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Dormagenerin Sarah Voss mit Schmerzen zu EM-Bronze

Turn-EM : Voss blendet Schmerz für Teamerfolg aus

Die Spitzenturnerin aus Dormagen war mit großen Hoffnungen in die Heim-EM in München gegangen, erlebte aber in der Team-Qualifikation einen durchwachsenen Tag. Letztlich gab es für sie und das deutsche Team ein Happy End. 

Was für eine Geschichte rund um die Dormagenerin Sarah Voss bei den Turn-Europameisterschaften in München. Im Vorfeld der Heim-EM hatte die 22-Jährige noch von ihrem Traum gesprochen, als eine der besten Deutschen Turnerinnen, die auf nationaler Ebene schon alles abgeräumt hat, endlich eine Medaille bei einem internationalen Großereignis zu gewinnen. In der Vorbereitung dann das Pech, sich eine Wadenverletzung zugezogen zu haben, die auch dazu beitrug, dass am Donnerstag die Qualifikation und damit auch die Mehrkampfwertung für sie nicht optimal lief. Gefolgt von einem Happy End samt Gefühlsexplosion am Samstag, als ausgerechnet Sarah Voss mit ihrem Sprung die historische Bronzemedaille für deutsche Mannschaft klarmachte.

„Das war die Doppelschraube ihres Lebens“, meinte Mutter Sabine Voss, die aus Dormagen angereist war und den großen Moment ihrer Tochter live miterlebte. Und dabei auch eine neue Seite an Sarah entdeckte. „So emotional habe ich sie noch nie in einem Wettkampf erlebt.“ Die 22-Jährige folgte der Anweisung von Bundestrainer Gerben Wiersma „All in“ zu gehen, also alles zu riskieren, und zeigte am Sprung einen Jurtschenko mit Doppelschraube. Als sie den gestanden hatte, war ihr sofort klar, dass damit die erste Medaille bei Europameisterschaften für eine deutsche Frauen-Mannschaft überhaupt perfekt war. Sie schrie ihre Emotionen unter dem frenetischen Jubel des Publikums lauthals aus sich heraus, umarmte ihre Heimtrainerin Shanna Poljakowa innig und ging anschließend in einer Jubeltraube mit ihren Mannschaftskameradinnen Kim Bui, Elisabeth Seitz, Emma Malewski und Pauline Schäfer-Betz unter. „Ich glaube, man hat es mir angesehen, ich habe alles gefühlt gleichzeitig: Es war Erleichterung, es war Freude, es war Begeisterung, es war alles. Ich hatte vom ersten Schritt bis zur Landung das Gefühl, dass mein Team mich da durch schreit, über den Tisch schweben lässt. Es war so ein spezieller Moment, es waren alle Gefühle, die man haben kann“, sagte Voss über diesen speziellen Moment. „Da ist ihr eine Zentnerlast vom Herzen gefallen. Sie hat die ganze Vergangenheit rausgeschrien. Den unglücklichen Verlauf von Olympia in Tokio, das Verletzungspech in der Vorbereitung und den Sturz am Balken in der Qualifikation“, meinte Mutter Sabine Voss.

Im Mannschaftsfinale stellte sich Sarah Voss dann ganz in den Dienst der Mannschaft, versuchte es trotz ihres Handicaps an drei Geräten, fiel am Boden aber nach einer Akrobatikbahn nach hinten aus der Fläche, was mächtig Punkte kostete. Doch sie kämpfte weiter und sorgte mit ihren starken Nerven am letzten Gerät für ein traumhaftes Ende. In den sozialen Medien kommentierte sie: „Schmerz ist vorübergehend, Stolz ist für die Ewigkeit.“

 Das deutsche Erfolgsteam bei der EM in München mit (v.l.) Bundestrainer Gerben Wiersma, Emma Malewski, Sarah Voss, Pauline Schaefer-Betz, Elisabeth Seitz und Kim Bui.
Das deutsche Erfolgsteam bei der EM in München mit (v.l.) Bundestrainer Gerben Wiersma, Emma Malewski, Sarah Voss, Pauline Schaefer-Betz, Elisabeth Seitz und Kim Bui. Foto: dpa/Soeren Stache

Mächtig stolz war auch ihre jüngere Schwester Lena (20), die am Samstag zwar nicht in der Halle dabei sein konnte, aber den Krimi im Live-Stream verfolgte und am Sonntag anreiste und dann noch persönlich gratulieren konnte. „Das waren schon Gänsehautmomente. Ich gönne es ihr von Herzen, dass sich das viele Training ausgezahlt hat.“ Neben der kleinen Schwester fieberten in Dormagen auch der Freundeskreis und Sportlerkolleginnen wie die Säbelfechterinnen Larissa Eifler und Emily Kurth mit. Nach dem Wettkampf gab es auf der Tribüne auch viele Gratulationen für Sabine Voss, zudem quoll ihr Handy vor Nachrichten über: „Da haben sich echt viele Menschen gemeldet. Dabei habe ich doch gar nichts beigetragen. Das habe ich alles an Sarah weitergereicht.“