Krefeld Pinguine: "Wir sind alle stolz auf Ehrhoff"

Krefeld Pinguine : "Wir sind alle stolz auf Ehrhoff"

150 Eishockey-Fans drängten sich in der Nacht zu gestern in der Sportsbar "Karussell" und drückten beim Public Viewing Christian Ehrhoff im Stanley Cup-Finale zwischen Vancouver und Boston vergeblich die Daumen. Von Müdigkeit keine Spur.

Als Daniel Pietta kurz nach 2 Uhr im Eingang der Sportsbar "Karussell" an der Westparkstraße stand, traute der Nationalspieler der Krefeld Pinguine seinen Augen nicht: "Wahnsinn, so viele Leute um diese Zeit." Dann mischte sich der Stürmer unters Volk. Gemeinsam mit gut 150 Eishockey-Fans freute er sich beim Publinc Viewing auf die Live-Übertragung des Stanley-Cup-Finales zwischen den Vancouver Canucks und den Boston Bruins. Als beim Abspielen der kanadischen Nationalhymne Verteidiger Christian Ehrhoff von den Canucks auf der Großleinwand erschien, war der Jubel groß. Schließlich waren ja (fast) alle zu nachtschlafender Zeit nur zum Daumendrücken für das Eigengewächs des Krefelder EV gekommen, den es 2003 nach dem Gewinn der Deutschen Meisterschaft mit den Pinguinen in die beste Liga der Welt (NHL) zog.

Neben Pietta war reichlich Eishockey-Prominenz vertreten. Ehrhoffs Kumpel Adrian Grygiel aus der Meistermannschaft von 2003, der jetzt in der DEL für Nürnberg spielt. Auch Pinguine-Geschäftsführer Robert Haake ließ sich das weltweit wichtigste Ereignis im Eishockey nicht entgehen. Von den "Big Old Boys", der traditionsmannschaft des KEV, waren Ehrenkapitän Uwe Fabig, Martin Gebel, Earl Spry und "Rusti" Königer gekommen. Auch der talentierte Nachwuchs des KEV war mit Pascal Zerressen und einigen DNL-Spielern vertreten. Für sie ist Ehrhoff schließlich das Vorbild Nummer eins. Und der älteste Gast war der bekannteste: Jupp Kompalla, die lebende Legende der Eishockey-Schiedsrichter.

Beim Auftaktbully um 2.25 Uhr war von Müdigkeit keine Spur, alle waren hellwach. Es entwickelte sich ein packendes Match, in dem die kanadischen Gastgeber auf die Führung drängten. Doch die Abwehr der Bruins, allen voran ihr überragender Torwart Tim Thomas ließen kaum klare Torchancen zu. Und als die Gäste von der amerikanischen Ostküste nach 15 Minuten glücklich in Führung gingen, war das Entsetzen groß. "Jetzt wird es schwer", meinte André Schicks, Pressesprecher der Pinguine. In der Tat. Während bei den Canucks wenig zusammenlief, zog Boston im Mitteldrittel auf 3:0. Treffer Nummer drei der Bruins konnte Ehrhoff im Laufduell mit Bergeron nicht verhindern. "Das war nicht Christians Schuld. Der andere Verteidiger stand falsch", kommentierte Ex-Verteidiger Martin Gebel die Szene. "Das war es, jetzt hilft nur noch ein Wunder", meinte Hans-Peter Brux von den Pinguin Supporters.

In der zweiten Drittelpause gab die Hälfte der Fans die Hoffnung auf einen Sieg der Canucks auf und zog dann doch das eigene Bett dem Finale vor. Der Rest hoffte vergeblich auf das Wunder. Applaus gab es am Ende aber trotzdem. Erst für Boston, das in diesem alles entscheidenden siebten Play-off-Finale die bessere Mannschaft war. Und dann natürlich für den Hauptdarsteller dieser stimmungsvollen und gelungenen Nachtveranstaltung. "Wir sind alle stolz auf Ehrhoff. Ein Krefelder hat es bis ins Stanley-Cup-Finale geschafft. Und wir freuen uns natürlich auch für Dennis Seidenberg, dass ein anderer Deutscher den Cup gewonnen hat", sagte André Schicks.

Zum Jubiläum "75 Jahre Eissport in Krefeld" hätte ein Triumph von Ehrhoff glänzend gepasst. Doch wenn der gebürtige Moerser bald wieder auf Heimaturlaub ist und sich im August mit den Pinguinen auf die neue Eiszeit vorbereitet, dürfte die gestrige Eishockey-Nacht an der Westparkstraße mit einer Feier ihre Fortsetzung finden. Schließlich spielte nicht alle Tage ein Vize-Meister der besten Liga der Welt einst für den Krefelder EV.

Hier geht es zur Bilderstrecke: So fieberten die Krefelder mit Christian Ehrhoff

(RP)
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