Eishockey-WM 2019: Deutschland zeigt nach dem Umbruch neue Stärken

Eishockey-WM : Junges DEB-Team zeigt nach dem Umbruch neue Stärken

Nach dem historischen WM-Start will die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft auch gegen die Favoriten punkten. Kanada und die USA, die Gegner am Wochenende, haben bislang noch nicht überzeugt.

Ein paar Stühle wurden noch gerückt, die Trikots zurechtgezupft, schnell die Haare gestylt - dann blickten die deutschen Eishockeyspieler mit strahlendem Lächeln für das offizielle WM-Mannschaftsfoto in die Kamera. Leon Draisaitl und Co. gaben ein sehr gutes Bild ab: Elf Olympiahelden, vier NHL-Profis und eine Menge hoffnungsvoller Talente haben 15 Monate nach der Silbersensation von Pyeongchang ein neues, spielstarkes Team gebildet.

"Nach Olympia ist der richtige Generationswechsel gekommen. Es sind Jungs von Bord gegangen, die viel Erfahrung hatten, die sehr abgeklärt waren. Das haben wir jetzt mit sehr viel Spielwitz und Geschwindigkeit ersetzt", sagte Stürmer Patrick Hager im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst (SID): "Es ist schön, dass Qualität nachkommt."

Der Umbruch nach dem größten Erfolg in der deutschen Eishockey-Geschichte geht schneller und glatter vonstatten als befürchtet. Nach dem besten WM-Start seit 89 Jahren hat die Mannschaft um NHL-Star Draisaitl das Viertelfinale so gut wie sicher und den Geist von Pyeongchang wiederentdeckt. Gegen die Favoriten Kanada am Samstag und USA am Sonntag (beide 16.15 Uhr/Sport1) soll wie im Februar 2018 das eigentlich Unmögliche gelingen. "Wenn wir einen Sahnetag haben und alles zusammen passt...", meinte Verteidiger Yannic Seidenberg.

Jeder weitere Punkt verbessert die Ausgangsposition für die K.o.-Runde - und vergrößert die Chance, das Viertelfinale zu überstehen und wieder um Medaillen zu spielen. "Wir wissen, dass wir noch Potenzial nach oben haben", sagte Hager, bei Olympia bester deutscher Scorer, bei der WM in neuer Rolle bislang nur mit einem Assist, "wir sind voll im Rennen. Das macht natürlich Spaß."

Die beiden Gegner am Wochenende, die eigentlich zu den heißesten Titelanwärtern zählten, haben noch nicht überzeugt. Den Kanadiern fehlen nicht nur die großen Namen vergangener Jahre, sondern auch starke Torhüter. Der zweimalige Stanley-Cup-Sieger Matt Murray schwächelte vor allem beim glücklichen 6:5 gegen die Slowakei.

"Wir müssen genauso hungrig sein wie in den ersten Spielen", forderte Kapitän Moritz Müller, "die nächsten Punkte können sehr entscheidend sein." Gegen Kanada gewann die deutsche Mannschaft bei Olympia sensationell mit 4:3, der letzte WM-Sieg liegt allerdings 23 Jahre zurück.

Die hochkarätig besetzten Amerikaner um den dreimaligen Stanley-Cup-Gewinner Patrick Kane verloren überraschend gegen den WM-Gastgeber 1:4. Der seit Dienstag 18 Jahre alte Jack Hughes, als nächster NHL-Superstar gehandelt, fiel bisher kaum auf und war noch nicht an einem Tor beteiligt.

Deutlich mehr Aufmerksamkeit erregte der gleichaltrige Moritz Seider. Der jüngste Verteidiger mit zwei WM-Toren seit 41 Jahren wird dem deutschen Team am Wochenende aber fehlen, wie Söderholm am Freitag erklärte. Nach dem brutalen Check in die Bande beim 3:2 gegen die Slowakei posierte der Youngster lediglich für das Mannschaftsfoto, beim anschließenden Training fehlte er bereits. Fraglich ist der Einsatz von NHL-Torwart Philipp Grubauer, der nach muskulären Problemen nur Teile der Übungseinheit mitmachte.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Deutschland - Slowakei: die Bilder des Spiels

(ako/sid)
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