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Eishockey-WM 2021: Deutschland erwartet gegen die Schweiz im Viertelfinale ein Prestigeduell

WM-Viertelfinale : Deutschland erwartet gegen die Schweiz ein Duell mit vielen Emotionen

Das WM-Viertelfinale gegen die Schweiz ist ein Spiel mit brisanter Geschichte. Die Begegnung mit der Auswahl der Eidgenossen wird dem deutschen Team alles abverlangen und darüber entscheiden, wie dieses Turnier zu bewerten sein wird.

Am Mittwoch hat Mathias Niederberger einen recht entspannten Arbeitstag verlebt. Mittags kurz Training, danach Regeneration, „gut essen und gut schlafen“, sagte der deutsche Eishockey-Nationaltorhüter bei der WM in Riga. Am Vortag hatte das anders ausgesehen, da warf sich der gebürtige Düsseldorfer in Dutzende Schüsse, seine Vorderleute taten es ihm gleich, führten erbitterte Zweikämpfe, fuhren und kassierten krachende Bodychecks. Am Ende feierten sie ein hart erkämpftes 2:1 über Gastgeber Lettland. Der vierte Sieg im siebten WM-Spiel. Und der Grund, warum auch der Donnerstag eher unentspannt wird.

Dann steht ab 15.15 Uhr (Sport 1) das Viertelfinale an. Gegen die Schweiz, den ewigen Rivalen, mit dem sich die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) schon so „einige wilde Schlachten“ geliefert hat, wie es Kapitän Moritz Müller ausdrückte. Sei es bei vorherigen Weltmeisterschaften, wo es 2010 eine Massenkeilerei gab. Oder bei Olympia wie 2018, als die Deutschen am Ende Silber gewannen. In der Schweiz erinnern sie derweil an fünf der jüngsten sechs WM-Spiele, die sie gewannen. Kein Duell elektrisiert die Eishockeyszenen in den beiden Ländern wie das mit dem Nachbarn, dem man schon im Nachwuchs ständig begegnet. In das Derby werde man auf beiden Seiten der Grenze „reingeboren“, sagt DEB-Sportdirektor Christian Künast. Das weiß auch Abwehrchef Korbinian Holzer: „Da baut sich über die Jahrgänge eine Rivalität auf, und die findet dann immer ihren Höhepunkt bei der A-WM.“

Jetzt steht wieder so einer an, der immer auch ein Wettstreit darum ist, wer „best of the rest“ ist. Wer ist die stärkste Nation hinter Kanada, USA, Russland, Tschechien, Schweden und Finnland? Zuletzt war meist die Schweiz vorn. Bessere Jugend, mehr NHL-Spieler, stärkere Liga, zweimal WM-Silber. Doch die Deutschen haben aufgeholt: Olympiasilber, NHL-Stars wie Leon Draisaitl, Toptalente wie Moritz Seider und den Krefelder Tim Stülzle, Weltranglistenplatz sieben. Holzer sagt: „Deutschland Schweiz, das ist immer 50:50.“ In der Schweiz sehen sie das anders. In dortigen Medien gilt das eigene Team als „klarer Favorit“. DEB-Sportdirektor Künast stört das wenig: „Die können gern die Favoritenrolle haben.“

Ganz falsch ist das aber nicht. Die Schweiz feierte fünf Vorrundensiege, wurde Zweite in ihrer Gruppe. Was niemanden überrascht. Im Gegensatz zu anderen Nationen, die fast alle ohne ihre Topspieler nach Lettland gereist sind, ist die Schweiz bis auf eine Handvoll Ausnahmen komplett. In Nico Hischier und Timo Meier haben sie zwei NHL-Stars dabei. Da sei doch etwas drin, heißt es, manche reden gar vom Titel.

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Auch von den Deutschen waren große Töne zu hören. Zwar mussten auch sie auf gehobenes Personal wie Draisaitl und Stützle verzichten, aber auch sie haben viele ihrer Besten dabei. Und nach drei Auftaktsiegen, gekrönt durch das 3:1 über Kanada, schien wirklich etwas möglich zu sein. Doch dann folgten drei Niederlagen, vor allem die gegen Kasachstan (2:3) schmerzte. Zwar wurde es gegen Finnland (1:2) und die USA (0:2) besser, aber das deutsche Team traf das Tor nicht mehr. Nur durch einen Kraftakt zum Abschluss ging es ins Viertelfinale. In dem verletzte sich aber Topscorer Marcel Noebels, der Einsatz des Ex-Krefelders ist fraglich.

Nach dem Spiel erlebte man Bundestrainer Toni Söderholm wie häufig dieser Tage: Nicht restlos begeistert, weil sein Team zu selten seine spielerischen Standards erreichte. Aber auch stolz, mit welcher Leidenschaft es spielte. Diese Energie brauche es nun auch im Viertelfinale, allerdings müsse man auch „spielerisch den nächsten Gang finden“, sagte Kapitän Müller. Anders wird man die flinken wie technisch starken Schweizer nicht besiegen. Da könnte die Kraft irgendwann Thema werden, zuletzt gab es sieben Spiele in zwölf Tagen. Umso besser, dass nun ein Derby ansteht, da kommen „noch mal ein paar Prozent Reiz und Kampfgeist“ mehr aufs Eis, sagt Söderholm: „Das ist ein Spiel, wo man sagen kann: Alles raus mit den Emotionen. Das ist für Sportler der schönste Moment.“