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European Championships: Frederik Ruppert will den Endlauf bei den 300-Meter-Hindernis erreichen

Hindernisläufer Ruppert bei den European Championships : „Die Finalteilnahme ist das Ziel“

Hindernisläufer Frederik Ruppert vom SC Myhl startet am Dienstag bei der Europameisterschaft in München. Im Interview spricht er über seine historische Bestzeit in diesem Jahr, ein böses Erwachen bei der WM, das Fernziel Olympia 2024 und wie Einlagen ihm geholfen haben.

Herr Ruppert, dieses Jahr sind Sie erstmals bei den ganz großen Events dabei: erst die WM in Eugene, nun die EM in München. Fühlen Sie sich angekommen in ihrer Sportart?

Frederik Ruppert Zum einen, ja. Zum anderen, nein. Mein Ziel war es immer, bei solchen Events dabei zu sein. Ich stelle mir aber mehr vor, als einfach nur dort mitzulaufen. Ich möchte bei diesen Events gut abschneiden und mir in den kommenden Jahren auch die Teilnahmen an den Endläufen sichern.

Die EM in München gilt nun als „Mini-Olympia“, ein Multisport-Event. Wie blicken Sie als Athlet auf diese Veranstaltung?

Ruppert Aus Zuschauersicht ist das schön. Als Athlet interessiert mich das allerdings erst einmal überhaupt nicht. Ich bin zunächst nur auf meinen Wettkampf fokussiert. Danach ist es anders. Es gibt etliche Dinge, die ich mir angucken werde. Ich bin grundsätzlich sehr sportinteressiert.

Wieso liegt Ihnen der Hindernislauf eigentlich besonders gut?

Ruppert Das kann ich gar nicht genau beantworten. Ich bin relativ zäh und kann gut die Schmerzen ertragen. Ich bin auch relativ ausdauerstark. Das heißt: Die 3000-Meter-Distanz liegt mir sehr gut und ich bringe das nötige Tempo mit. Die Hindernisse bringen eine zusätzliche Härte, die ich aber gut abkam. Da trennt sich die Spreu vom Weizen. Diese Belastung macht mir aber nichts aus. 

Was auffällt: Sie laufen nur wenige Wettkämpfe im Jahr. Woran liegt das?

Ruppert Ich bin relativ anfällig für Verletzungen. Dieses Jahr sind es für meine Verhältnisse sogar schon relativ viele Wettkämpfe (der Vorlauf in München ist Rupperts fünfter Wettkampf in dieser Saison, Anm. d. Red.). Normalerweise laufe ich nur vier oder fünf im Jahr. Ich brauche im Normalfall nach einem Wettkampf auch mindestens eine Woche, um mich auch wieder zu erholen.

Stichwort Verletzungen: 2020 mussten Sie mit muskulären Problemen an der rechten Wade lange pausieren, im Vorjahr kamen Probleme mit der Peroneussehne am rechten Fuß hinzu. Inwiefern können Sie diese Verletzungsanfälligkeit ausblenden – weil ihr Körper irgendwo ja gewisserweise ihr Arbeitsgerät ist?

Ruppert Eigentlich ist es einfach: Wenn es läuft, läuft es. Da denkt man nicht daran, dass einen irgendwas nun stoppen könnte. Der Gedanke kommt bei mir eigentlich gar nicht auf, überhaupt nicht. Viel schwieriger sind die Phasen, in denen man verletzt ist und daran denken muss, dass auch wieder bessere Tage kommen. Das ist für mich immer hart. In diesem Jahr war das sehr schwierig. Ich habe extrem lange an einer Sehnenverletzung laboriert – seit Juni im Vorjahr bis Anfang dieses Jahres. In dieser Zeit bin ich fast gar nicht gelaufen. Ich hatte dann auch nur eine sehr kurze Vorbereitungszeit von drei bis vier Monaten auf diese Saison – von daher ist es überhaupt verwunderlich, dass es so gut lief.

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Einfache Einlagen sollen Ihr langes Leiden gelöst haben?

Ruppert Im Prinzip, ja. Dem Ganzen ist aber natürlich eine Reha vorausgegangen, dazu dreimal die Woche Physiotherapie und Osteopathie. Ich habe viele Dinge parallel gemacht und es wäre nun falsch, es nur auf die Einlagen zurückzuführen. Aber das war ein Schlüsselfaktor. Aktuell bin ich beschwerdefrei.

Mit den Einlagen lief es bemerkenswert gut. Aufsehen erregten Sie im Juni, als Sie im finnischen Turku ihre Bestzeit erheblich auf 8:15,58 Minuten verbesserten. Kein deutscher Läufer war in diesem Jahrtausend schneller. Wie ordnen Sie persönlich diese Zeit ein?

Ruppert Die Zeit war super und ich bin nach wie vor extrem zufrieden damit. Vielleicht stand sie zu diesem Zeitpunkt aber auch etwas über meinem Leistungsniveau – warum auch immer. An diesem Tag hat einfach alles gepasst. Ich denke trotzdem, dass die Zeit ein Bereich ist, in dem ich mich in den nächsten Jahren etablieren sollte. Das war keine Eintagsfliege. Dieses Jahr wird es allerdings schwierig, diese Zeit noch einmal zu erreichen. Ich habe aber nun den Vorteil, mit dieser Zeit in die großen Meetings reinzukommen. Denn da geht es nach Bestzeiten – und da stehe ich nun ganz gut da.

Mit der Zeit von Turku haben Sie auch die WM-Norm erfüllt. Der Wettkampf in Eugene brachte Sie allerdings mit einem ganz anderen Leistungsniveau zusammen …

Ruppert Das war schon ein ganz anderes Niveau. Bei der WM waren viel mehr Topläufer als bei den Meetings am Start. In meinem Vorlauf waren Olympiasieger dabei, der Führende der europäischen Bestenliste, zwei weitere schnelle Afrikaner. In dem Lauf ging es auch nicht um die Zeit, sondern die Topleute haben nur auf die Platzierung geschaut. Das Feld zog sich daher nicht direkt auseinander. Keiner wollte dem anderen Platz lassen, niemand hat dem anderen irgendetwas geschenkt. Es war super eng, man hat nie die Hindernisse gesehen. Im Rennen konnte ich damit nicht umgehen. Ich bin nie in meinen Rhythmus gekommen und habe früh viel Kraft verloren. Für die EM war es allerdings eine wichtige Erfahrung für mich.

Was haben Sie aus dem WM-Lauf für sich mitnehmen können?

Ruppert Ich muss mich das nächste Mal direkt vorne einordnen und darf mich gar nicht erst auf diese Positionskämpfe einlassen. Ich brauche eine bessere Sicht auf die Hindernisse. Denn ansonsten verliere ich zu viel Kraft. Sich behaupten können, dass ist wichtig, Präsenz zeigen. Ich glaube, dieser psychologische Aspekt wird unterschätzt. Das ist etwas, was ich noch ausbauen kann – gerade mit Blick auf solche großen Veranstaltungen.

Die EM in München war dieses Jahr Ihr großes Ziel, der WM-Start kam unverhofft. Hat das ihre Vorbereitung auf die EM durcheinandergebracht?

Ruppert Definitiv. Ich habe mich trotzdem gut auf die WM vorbereitet, leider hat man das in dem Lauf nicht so gesehen. Als ich aus Amerika zurückkam, war ich jedoch zehn Tage krank. Ich bin seit einer Woche wieder im Training und die Zeiten sind wieder solide. Ich würde aber sagen, dass ich im Moment keine Zeit von 8:15 Minuten laufen kann.

In der europäischen Setzliste stehen Sie mit Ihrer Zeit von Turku auf Platz vier. Das wird aber nicht ihr Gradmesser für das Rennen sein. Was ist realistisch für Sie möglich in München?

Ruppert Mein realistisches Ziel ist erst einmal die Finalteilnahme. Dieses Ziel bleibt, trotz der beiden vergangenen Wettkämpfe, der Deutschen Meisterschaft und der WM, die ja stark auf dem absteigenden Ast waren, und nun der Krankheit. Und dann schauen, was möglich ist. Im Normalfall hätte ich eine Top-Acht-Platzierung gesagt. Ich kann allerdings nun schwierig einschätzen, wie sehr mich die Krankheit beeinflusst hat.

Olympia im Vorjahr haben Sie knapp verpasst. Trauern Sie dem noch nach?

Ruppert Ich habe dem auf jeden Fall nachgetrauert. Ich habe Olympia im Vorjahr um drei Punkte in der Weltrangliste verpasst. Das war extrem unglücklich. Das Ranking setzt sich immer aus drei Veranstaltungen zusammen, also Leistungen, die man erbracht hat. Im Vorjahr konnte ich verletzungsbedingt nur drei Leistungen erbringen. Die erste davon war ein 2000-Meter-Hindernislauf in Leverkusen – dieser Lauf gab aber keine Platzierungspunkte. Eine Woche später fand der gleiche Wettkampf in Dessau statt, der mir für die gleiche Zeit 40 Weltranglistenpunkte gebracht hätte. Damit wäre ich dabei gewesen. Leistungsmäßig hatte ich genug erbracht, ich war nur auf einem falschen Wettkampf. 2024 hole ich Olympia aber nach.

Wie sieht der Fahrplan für Olympia 2024 in Paris aus?

Ruppert Darauf ist alles ausgelegt. Am besten erfülle ich im kommenden Jahr die Norm bereits, damit die Teilnahme sicher ist. Und dann geht es darum, sich voll darauf zu fokussieren, damit ich fit bin – und dass ich dort ins Finale komme. Nächstes Jahr ist zudem die WM in Budapest. Grundsätzlich möchte ich nun jedes Jahr bei den internationalen Höhepunkten dabei sein. Das ist nicht leicht, aber mein Anspruch. Und dann sind die Finalteilnahmen das Ziel.