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European Championships: Meisterleistung von Klosterhalfen​

Gold über 5000 Meter : Meisterleistung von Klosterhalfen

Während alle auf Weitspringerin Malaika Mihambo blickten, lief Konstanze Klosterhalfen mit einer überragenden Leistung über 5000 Meter zu EM-Gold. Mihambo dagegen wurde erstmals seit 2018 bei einer Freiluft-Meisterschaft geschlagen.

Konstanze Klosterhalfen schnappte sich eine Deutschland-Fahne und lief und lief und lief. Während im Münchner Olympiastadion alle auf den Weitsprung und den deutschen Leichtathletik-Superstar Malaika Mihambo blickten, zeigte die Bonnerin ein herausragendes Rennen und holte sich Gold über die 5000 Meter. Wie einst 1972 bei den Olympischen Spielen an gleicher Stelle John Akii-Bua drehte Klosterhalfen direkt an die letzte gezeitete Stadionrunde noch eine und genoss sichtlich den Jubel der Fans. Endlich spürte sie die Liebe der Fans, endlich holte sie den ersehnten internationalen Titel. „Das ist der schönste Moment in meinem Leben“, stammelte sie ungläubig ins Stadion-Mikrofon.

Mihambo wirkte auch etwas ungläubig – allerdings aus einem anderen Grund. Erstmals seitdem sie 2018 EM-Gold gewonnen hatte, wurde sie bei einer Freiluft-Meisterschaft wieder geschlagen und holte „nur“ Silber im Weitsprung hinter der Serbin Ivana Vuleta.

Dafür hatte Klosterhalfen schon keinen Blick mehr, nachdem sie in München ihren Doppelstart über die beiden längsten Laufdisziplinen krönte. Am Montag über 10.000 Meter noch undankbare Vierte, dem Antritt der Türkin Yasemin Can nichts mehr entgegenzusetzen, als diese anzog, behielt die 25-Jährige am Donnerstag die Nerven. Mit einer taktischen Meisterleistung steigerte sie ihr Tempo regelmäßig, lief wieder auf Can auf und überholte diese in der vorletzten Runde. Auf den letzten 400 Metern schien sie von den Fans getragen zu werden – Klosterhalfen lief in 14:50,47 Minuten zu EM-Gold.

Die Medaille ist für Klosterhalfen, die in den vergangenen Jahren in aller Regelmäßigkeit deutsche Rekorde verbesserte, auch ein Sieg über die Zweifler – und die eigenen Zweifel. Noch nach dem 10.000-Meter-Rennen sah sie etwas bedröppelt aus, weil sie die angepeilte Zeit von unter 31 Minuten nicht knacken konnte. Chef-Bundestrainerin Annett Stein sagte zwischen den Rennen, dass die Bonnerin noch nicht da sei, wo man sie gern hätte. Klosterhalfens Antwort folgte auf der Bahn.

Gold vor heimischem Publikum dürfte auch mit Blick auf die Aufmerksamkeit für sie in Deutschland wichtig gewesen sein. Seitdem sie in den USA trainiert, wird ihr diese oft nur bei Großereignissen zu Teil. Selbst die WM-Bronze-Medaille von 2019 in Doha änderte dies nicht. Der EM-Titel nun schon?

Ein Problem mit mangelnder Aufmerksamkeit hat Mihambo schon lange nicht mehr. Sie ist Werbefigur der European Championships und lockte die Fans am Donnerstagabend trotz einer Unwetterwarnung mit zwischenzeitlichem sintflutartigem Regen mit einer eigens für sie kreierten Ticket-Aktion ins Stadion. Sie war Hoffnungsträgerin der deutschen Leichtathletik auf eine EM-Medaille, als noch nicht klar war, dass Gina Lückenkemper und Niklas Kaul bereits den Goldregen eröffnen würden. Das nahm vielleicht auch etwas den Druck von Mihambo, wobei sie diesen ja ohnehin nie verspüren würde. „Ich muss niemandem mehr etwas beweisen“, sagte sie bereits nach ihrem Olympiasieg in Tokio im vergangenen Jahr. Deshalb wirkte sie auch nicht allzu enttäuscht, als sie ins das Publikum winkte und sich für den zweiten Platz feiern ließ.

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Dass Mihambo überhaupt eine Silbermedaille gewinnen konnte, war bis zu Beginn der EM-Woche in München noch alles andere als sicher. Nach der Weltmeisterschaft in Eugene, wo sie bereits souverän ihren WM-Titel von 2019 verteidigte, infizierte sie sich mit dem Coronavirus. Bis Montagabend ließ sie offen, ob sie antreten könne. Doch dann die Entwarnung: die im Vorfeld als wohl sicherste Medaillenkandidatin aus deutscher Sicht angesehene Athletin springt in der Qualifikation. Vor den eigenen Fans antreten, große Gefühle erleben, eine große Show liefern – das wollte sie sich nicht entgehen lassen. Die Qualifikation gewann sie locker mit 6,99 Metern und kam damit sogar deutlich weiter als bei ihrem Titel vor vier Jahren in Berlin.

Im Wettkampf selbst sprang sie nach einem eher schwächeren ersten Durchgang auf 7.03 Meter – allerdings hatte die Serbin Ivana Vuleta im ersten Versuch schon satte 7.06 Meter vorgelegt. Daran kam Mihambo, die für ihre Nervenstärke bekannt ist, nicht mehr vorbei.

So war es Klosterhalfen, die diesen verregneten Abend doch noch golden glänzen ließ.