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European Championships 2022 München: Borussia Düsseldorfs Dang Qiu geht mit großen Ambitionen in Tischtennis-EM

Titelverteidiger im Tischtennis-Mixed : Borussia Düsseldorfs Dang Qiu geht mit großen Ambitionen in die Heim-EM

Der Tischtennis-Spieler des Rekordmeisters hat bei den European Championships in München einen Titel zu verteidigen. Dabei hofft er auf die Unterstützung vieler Fans. Nachwuchsspielerin Franziska Schneider will vor allem beweisen, dass sie es ins Nationalteam schaffen kann.

Dang Qiu ist mit seinen 25 Jahren einer der Jüngeren im deutschen Tischtennis-Team. Und doch gehört er inzwischen zu den bekannteren Gesichtern der Szene. Immerhin steht der im baden-württembergischen Nürtlingen geborene Rechtshänder nicht nur für Rekordchampion Borussia Düsseldorf an der Platte, sondern spielt auch als erster in Deutschland geborener Nationalspieler im Penholder-Stil – eine bestimmte Schlägerhaltung, die vor allem in Asien gespielt wird. Den beherrscht er so gut, dass er inzwischen zu den Topspielern des Landes gehört.

2022 wurde er mit den Düsseldorfern Deutscher Meister. 2021 Europameister im Mixed zusammen mit Nina Mittelham und mit der Herren-Mannschaft. Für die Olympischen Spiele 2021 in Tokio reichte es zwar nicht, zur EM bei den European Championships in München reist der Mixed-Titelverteidiger nun aber mit großen Ambitionen. „Als Titelverteidiger kann man nicht nach München reisen und sagen, dass man den Titel nicht noch mal holen will“, sagt er.

Doch das dürfte um einiges schwerer werden als noch vor einem Jahr. „Uns ist bewusst, dass das Mixed dadurch, dass es olympisch geworden ist, bei vielen Nationen noch einmal mehr in den Vordergrund gerückt ist, neue gute Paarungen zusammengefunden haben. Daher wissen wir, dass es gefährlich wird und wir 100 Prozent geben müssen.“ Trotzdem sei die Titelverteidigung ein realistisches Ziel.

Der Mixed-Wettbewerb ist für Qiu diesmal aber nicht die einzige Medaillenchance. Er tritt als Nummer 13 der Weltrangliste auch im Einzel an. Ist auf der Setzliste der EM die Nummer vier. Vor ihm stehen nur der Schwede Truls Moregaard, Darko Jorgic aus Slowenien und Nationalteamkollege Dimitrij Ovtcharov. „Wer konkret die größten Konkurrenten sind, das lässt sich gar nicht so genau vorhersagen. Das hängt auch viel von der Auslosung ab“, sagt der Borussia-Spieler. Insgesamt sei die Breite in Europa sehr stark geworden, was wichtig für ihren Sport sei. „Die Menschen warten immer auf den nächsten neuen Star und begeistern sich für Konkurrenzkampf. Das tut dem Tischtennis gut“, sagt Qiu. Für die EM heiße das aber auch: „Da wird es schon in den ersten Runden brandgefährlich. Da muss man sich auf jeden Spieler fokussieren und seine Leistung bringen“, betont Qiu.

Dabei helfen könne der Heimvorteil durch viele eigene Fans in der Halle. „Dadurch, dass ich mein ganzes Leben in der Bundesliga gespielt habe, kennen mich die deutschen Fans hoffentlich. Und Borussia Düsseldorf ist jetzt natürlich ein sehr prestigeträchtiger Verein, der erfolgreichste in Deutschland, fast europaweit, da genieße ich hoffentlich in München noch mal eine ganz andere Fanbase“, sagt Qiu, der davon ausgeht, dass in München mehr Leute zur Tischtennis-EM kommen als sonst.

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„Viele Bekannte, die nicht so viel mit Tischtennis zu tun haben, haben mir auch erzählt, dass sie von den Spielen und Erfolgen in Tokio total begeistert waren. Wenn die EM dann schon in München bei den Championships ist und sich die Leute andere Sportarten anschauen, dann lohnt es sich auch, mal in die Tischtennishalle zu kommen“, sagt der 25-Jährige. Er habe es noch nie erlebt, dass jemand dann nicht begeistert von seinem Sport war.

In jedem Fall werde München ein schönes Event, das mehr zu bieten habe als normale Tischtennis-Europameisterschaften, ist er sich sicher. Wenn dies auch von den Zuschauern so wahrgenommen werde, könne das noch mal eine Initialzündung für eine deutsche Olympia-Bewerbung werden, hofft er. „Deutschland hat in jedem Fall sowohl die Kapazitäten als auch das Publikum dafür. Deswegen wäre es schön, wenn wir mit München ein hervorragendes Event und schöne Erinnerungen kreieren können, sodass es Lust auf mehr macht“, sagt Qiu, der aus einer Tischtennisfamilie kommt.

Sein Vater Qiu Jianxin spielte genauso für das chinesische Nationalteam wie seine Mutter Chen Hong. Beide spielten wie ihr Sohn jetzt in der Bundesliga. Eine Bürde sei das für ihn nicht. Sein Vater war jahrelang sein Trainer, sei es eigentlich immer noch, so viel wie sie sich auch jetzt noch über sein Spiel austauschen würden.

Große Ratschläge vor der Heim-EM erwartet er von seinen Eltern aber nicht. „Ich bin ja nun jetzt auch schon eine Weile dabei und sie vertrauen darauf, dass ich meine Topleistung bringe. Aber wenn ich fragen habe, kann ich mir immer Tipps holen“, sagt Qiu.

Ganz ähnlich sieht es bei seiner Teamkollegin Franziska Schreiner aus. Die 20-Jährige spielt in München ihr erstes großes Turnier mit dem A-Nationalteam. Über die U21-EM hat sie sich ein persönliches Startrecht gesichert. Sie trainiert im Deutschen Tischtennis-Zentrum in Düsseldorf. In der Bundesliga spielt sie für TSV Langstadt 1909.

Auch ihre Eltern spielten beide Tischtennis. Vater Ralf war Bundesligaspieler, Mutter Qiao Yunli schaffte es bis ins Nationalteam Chinas. Schreiners Tante gewann für China sogar Silber bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Ob sie von deren Erfahrungen in München profitieren kann, weiß sie nicht. Aber: „Die Familie gibt immer Tipps und sie stehen bei jedem Turnier mit Ratschlägen hinter mir, gehen, aber eher den Weg, dass sie mir vorher nicht zu viel sagen, damit ich mir nicht so viel Druck mache“, sagt die 20-Jährige. Vor allem würden sie ihr sagen, dass sie es genießen soll und stolz sei kann, dass sie bei der EM dabei ist.

Besonders stolz ist Schreiner, dass sie über ein persönliches Startrecht bei der EM dabei ist. „Über die normale Kadernominierung hätte ich wohl keine Chance auf die EM gehabt, weil wir viele sehr starke Spielerinnen im Team haben“, sagt sie. Das erste Ziel ist für sie, die Qualifikation zu schaffen. „Dann kann ich vielleicht ein paar gute Spielerinnen ärgern“, hofft die Nachwuchsspielerin, die über die EM auch wieder den Anschluss an ihre gleichaltrigen Weggefährten aus der Jugend schaffen will.

„Viele Spieler und Spielerinnen aus Europa, die aus meinem Jahrgang sind und mit denen ich auch viele Jugendturniere gespielt habe, waren viel früher bei internationalen Wettkämpfen dabei. Da habe ich mich immer einen Schritt hinterher gefühlt, obwohl wir vorher vom Niveau her auf Augenhöhe waren“, sagt Schreiner. Denen wolle sie zeigen, dass sie noch da sei und dass sie auch Teil ihres A-Nationalteams werden kann. „Das war schon immer mein Ziel. Bei der EM kann ich mich nun im Team zeigen“, hofft sie.

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