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European Championships 2022: Tischtennis-Star Timo Boll zu Talenten und Nachwuchs

Fit für die Heim-EM : Immer wieder Boll

Der 41-Jährige spielt seit fast 25 Jahren Tischtennis auf internationalem Topniveau. Trotz zahlreicher Verletzungen kämpft er sich immer wieder zurück - auch zur Heim-EM in München. Die könnte sein letztes großes Turnier in Deutschland werden.

Was ist mit Timo Boll? Eine Frage, die in den vergangenen Wochen immer wieder gestellt wurde. Der Tischtennis-Star laborierte an den Folgen einer Rippenverletzung, konnte nicht trainieren. Und die Heim-EM bei den European Championships standen kurz bevor. Würde die tatsächlich ohne den Rekordeuropameister stattfinden?

Dass der Spieler von Borussia Düsseldorf inzwischen immer mal wieder ausfällt, daran haben sich die Fans längst gewöhnt. Immerhin ist Boll mit seinen 41-Jahren ein echter Altmeister seines Fachs. Verletzungen und längere Erholungsphasen sind da eingepreist.

Aber für die großen Turniere hat es in den vergangenen Jahren oft dennoch gereicht. Und dann war Boll immer ein Favorit, selbst wenn er nicht topfit war. Das Team des Deutschen Tischtennisbundes (DTTB) ohne Boll – für viele unvorstellbar, erst recht bei einem so großen Multisportevent wie den European Championships, und das auch noch in Deutschland. Aber auch sportlich ist ein Ausfall von Boll immer noch ein herber Verlust.

Ein Glück also, dass die Ärzte Boll wieder einmal pünktlich zum Highlight spielfähig bekommen haben. Ab Mittwoch tritt Boll in München an, um im Einzel mindestens um die nächste EM-Medaille zu spielen. Achtmal ist er im Einzel schon Europameister, den ersten Titel gewann er vor 20 Jahren. In München geht er einmal mehr als Titelverteidiger an den Start. Nicht unter den besten Voraussetzungen. „Bisher läuft das Training gut. Ich habe hier in München bislang dreimal trainiert. Die Einheiten waren anständig und ohne Schmerzen. Formtechnisch bin ich noch nicht da, wo ich sein will, hoffe aber, dass ich mich im Laufe des Turniers noch irgendwie steigern kann“, sagte Boll.

Dabei helfen könnte die Heimkulisse: „Ich freue mich vor allem darauf, in Deutschland und endlich mal wieder vor hoffentlich vielen Zuschauern zu spielen. Solche Großveranstaltungen in Deutschland gibt es nicht so viele. Das ist ein Grund mehr, warum ich es hier versuche.“ Schon vor der EM hatte Boll gesagt, es werde wahrscheinlich das letzte so große Heim-Turnier für ihn, auch wenn er über eine Karriereende noch nicht sprechen will.

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Doch die Konkurrenz sollte sich von solchen Äußerungen nicht täuschen lassen, weiß Steffen Fetzner. Der einstige Weltmeister im Doppel spielte viele Jahre mit Boll im Nationalteam, erlebte seinen Aufstieg zum Weltklassespieler. „Wenn Timo antritt, muss man immer mit ihm rechnen. Er ist immer gefährlich, egal in welchem körperlichen Zustand“, sagt Fetzner. Auch der Trainingsrückstand dürfte aus seiner Sicht kein Problem für die EM-Spiele sein: „Er ist ein Spielertyp, der sich nach Verletzungen schnell wieder einfindet und mit seinem Spielsystem und Spielverständnis schnell wieder auf ein passables Niveau kommt.“

Man sehe in den vergangenen Monaten aber schon, dass das Spiel Boll nicht mehr so leicht von der Hand gehe, das sei ab einem gewissen Alter aber auch kaum anders zu erwarten. „Die EM dürfte ihm aber entgegen kommen. Da ist die Belastung nicht so hoch, vielleicht nur ein oder zwei Spiele am Tag“, betont Fetzner, der beeindruckt ist, wie lange Boll schon auf Topniveau spielt. „Dass er selbst in dem Alter noch zur Weltklasse gehört, ist beachtlich. Er hat das Training gut gesteuert und umgestellt, als er gemerkt hat, dass es körperlich nicht mehr so geht wie früher“, erklärt der frühere Vizepräsident des DTTB. Für die Kollegen im Nationalteam sei Boll sportlich wie menschlich ein wichtiges Vorbild. Allein deswegen sei es gut, dass er immer noch dabei ist. Und da Talente wir Dang Qiu, Patrick Franziska oder Benedikt Duda nach kommen würden und mit ihren Erfolgen Druck machen, dürfte es für Boll auch nicht an Motivation mangeln, sich weiter als Topspieler zu behaupten, glaubt Fetzner.

Ab Mittwoch hat der Borussia-Spieler dazu bei den European Championships die nächste Gelegenheit.

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