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European Championships: Karla Borger sieht Event als Testballon für Olympische Spiele

Beachvolleyballerin Karla Borger hofft auf Signalwirkung : „Die European Championships sind ein kleiner Testballon“

Die European Championships sind der Sport-Höhepunkt des Jahres – nicht nur aus deutscher Sicht. Die Beachvolleyballerin Karla Borger, die als Präsidentin des Vereins Athleten Deutschland auch als Stimme der Athleten gilt, erhofft sich eine Signalwirkung für Sport-Deutschland.

Es ist ja so eine Sache mit sportlichen Großveranstaltungen in Deutschland – zumindest wenn es nicht um Fußball geht. Immer wieder, wenn in den vergangenen Jahrzehnten ein Vorstoß für die Ausrichtung Olympischer Spiele unternommen wurde, scheiterten die Macher krachend. Mal war es das Internationale Olympische Komitee (IOC), das die Bewerbung abkanzelte, in der jüngeren Vergangenheit waren es vor allem die Bürger, die dieses besondere Event kategorisch ablehnten. 50 Jahre sind die letzten Olympischen Spiele nun her – 1972 fanden sie in München statt. Just an den Austragungsorten von damals beginnen in dieser Woche nun die European Championships (11. - 21. August), die gemeinsamen Europameisterschaften von neun Sportarten. Eine Art Mini-Olympia nennen es die Veranstalter und Athleten unisono.

Die deutsche Beachvolleyballerin Karla Borger stimmt in diesen Chor mit ein. Sie ist als Vorsitzende des Vereins Athleten Deutschland eine der wichtigsten Stimmen der Aktiven in diesem Land und weiß, wie viel von einem Gelingen der Veranstaltung abhängt. „Ich glaube, dass Olympische Spiele noch eine Nummer zu groß sind für das Land. Aber das ist jetzt ein kleiner Testballon. Nach den Championships werden wir wissen, wie die Gesellschaft dazu steht, wieder Olympische Spiele ausrichten zu wollen“, sagt sie im Gespräch mit der Rheinischen Post. Ähnlich sieht es Thomas Weikert, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds: „Das Beispiel München kann auch dazu beitragen, Akzeptanz und Zustimmung für das Thema Olympia in unserem Land zu stärken.“

Für Borger sind dabei zwei Fragen zentral: „Wie schaffen wir es, hochwertigen Sport zu vermitteln? Wie setzen wir den Eventcharakter um?“ Sie verweist auf die Finals in Berlin, die vor einigen Wochen bereits die Deutschen Meisterschaften in mehreren Sportarten bündelten und gute TV-Quoten und Besucherzahlen hervorriefen.

Olympische Spiele sind aber noch einmal ein anderes Thema – vor allem im eigenen Land. Die Lust darauf war den Menschen in Deutschland schon vor einigen Jahren abhandengekommen. Initiativen für Bewerbungen für die Winterspiele 2018 und 2022 in München scheiterten ebenso wie die für Sommerspiele 2024 in Hamburg oder in der Metropolregion Rhein-Ruhr 2032. Meist waren es die Bürger, die eine Bewerbung kategorisch ablehnten. Die Gründe waren vielfältig, oft war es aber vor allem die Ablehnung des IOC beziehungsweise deren Vorstellung in diversen Bereichen wie zum Beispiel den Finanzen oder Nachhaltigkeit.

Für Borger alles nachvollziehbare Gründe: „Viele Ländern haben in den letzten Jahren negative Schlagzeilen rund um Olympische Spiele produziert.“ Wichtig sei nun, „in welche Richtung entwickelt sich das alles? Werden wir nachhaltiger?“ Die Zeichen der Zeit scheinen zumindest erkannt worden zu sein, so wurden die nächsten Olympischen Sommerspiele nach Paris und Los Angeles vergeben, wo zumindest nicht alle Stätten neu aus dem Boden gestampft werden müssen.

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Ähnlich sieht es nun bei den European Championships in München aus. Die Veranstalter nutzen die Stadien und Hallen, die bereits vor 50 Jahren für die Olympischen Spiele errichtet wurden. Nachhaltigkeit ist das große Thema der Veranstalter. Zudem rücken sie einige Veranstaltungen bewusst in die Innenstadt – wie zum Beispiel das Klettern und Beachvolleyball.

Die European Championships sollen so jünger, urbaner sein, ein neues Publikum ansprechen und verlorene Fans zurückerobern. Die Europameisterschaften der Randsportarten (zumindest in Deutschland) sollen die Aufmerksamkeit auf den Sport generell richten. „Ich freue mich schon sehr, sehr lange drauf und weiß auch, was das für eine Bedeutung für den gesamten Sport in Deutschland hat“, sagt Borger. Schließlich läge eine große Aufmerksamkeit auf dem Event. Viele Eintrittskarten wurden bereits verkauft, ARD und ZDF werden viele Stunden live im TV übertragen. Aber das könne nur der Anfang sein, meint Borger. „Ich denke, dass es noch weitere Events mit diesem Ausmaß benötigt, in denen kleinere Sportarten Symbiosen schaffen und schauen, wie man das alles moderner gestalten kann. Es geht doch in erster Linie darum, die jüngere Generation, die viel vor Bildschirmen hängt, anzufixen. Viele Sportarten tun gerade viel dafür, dass sie präsent sind, gehen neue Wege“, sagt sie.

Schließlich haben die Krisen der vergangenen Jahre und Monate auch dazu beigetragen, dass der Sport in Deutschland eine immer kleinere Rolle einnimmt. Vereine hatten während der Corona-Pandemie viele Mitglieder verloren, konnten ihre Angebote nicht mehr wie gewohnt umsetzen. Mit der Energiekrise wartet nun bereits die nächste große Herausforderung. Borger warnt daher: „Es kann nicht sein, dass Sportstunden in der Schule als Erstes ausfallen. Wir müssen doch den Nachwuchs in die verschiedenen Sportarten bekommen. Ich hoffe, dass sich die Begeisterung nun auch im Ansturm auf die Vereine niederschlägt. Und ich hoffe, dass die Vereine auch die Möglichkeit haben, den Kindern und Jugendlichen etwas zu bieten.“

Die European Championships könnten daher etwas Positives bewirken – in jeglicher Hinsicht für Sport-Deutschland.

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