Gold für Lückenkemper und Co. Deutsche Sprint-Staffel feiert magische Nacht von München

München · Die deutsche Sprint-Staffel läuft souverän zum EM-Gold in München und sorgt für einen perfekten Abschluss der European Championships. Vor allem die Geschichten Gina Lückenkemper und Alexandra Burghardt stechen heraus.

 Lisa Meyer (l-r), Gina Lückenkemper, Alexandra Burghardt und Rebekka Haase (Deutschland) sind Europameisterinnen mit der Sprint-Staffel.

Lisa Meyer (l-r), Gina Lückenkemper, Alexandra Burghardt und Rebekka Haase (Deutschland) sind Europameisterinnen mit der Sprint-Staffel.

Foto: dpa/Soeren Stache

Plötzlich herrschte noch einmal Stress und Gina Lückenkemper legte einen schnellen Schritt ein. Der Zeitplan drängte, sie musste mit ihren Kolleginnen Alexandra Burghardt, Lisa Mayer und Rebekka Haase zur Siegerehrung. Diesen Stress, den ließen die vier schnellsten Frauen Europas gern über sich ergehen, schließlich stand nun die große Party auf der Seebühne im Olympiapark an. Am Sonntagabend gewannen sie zum Abschluss der European Championships in beeindruckend souveräner Manier EM-Gold mit der 4x100-Meter-Sprintstaffel vor Polen und Italien.

„Das ist total geil“, sagte Gina Lückenkemper, die fünf Tage nach ihrem vollkommmen überraschenden Einzeltitel auch Gold mit der Mannschaft feiern konnte. Es war ein Sieg mit Ansage. Das Quartett, dass bei der WM vor einigen Wochen in Eugene noch mit Tatjana Pinto statt Mayer am Start stand, war damals in den USA auf dem Bronze-Rang die schnellste europäische Staffel. Burghardt kündigte bereits im Gespräch mit unserer Redaktion an, dass Gold das erklärte Ziel sei. Doch die Art und Weise, wie die Deutschen am Sonntagabend über die Bahn flogen, war fast magisch. „Das Publikum hat mich bei jedem Schritt gefeiert, da hatte ich richtig Bock zu laufen“, schwärmte Lückenkemper.

Bereits am Nachmittag im Teamhotel, als die Staffel zu einem letzten kleinen Meeting bei Kaffee und Sonnenschein zusammenkam, schwärmte sie ihren Teamkolleginnen noch einmal vor, was es bedeuten würde, vor dem vollen Olympiastadion zu laufen. Nicht, dass es zum Beispiel eine Burghardt nicht bereits im 200-Meter-Finale selbst erlebt hätte. Aber dieses Erlebnis von ihrem Sprintfinale am Dienstag musste Lückenkemper einfach noch mal teilen.

Eine „Sternstunde“ sei das gewesen, sagte DLV-Präsident Jürgen Kessing am Sonntagmittag noch über diesen Lauf – ähnlich dürfte er ein paar Stunden später auch über das Staffel-Gold gedacht haben.

European Championships: Die deutschen Medaillengewinner von München
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Die deutschen Medaillengewinner von München

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Foto: AFP/ANDREJ ISAKOVIC

Vor allem wenn man bedenkt, dass ausgerechnet Lückenkemper bis Samstagabend noch fraglich war. Bei ihrem famosen Gold-Lauf stürzte sie, schlug sich das Knie auf, musste genäht werden. Abschürfungen am rechten Bein waren auch am Sonntag noch deutlich zu sehen. „Ich habe alles gegeben, um hier auf der Bahn zu stehen“, sagte sie. „Ich wollte unbedingt dabei sein und das hier ist die 100-prozentige Belohnung dafür, was wir in den letzten Tagen alles unternommen haben.“

Historisches hatte durch das Staffel-Gold derweil Burghardt geschafft. Innerhalb eines Jahres machte sie den Medaillensatz aus Gold, Silber und Bronze komplett – bei drei verschiedenen Großevents. Noch im Februar gewann sie als Anschieberin von Mariama Jamanka Silber bei den Olympischen Winterspielen im Bob, vor drei Wochen holte sie Bronze bei der WM mit der Staffel und nun die Gold-Medaille. „Eine internationale Medaille ist schon wahnsinn – aber das jetzt?! Ich kann es noch nicht begreifen“, sagte sie.

Was auffiel: Die deutschen Staffel-Frauen setzten das souverän um, was sie im Vorfeld großspurig angekündigt hatten. Im Prinzip war klar, dass Gold bei den European Championships nur über Deutschland gehen könne. Wie sie waren auch andere deutsche Athletinnen und Athleten zuvor forsch gewesen in der Aussprache von Zielen. Jahrelang war das nicht der Fall. Eine Veränderung, die auffiel.

„Es ist eine Frage des Selbstbewusstseins, wenn man seine Ziele öffentlich ausspricht. Das ist in anderen Nationen ganz normal“, sagte Burghardt, die zugab, selbst damit in der Vergangenheit so ihre Probleme gehabt zu haben. Es sei aber der Anfang, wenn man es täte. „Nur so kann man schlussendlich auch erfolgreich sein. Man muss selbst dran glauben“, sagte sie. Die deutsche Staffel hat es jedenfalls getan – und wurde dafür belohnt.

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