Wm 2018: Das sind die Perspektiven des deutschen Eishockeys

Aus bei der WM: Das sind die Perspektiven des deutschen Eishockeys

Die Eishockey-WM in Dänemark endet für den Olympiazweiten Deutschland auf Rang elf - bei 16 teilnehmenden Nationen. Bundestrainer Sturm nimmt es gefasst. Er weiß, dass der Neuanfang schwierig ist.

Mit einem jungen Nationalteam und wenig Erfahrung ist der Aufschwung im deutschen Eishockey unter Bundestrainer Marco Sturm ins Stocken geraten, aber die Perspektive ist nicht ganz so schlecht. Nach dem Vorrunden-Aus bei der Weltmeisterschaft in Dänemark warten auf den 39-Jährigen schwierige Aufgaben, um den Umbruch für eine erfolgreiche Zukunft zu bewältigen. Fragen und Antworten zur Situation nach dem schlechtesten WM-Abschneiden seit vier Jahren, nur gut zehn Wochen nach dem Olympia-Sensations-Silber von Pyeongchang.

Wo steht das deutsche Eishockey wirklich?

Im internationalen Vergleich ist es Mittelmaß. Für die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes ist es nicht selbstverständlich, bei einer WM immer die K.o.-Runde zu erreichen. Auch wenn die Erwartungen der Öffentlichkeit nach Olympia-Silber ebenso wie der Anspruch im Team seit Sturms Amtsantritt vor knapp drei Jahren gestiegen sind. Die Top-Nationen haben eine andere Klasse, auch wenn mal ein Coup wie das 3:2 nach Verlängerung gegen die Finnen möglich ist. „Der Kampf ums Viertelfinale wird immer bleiben“, sagte DEB-Präsident Franz Reindl. Der Finaleinzug bei Olympia war einzigartig. Die Sensation war wegen der Nicht-Teilnahme der NHL-Spieler möglich, zudem war das deutsche Team mit etlichen, inzwischen abgetretenen Leistungsträgern über Jahre gewachsen. Der Neuaufbau nun braucht Zeit.

Wie ist das Vorrunden-Aus zu bewerten?

Als erster Rückschlag unter Sturm, unter dem es stetig bergauf ging. Mit dem neuformierten jungen Team, zu dem nur zehn von 25 Silbergewinnern gehörten, war es aber ein realistisches Ergebnis. Das weiß auch Sturm, dennoch war er von der WM auch enttäuscht. Es sei ein Rückschlag, aber „noch lange kein Rückschritt“, meinte Reindl.

Was passiert mit dem Boom?

Der ist schneller verflogen als gehofft. Die Olympia-Euphorie konnte nicht bestätigt werden. Als das Wunderteam von Südkorea ins Finale einzog, schauten plötzlich auch Menschen Eishockey, die der Sport normalerweise nicht interessiert. Sturm wird seitdem häufiger auf der Straße erkannt, sagte aber selbst: „Ich denke, damit man einen Boom in Deutschland erhält, muss man wahrscheinlich im Halbfinale stehen. Da brauchen wir uns gar nicht großartig anzulügen.“

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Wie geht es mit dem Umbruch weiter?

Der wird sich fortsetzen. Sturm rechnet mit weiteren Rücktritten, nannte aber vorerst keine Namen. Fraglich ist, wie es mit Routinier Dennis Seidenberg persönlich und im Nationaltrikot weitergeht. Der Verteidiger hat keinen Vertrag mehr in der amerikanischen Profi-Liga NHL, am 18. Juli wird er 37. Olympia-Fahnenträger Christian Ehrhoff (35) hat seine Karriere bereits beendet, Kapitän Marcel Goc (34) und Torjäger Patrick Reimer (35) waren aus dem Nationalteam zurückgetreten.

Was verspricht die neue Generation?

Mit dem 3:2 nach Verlängerung gegen Finnland deutete das junge Team auch mit den Torschützen Frederik Tiffels (22) und Markus Eisenschmid (23) an, was möglich ist. Noch fehlt es an Cleverness, Erfahrung und Abstimmung, das zeigte sich zum Abschluss auch beim 0:3 gegen Kanada. Die WM war ein Lernprozess. Auch der etablierte Dominik Kahun, Zugang der Chicago Blackhawks, und Edmonton-Star Leon Draisaitl sind erst 22. Es gibt aber längst keine Garantie, dass sie bei den kommenden Turnieren dabei sein werden. Parallel zur WM laufen die NHL-Playoffs.

Was muss besser werden?

Die Nachwuchsarbeit. Dabei hat der DEB in den vergangenen Jahren einiges versäumt. „Es braucht einfach eine gewisse Zeit. Deswegen schaut es momentan einfach ziemlich mager aus“, sagte Sturm. In Herning war zudem die Offensive mit nur 16 Treffern in sieben Spielen nicht so stark wie erhofft. Sechs davon fielen gegen das überforderte Südkorea. Im Angriff war das Team besonders jung aufgestellt - sechs von 14 Stürmern waren Jahrgang 1995 oder 1996.

(dpa)