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Chance auf Gold im Tischtennis Wie sich Borussias Dang Qiu ins EM-Finale spielte

Analyse | München · Nach dieser EM in München kennen nicht nur Düsseldorfer Tischtennis-Fans den Namen von Dang Qiu. Bei den European Championships schlägt er erst Timo Boll, erreicht dann das Finale. Nun soll der Titel her.

  Dang Qiu spielt den Ball im Halbfinale gegen Mattias Falck.

Dang Qiu spielt den Ball im Halbfinale gegen Mattias Falck.

Foto: dpa/Marius Becker

Nicht der Olympia-Dritte Dimitrij Ovtcharov, nicht der Rekordeuropameister Timo Boll, nein, Dang Qiu aus Nürtingen steht im Finale der Tischtennis-EM in München. Der 25-Jährige, der in der Bundesliga für Borussia Düsseldorf spielt, kann am Sonntagnachmittag (16 Uhr/ZDF) bei den European Championships die Nachfolge seines Teamkollegen Boll antreten. Ein neuer Name in der langen Liste international erfolgreicher deutscher Tischtennisspieler.

Denn für Qiu wird es die erste Medaille im Einzel bei einer Europameisterschaft. Überhaupt feierte er in München seine Premiere für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB) im Einzel. „Das hat mich auch überrascht, weil er schon so lange zum Team gehört“, gab Bundestrainer Jörg Roßkopf zu. Doch bisher glänzte Qiu, der mit der asiatischen Penholder-Griffhaltung spielt, vor allem im Doppel und im Team. Zu groß war der Abstand zu Boll und Ovtcharov, zu hell deren Strahlkraft ohnehin.

Doch im Schatten der beiden Großen im deutschen Tischtennis entwickelte Qiu sein Spiel vor allem im vergangenen Jahr akribisch weiter. Verbesserte einige Schläge, lernte im dominanten Spiel dazu. Sein passives Spiel war ohnehin schon stark. Der Wechsel zum deutschen Rekordmeister Borussia Düsseldorf dürfte dabei geholfen haben. Dort trainiert er zusammen mit Boll, hat die Tischtennis-Ikone als Motivation ständig vor sich.

So spielte sich Qiu in den vergangenen Monaten immer näher an die Weltspitze heran. Als 13. der Weltrangliste schnuppert er an den Top Ten. Die hatte er in diesem Jahr sogar schon kurzzeitig erreicht. Bei der Heim-EM war er an Nummer vier gesetzt. Völlig überraschend kommt sein Erfolg in München daher nicht.
Sehr wohl überraschte, wie er ins Finale eingezogen ist. In der ersten Runde stand der Borussia-Spieler bereits gegen den Türken Ibrahim Gündüz vor dem Aus. „Im siebten Satz gegen ihn habe ich nicht daran gedacht, dass ich am Sonntag im Finale stehe. Aber das ist Tischtennis. So schnell kann es gehen“, sagte Qiu.

So schnell ging es, weil Qiu zu seiner guten Form fand. Er gewann die zweite Runde und das deutsche Achtelfinale gegen seinen guten Freund Benedikt Duda ebenfalls. Doch dann wartete da ausgerechnet Boll im Viertelfinale. Noch nie hatte er gegen die frühere Nummer eins der Welt gewonnen. Er würde sein bestes Tischtennis zeigen müssen, um gegen den Routinier zu bestehen, das war ihm klar. Boll war die lange Trainingspause nach einer Verletzung zwar während der EM anzumerken, dennoch erreichte er mit seiner Weltklasse das Viertelfinale. „Wenn Timo sein bestes Tischtennis spielt, wird es für jeden schwer“, sagte Qiu. Doch Boll spielte nicht sein bestes Tischtennis, auch, weil Qiu ihm keine Chance dazu gab. Der 25-Jährige machte mächtig Druck, seine Vorhandtopspins sah Boll immer wieder nicht vorher. „Selbst wenn ich mal einen guten Ball gespielt habe, hatte er eine gute Antwort“, sagte Boll.

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Und so hatte Qiu nach nicht mal einer halben Stunde Spielzeit beim Stand von 3:0-Sätzen neun Matchbälle. Boll machte noch einen Punkt, dann machte Qiu den Satz zum Matchsieg zu. Seine erste Einzel-Medaille bei einem internationalen Turnier hatte er damit sicher. Doch er wollte mehr. „Es wäre ja schade, wenn ich Timo raushaue und dann im Halbfinale sang- und klanglos rausgehe“, hatte Qiu nach dem Viertelfinale gesagt. Mit diesem Motto ging er dann auch am Abend das Spiel gegen den Schweden Mattias Falck an.

Dass die Aufmerksamkeit der deutschen Fans im Halbfinale in der gut gefüllten Rudi-Sedlmayer-Halle nun ganz auf ihm liegen würde, war spätestens klar, als Ovtcharov sein Viertelfinale gegen den Schweden Kristian Karlsson 2:4 verloren hatte. Und so trugen die Zuschauer Qiu mit lauten Anfeuerungen von Punkt zu Punkt. Immer zur Mitte des Satzes konnte der Deutsche sich absetzen, führte schnell 3:0. Dann zog Falck sein gefürchtetes Spiel auf, doch Qiu blieb nach dem 1:3 ruhig und machte das Finale perfekt.

Qiu muss es nun am Sonntag also für den Deutschen Tischtennis-Bund richten und den EM-Titel von Timo Boll verteidigen. Was Bundestrainer Roßkopf nicht überraschte. Boll, Ovtcharov und Patrick Franziska seien durch ihre Verletzungen beziehungsweise die Babypause (Franziska) nicht auf Top-Niveau gewesen, hätten es dennoch ins Finale schaffen können. Mit Duda und Qiu habe man aber zwei Spieler in Topform gehabt. „Der Titel geht nur über einen deutschen Spieler, habe ich vor der EM gesagt, und so ist es“, betonte der Bundestrainer.

Qiu hoffte da, dass er vor dem Finale etwas schlafen könnte, um sich dann wie gewohnt auf das Spiel vorzubereiten. „Wenn man versucht, was anderes zu machen, geht es eh schief“, sagte er. Und das soll es gegen den starken Slowenen Darko Jorgic, der ins Finale einzog, nachdem sich sein Gegner Kristian Karlsson an der Hand verletzt hatte, auf keinen Fall. Immerhin will er nach seinem ersten Sieg gegen Timo Boll wenigstens als Europameister schon mal seine Nachfolge antreten.

Ob ihm das auch dauerhaft gelingen kann? „Dafür muss er ein paar Jahre auf hohem Niveau spielen, ein paar Titel gewinnen, damit er überhaupt präsent für die Leute wird. Ich war mit 22 die Nummer eins der Welt und trotzdem kannte mich kaum jemand. Das muss er sich erst mal erarbeiten, aber er kann das schaffen“, sagte Boll.

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