Eishockey-Bundestrainer Söderholm: „Wir müssen alles besser machen!“

Eishockey-Bundestrainer Söderholm spricht Klartext : „Wir müssen alles besser machen!“

Nach der ersten – deutlichen – Pleite bei der Eishockey-WM sparen Spieler und Offizielle nicht mit Selbstkritik. Dabei geht es schon am Sonntag gegen die USA weiter.

Markus Eisenschmid hatte die Geschenkschachtel, die er als bester deutscher Spieler der Partie erhalten hatte, ganz tief in seiner großen Eishockey-Hose versteckt. Fast so, als wäre dem Stürmer der Adler Mannheim ein wenig peinlich gewesen, nach einem Debakel wie der 1:8-Pleite gegen Kanada auch noch eine Auszeichnung mitzunehmen.

„Das Ergebnis tut weh, richtig weh“, sagte Eisenschmid nach der ersten Niederlage der Auswahl des Deutschen-Eishockey-Bundes bei der Weltmeisterschaft in der Slowakei. Nicht, dass gegen Kanada ein Sieg eingeplant gewesen wäre, das ist angesichts der Tatsache, dass die Ahornblätter mit einem Team, das rein aus NHL-Spielern besteht, auch völlig vermessen. Aber 1:8? Das klingt eher nach einem Rückfall in alte, längst vergessene deutsche Eishockey-Zeiten.

Deshalb bemüht sich Eisenschmid auch sofort um eine Relativierung des Ergebnisses. „Wir sind eine bessere Mannschaft, als es dieses Ergebnis aussagt“, betont er. Doch dafür müsste das Team von Bundestrainer Toni Söderholm den Schalter wieder umlegen. Der finnische Coach war in seiner Analyse des Spiels jedenfalls sehr deutlich. „Es ist nicht so schwer zu sagen, was besser gemacht werden muss: Eindach alles“, sagte Söderholm. „Wir waren nicht hart genug in den Zweikämpfen, nicht im Spielplan und auch nicht im Glauben. Wenn von Kleinigkeit zu Kleinigkeit alles falsch gemacht wird, sind die Spieler nicht bereit.“

Die nackten Zahlen der Partie zwischen Deutschland und Kanada schildern ein Debakel. 1:8 Tore, 16:49 Torschüsse, gleich drei Gegentore bei Strafzeiten. Das erste davon gleich zwei Minuten. „Da habe ich eine unnötige Strafzeit kassiert“, sagte Verteidiger Marco Nowak. Der Spieler der Düsseldorfer EG saß kaum auf der Strabank, da traf Thomas Chabot zum 0:1. „Vielleicht war das frühe Gegentor wirklich unser Manko“, sagte Nowak. „Wenn wir das Spiel länger hätten offenhalten können, wäre vielleicht mehr drin gewesen.“

So ist die Ernüchterung nach zuletzt vier Siegen in Folge jedoch riesig. Allerdings bedürfen die bisherigen Ergebnisse bei der Eishockey-WM durchaus einer Einordnung. Denn der Auftakterfolg gegen Großbritannien (3:1) gehörte in die Kategorie „Pflichtsieg“, danach folgten gegen Dänemark (2:1) und Frankreich (4:1) Spiele gegen Teams auf Augenhöhe.

Der glückliche Erfolg gegen die Slowaken (3:2 nach 1:2) überdeckte vielleicht ein wenig, dass die WM-Gastgeber über lange Zeit das bessere Team waren. Der Spielplan wollte es jedoch so, dass die dicksten Brocken in den letzten Gruppenspielen auf das DEB-Team warten. Eine Niederlage gegen Kanada ist wahrscheinlich, vielleicht sogar einkalkuliert. Es ist nur die Höhe der Pleite, die überrascht.

„Durch den frühen Gegentreffer wurde es nicht leichter“, sagte Stürmer Dominik Kahun (Chicago Blackhawks), der gemeinsam mit NHL-Star Leon Draisaitl die Paradereihe der DEB-Auswahl bildet. „Dabei haben wir teilweise sogar ganz gut gespielt. Wenn unsere Reihe auf dem Eis war, haben wir weitgehend in der Zone der Kanadier agiert. Wir müssen nur mal unsere Chancen verwerten.“

Immerhin wird das bittere Ergebnis des Kanada-Spiels nicht lange in den Köpfen der deutschen Mannschaft herumgeistern können. „Das Gute ist, dass wir kaum Zeit haben, uns sofort auf das nächste Spiel vorbereiten müssen“, betont Bundestrainer Söderholm. „Schreien hilft da auch nicht. Wir machen eine kurze Selbstanalyse, dann geht es weiter.“

Am Sonntag (16.15 Uhr) steht bereits das Spiel gegen die USA an. Was die deutschen da erwartet? „Ich glaube, die Amerikaner sind individuell noch ein bisschen besser besetzt“, sagt Söderholm. „Aber an den Kanadiern hat man gesehen, dass der direkte Weg zum Tor auch der richtige sein kann.“ Ein guter Anknüpfungspunkt – auch für ihn und seine Mannschaft.

Mehr von RP ONLINE