Die Defense von Rhein Fire hatte ihre Momente. Nach der Inerception beim Stand von 0:9 blieb sie nahe der Endzone standhaft, indem sie Druck auf Bravos-Quarterback Chris Helbig ausüben konnte. Dass es zur Pause nur 0:15 stand, war als Erfolg zu werten. Immer wieder sorgte die Defense mit starken Aktionen dafür, dass das Spiel nicht außer Reichweite geriet. Fires Defense war auch im Vorjahr keine, die den Gegner komplett erstickt hat, und sie ist es auch nach wie vor nicht. Sie gewinnt kein Spiel allein. Aber sie sorgt auch dann für eine Chance, wenn die Offensive schwächelt.

D’wayne Obi und Willie Patterson: Wer mal neben Running Back D’wayne Obi gestanden hat, der weiß, warum sich die Verteidiger von Rhein Fire zeitweise so schwer damit taten, ihn zu stoppen. Bei beiden Touchdowns gab es genügend Spieler, die ihn hätten aufhalten können, doch die Tackle-Versuche blieben vergebens. Am Ende waren die Bravos manchmal einen kleinen Ticken physischer, auch wenn Fires Defense ebenso ihre Momente hatte mit Tackles für Raumverlust und Quarterback-Sacks.

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Foto: dpa/Federico Gambarini

Willie Patterson war der andere Akteur, den man nicht in den Griff bekam. Der ehemalige Fire-Receiver konnte sich immer wieder von seinen Gegenspielern lösen und wichtige Pässe fangen (oder später auch werfen). Immer wieder fand er die Lücken in Fires Defensive – klar, er hatte ja auch mehrere Monate im Training gegen sie gespielt und weiß genau, wo sie verwundbar ist. Dass mit Darrius Nash auch noch einer der US-Imports auf Seiten der Defense verletzt fehlte, war natürlich keine Hilfe.

Statistik-Hölle: Oft helfen Zahlen ganz gut, um bestimmte Sachverhalte einzuordnen. Doch von der European League of Football gibt es 2024 bisher leider keine verlässlichen Statistiken. So soll gegen Madrid Cornerback Till Janssen einen Pass geworfen haben, Defensive Back Vincent Woywod hat der ELF zufolge Running Back gespielt, Sergej Kendus bei drei Läufen einen Raumverlust von 31 Yards erzeugt und Marius Kensy liegt bei Tackles für Raumverlust im Minusbereich, wie auch immer das gehen soll. Das hat im Vorjahr deutlich besser geklappt und hoffentlich bekommt die Liga das bald wieder in den Griff.

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