Silber bei der Eishockey-WM Das DEB-Team hat Großes vollbracht

Meinung | Düsseldorf · Zwar verpasste die deutsche Eishockey-Nationalmannschaft im Endspiel gegen Kanada den ersten WM-Titel. Doch mit der Art und Weise, wie sich dieses Team durch das Turnier gespielt hat, hat es viel mehr erreicht als die Silbermedaille.

 Deutsche Spieler posieren für ein Foto nach dem Gewinn der Silbermedaille.

Deutsche Spieler posieren für ein Foto nach dem Gewinn der Silbermedaille.

Foto: dpa/Pavel Golovkin

Wer wenige Sekunden nach der Schlusssirene in die Gesichter der deutschen Spieler blickte, der sah die pure Enttäuschung, großen Frust und auch die eine oder andere Träne. Keine Frage: Die Finalniederlage bei der Eishockey-WM gegen Rekordweltmeister Kanada tat weh. Es war aber eine Niederlage, aus der die Mannschaft des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) als Sieger hervorgeht. Dafür braucht es nicht einmal die Silbermedaille, das erste WM-Edelmetall übrigens seit 1953, um zu belegen, dass diese Nationalmannschaft Großes vollbracht hat. Es war vor allem die Art und Weise, wie dieser Erfolg zustande gekommen ist.

Blicken wir ein paar Wochen zurück. Da sammelte Bundestrainer Harold Kreis beinahe täglich mehr Absagen von potenziellen Leistungsträgern als ein durchschnittlicher Arbeitnehmer im Bewerbungsprozess auf einen neuen Job. Unter anderem musste der Nachfolger von Toni Söderholm verletzungsbedingt auf die beiden Angreifer Andreas Eder und Yasin Ehliz sowie die NHL-Profis Tim Stützle, Leon Draisaitl und Philipp Grubauer verzichten. Die Liste lässt sich noch weiter fortführen. Folglich blieb Kreis und seiner zusammengewürfelten Truppe nicht viel Zeit, sich einzuspielen. Einer holprigen Vorbereitung folgte ein ernüchternder WM-Auftakt mit drei Niederlagen am Stück – allerdings auch gegen die Top-Nationen Schweden, Finnland und die USA.

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Doch was machte Kreis? Er blieb ruhig und besonnen, so wie er es auch auf seinen letzten Klubstationen in Schwenningen und Düsseldorf tat. Er vertraute stattdessen auf die Spieler, die ihm zur Verfügung standen – und sie zahlten es ihm mit Leistung doppelt und dreifach zurück. Mit dem Rücken zur Wand entwickelte das deutsche Team jenen Schwung und Zusammenhalt, der es bis ins Endspiel tragen sollte. Mit jedem Sieg wuchs zudem das Selbstvertrauen und es zeigte sich, dass es nicht unbedingt die großen Namen braucht, um Großes zu erreichen.

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Sicher, die US-Legionäre um Topscorer JJ Peterka, Moritz Seider, Nico Sturm, Kai Wissmann und Leon Gawanke brachten mit ihrer individuellen Qualität das gewisse Extra mit rein, doch es waren vor allem die Spieler aus den hinteren Reihen wie die Turnierentdeckung Wojciech Stachowiak, Frederik Tiffels, Alexander Ehl oder Daniel Fischbuch, die auch für Punkte und Aufsehen sorgten. Kreis gelang es mit seiner Art der Menschenführung, dass sich jedes Mitglied im DEB-Kader vom Goalie bis hin zum Betreuer wichtig und wertgeschätzt fühlte. Ein nicht zu unterschätzender Faktor während eines Turniers.

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Dass das deutsche Team dazu neben kämpferischen Qualitäten auch noch starkes Eishockey – vor allem in den Finalspielen – zeigte, lässt bei der Altersstruktur dieses Kaders erwartungsfroh in die Zukunft blicken. Ob die rauschhaften Tage von Tampere nun auch für eine Initialzündung in Sachen Fanzuwachs und mehr Nachwuchs für den deutschen Eishockeysport sorgen werden, bleibt abzuwarten. Der Grundstein für weitere Erfolge wurde zumindest gelegt.