Eishockey WM 2019: Ist Deutschland bereit für die WM in der Slowakei?

Trotz vieler NHL-Stars : Deutschland bei Eishockey-WM nur Außenseiter

Die deutsche Mannschaft gehört nicht zu den Top-Favoriten der Eishockey-WM – auch wenn einige Stars für sie auflaufen. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Turnier-Auftakt.

Eine lange Vorbereitung liegt hinter der deutschen Eishockey-Nationalmannschaft – am Freitag geht sie los, die Weltmeisterschaft in der Slowakei. Deutschland greift am Samstag (16.15 Uhr) im ersten Gruppenspiel gegen Großbritannien ins Geschehen ein. Wir beantworten zum Auftakt die wichtigsten Fragen.

Ist das deutsche Team bereit für die WM? Das letzte Vorbereitungsspiel gegen die USA ging 2:5 verloren. Hier zeigte sich, dass die Mannschaft um Superstar Leon Draisaitl, der in der nordamerikanischen NHL in der abgelaufenen Saison 50 Tore für die Edmonton Oilers schoss, offensiv so stark wie nie ist, in der Abwehr dafür ziemlich anfällig. „Wir haben sehr viel Talent in der Truppe, ganz tolle Individualspieler. Aber wir müssen einfach begreifen, dass das Spiel ohne Scheibe genauso wichtig ist“, sagt der neue Kapitän Moritz Müller.

Was ist neu in der DEB-Auswahl? Allen voran der Bundestrainer: Toni Söderholm, zuletzt Coach des Drittligisten SC Riessersee, löste zu Jahresbeginn Erfolgstrainer Marco Sturm ab. Er überraschte gleich mit seinen Torhüter-Nominierungen. Der Finne verzichtet bei der WM auf Dennis Endras (Mannheim) und Danny aus den Birken (München), die in der Deutschen Eishockey Liga das Finale gegeneinander bestritten. Söderholm hofft jedoch noch auf Top-Keeper Philipp Grubauer, der Mittwochnacht mit Colorado in den NHL-Play-offs ausschied. „Seine Bereitschaft ist auf jeden Fall da“, sagte Sportdirektor Stefan Schaidnagel vom Deutschen Eishockey-Bund (DEB) dem sid (hier sehen Sie den kompletten Kader von Deutschland bei der Eishockey-WM 2019).

Neu dabei sind zehn Spieler im Vergleich zur letzten WM, darunter Riesentalente wie Moritz Seider (Mannheim) oder Lean Bergmann (Iserlohn). Von den Silberhelden von Pyeongchang, die 2018 Zweiter bei Olympia wurden, sind immerhin noch elf am Start.

Welche Spieler aus der Region sind dabei? Von der Düsseldorfer EG stehen Torhüter Mathias Niederberger und Verteidiger Marco Nowak im Kader. Die Kölner Haie sind durch Kapitän Müller und Frederic Tiffels vertreten. „Nowi und ich sind total glücklich, dabei zu sein. Der Kader ist stark, da sind richtig gute Spieler nach Hause geschickt worden“, sagt Niederberger, der sich gute Chancen auf Einsätze ausrechnen darf.

Hier finden Sie den Spielplan und viele weitere Infos zur Eishockey-WM 2019.

Wie ist die Gruppeneinteilung und wer sind die Favoriten? In Gruppe A (spielt in Kosice) werden Kanada, die USA und Finnland um den Gruppensieg spielen. Dahinter kommen Gastgeber Slowakei und Deutschland. Dänemark, Frankreich und Großbritannien haben allenfalls Außenseiterchancen. Die Gruppe B (Bratislava) wird von Russland und Schweden dominiert, dahinter kommen Tschechien und die Schweiz. Außenseiter in dieser Gruppe sind Norwegen, Lettland, Österreich und Italien.

Was ist das Ziel für Deutschland? Ein Viertelfinaleinzug wäre für das deutsche Team schon ein großer Erfolg. Selten dürfte zwar eine stärkere deutsche Mannschaft bei einer Weltmeisterschaft angetreten sein. Weil jedoch in der NHL die meisten Top-Teams in den Play-offs sehr früh ausgeschieden sind, fahren die anderen Top-Nationen in der Slowakei ein wahres Starensemble auf. Für Russland spielen Superstar Alex Ovechkin und NHL-Topscorer Nikita Kucherov, für die USA um Torjäger Patrick Kane sind allein elf Erstrunden-Draftpicks dabei. Diese Spieler, die in der ersten Runde des Auswahlverfahrens der NHL gezogen werden, gelten als besonders talentiert.

In dieser Riege können im deutschen Team nur Draisaitl, der als bislang einziger Deutscher überhaupt jemals in der ersten Runde des NHL-Drafts ausgewählt wurde, und mit Abstrichen Dominik Kahun (Chicago Blackhawks) mithalten.

Worauf kommt es für eine erfolgreiche WM an? Die Truppe von Trainer Söderholm muss ab dem ersten Spiel hellwach sein: In den ersten Partien geht es nämlich gegen die vermeintlich schwächeren Teams aus Großbritannien, Dänemark und Frankreich. Da sind Siege Pflicht. Die vierte Partie gegen Gastgeber Slowakei dürfte ein Endspiel um den Viertelfinaleinzug werden – in den weiteren Gruppenspielen gegen die USA, Kanada und Finnland wäre jeder Punkt ein Bonus. In allen Spielen gilt: Die Abwehr muss deutlich besser stehen als zuletzt.

Wie ist der Modus der WM? Die 16 Teams treten in zwei Gruppen mit jeweils acht Mannschaften an. Die ersten vier Mannschaften jeder Gruppe bestreiten das Viertelfinale, die jeweiligen Tabellenletzten steigen aus der Elite-Gruppe ab.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Der deutsche Kader für die Eishockey-WM 2019

Mehr von RP ONLINE