Kölner Haie: NHL-Star Leon Draisaitl feiert knappen Sieg bei Köln-Rückkehr

Haie unterliegen in der Overtime : NHL-Star Draisaitl feiert knappen Sieg bei Köln-Rückkehr

Für Köln war die Partie ein Highlight, und für eine Familie ganz besonders: Eishockey-Star Leon Draisaitl trat mit dem NHL-Team Edmonton Oilers bei den Haien an, die von Leons Vater Peter trainiert werden. Der Sohn entschied das Familien-Duell knapp für sich.

Es war viel erzählt worden über das große Vater-Sohn-Duell: Peter Draisaitl, Trainer der Kölner Haie, trifft auf seinen Sohn Leon, Star der Edmonton Oilers in der nordamerikanischen Eishockey-Liga NHL. Draisaitls Name wurde bei der Mannschaftspräsentation vor 18.400 Zuschauern in der ausverkauften Lanxess-Arena noch lauter gebrüllt als die der heimischen Haie-Spieler. Draisaitl fungierte als Stadtführer, als Aushängeschild, fast als Ikone des deutschen Eishockeys. Der 22-Jährige meisterte seine Aufgabe durchaus beachtlich, und war sichtlich gerührt und erleichtert, als er nach dem Spiel ins Hallenmikro sprach: „Es war noch geiler, hier zu spielen, als ich gedacht habe“, sagte er. Damit konnte er aber nur das Ambiente meinen. Denn seine Oilers mühten sich im letzten Testspiel vor dem Saisonstart im Rahmen der NHL-Europatournee doch zu einem hartumkämpften Sieg gegen die im leichten Formtief steckenden Kölner: 4:3 nach Verlängerung.

Obwohl es nur ein Testspiel war, herrschte eine unglaubliche Stimmung in der Arena. Draisaitl wurde von den Fans wie ein verlorener Sohn begrüßt, bei fast jeder Puckberührung des Stürmers brandete Applaus seitens der Haie-Fans auf. Sogar bei einem Tor für die Gegner jubelten die Zuschauer: Am 1:0 der Oilers war Draisaitl direkt beteiligt, er spielte einen überlegten Pass auf Tobi Rieder, der keine Mühe hatte, Gustav Wesslau im Haie-Tor zu überwinden. Ein eigenes Tor erzielte Draisaitl indes nicht, obwohl er von seinen Mitspielern regelmäßig in Stellung gebracht wurde.

Doch die Kölner, die in der Deutschen Eishockey Liga gerade große Probleme mit dem Toreschießen haben, schlugen sich wacker gegen das Star-Ensemble um Connor McDavid, den aktuell wohl besten Eishockeyspieler der Welt. Nach einem nervösen ersten Drittel, in dem die Haie nur dreimal auf das Tor schossen, kam Köln direkt besser ins Spiel und verdiente sich den Ausgleich durch Jason Akeson. Es war ein schöner Treffer: Ben Hanowski spielte den Puck von der blauen Linie ins Drittel, dort legte ihn Fabio Pfohl direkt quer, und Akeson hatte nur das leere Tor vor sich.

Doch der Unterschied zwischen beiden Teams zeigte sich vor allem bei Strafzeiten: Waren die Kanadier mit einem Mann mehr auf dem Eis, schnürten sie die Kölner in ihrem eigenen Drittel ein und spielten sich den Puck gefällig hin und her, und so fiel auch das 1:2. In Unterzahl vergaben die Haie eine große Konterchance, im direkten Gegenzug fanden die Oilers mit ein paar einfachen Pässen den Weg zum Kölner Tor. Dabei fiel der Treffer mitten in die starke Phase der Kölner hinein, die das Team aus der NHL regelmäßig in Bedrängnis brachten.

„Ihr werdet nie Deutscher Meister“, skandierten die Kölner Fans mit einer Prise Ironie – und durften im Schlussdrittel wieder jubeln. Moritz Müller erzielte den erneuten Ausgleich für die Haie, bevor die Oilers nur 20 Sekunden später wieder in Führung gingen. Doch der Gastgeber wehrte sich noch einmal, brachte den Puck sieben Minute vor dem Ende durch Hanowski noch einmal über die Linie – und hatte in der Schlussphase sogar die besten Chancen auf den Sieg. Tore fielen jedoch nicht mehr, wodurch die Verlängerung entscheiden musste. In dieser nutzten die Oilers konsequent einen Fehler der Haie-Verteidigung und erzielten das 4:3 durch Ryan Strome. „Ich bin aber begeistert darüber, wie mein Team heute mitgehalten hat“, befand Trainer Peter Draisaitl. „Wir hatten zuletzt große Probleme, das Tor zu treffen. Vielleicht helfen uns die drei Treffer hier.“

Und Sohn Leon, der Star des Abends? Er genoss das Geschehen in der Arena bei jedem Wechsel, manchmal wollte er ein bisschen zu viel. Doch auch wenn er selbst nicht traf – die deutsche Vorlage zum deutschen Tor durch Tobi Rieder reichte dem Kölner vollends. „Das war doch wie in einem Drehbuch“, sagte Torschütze Rieder. Und keiner wollte ihm da widersprechen.

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(pabie/dpa)
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