Krefeld Pinguine sparen nicht mit Selbstkritik

Krefeld Pinguine : Pinguine sparen nicht mit Selbstkritik

Nach der enttäuschenden Vorstellung in Schwenningen wirkte Trainer Rick Adduono sehr nachdenklich. Tommy Kristiansen dürfte bis zum Heimspiel gegen Bremerhaven fit sein. Der Einsatz von Justin Feser ist fraglich.

Es gibt Eishockeyspiele, da überkommt den Fans bereits kurz nach dem Auftaktbully das Gefühl, ihre Mannschaft wird nach 60 Minuten wohl als Verlierer das Eis verlassen. So wird es am Sonntagnachmittag vielen der knapp 50 KEV-Anhänger ergangen sein, die in der Schwenninger Helios-Arena Zeuge der 1:5-Niederlage waren. Auch Rick Adduono wird wahrscheinlich früh gespürt haben, dass sein Team beim ersten Auswärtsauftritt der neuen Saison von der Rolle war. Der Trainer wirkte hinterher bei der Pressekonferenz sehr geknickt und nachdenklich.

Egal ob Fans, Verantwortliche, Spieler oder die Medienvertreter aus der Seidenstadt, alle waren nach dem ersten Saisonsieg gegen Ingolstadt mit einem guten Gefühl in den Schwarzwald gefahren. "Die drei Punkte zu Hause waren sehr wichtig. Das hat uns allen sehr geholfen. Aber heute ging es total in die falsche Richtung", sagte Adrian Grygiel kurz nach dem Spiel. Der Kapitän ging mit sich und seinen Teamkollegen hart ins Gericht: "Wir haben zu wenig Pucks auf das gegnerische Tor gebracht. So wie wir hier aufgetreten sind, kann man in der DEL kein Spiel gewinnen. Wir waren nicht aggressiv genug. Das müssen wir sofort ändern."

Auch Martin Schymainski sparte vor der langen Rückreise an den Niederrhein nicht mit Selbstkritik: "Das war heute gar nichts. Generell kassieren wir zu viele Gegentreffer, auch am Freitag. Das müssen wir dringend abstellen." In der Tat täuscht Platz sieben über die 18 Gegentreffer hinweg. Kein Team musste den Puck bisher häufiger aus dem eigenen Netz holen als Krefeld.

Natürlich ist es nach vier Punktspielen noch zu früh, die bisherigen Auftritte der Pinguine als Maßstab für die gesamte Saison zu bewerten. Wichtigste Erkenntnis der Startphase ist die positive Einstellung und die Bereitschaft, die hier und da fehlende Qualität durch Kampf wett zu machen. Und es wird noch Zeit brauchen, ehe die neuformierte Mannschaft auch spielerisch als Einheit auftritt. Durchaus vielversprechend waren die ersten beiden Pflichteinsätze der neuen Nummer 1 im Tor. Andrew Engelage strahlte mehr Licht als Schatten aus. Wenn der Kanadier hundertprozentig fit ist und uneingeschränkt trainieren kann, könnten seine Schatten auf dem Eis weniger werden. Schließlich ist er ja auch von seinen Vorderleuten aus der Abwehr abhängig. Bei Nick St. Pierre waren in Schwenningen noch Nachwirkungen von dem rüden Bandencheck zu spüren, den er am Freitag hatte einstecken müssen. Insgesamt gibt es in der Abwehr zu viele Auf und Abs.

Gezeigt hat sich auch, dass Ausfälle von Leistungsträgern schwer kompensiert werden können. Justin Feser und Tommy Kristiansen wurden in Schwenningen vermisst. Letzterer dürfte seine Magen-Darm-Infektion bis zum Heimspiel am Donnerstag gegen Bremerhaven auskuriert haben. Dagegen musste Feser gestern noch einmal von den Ärzten genau untersucht werden.

Dem Trainerteam bleiben nur zwei Tage Zeit, mit der Mannschaft den Auftritt zu analysieren und auf den nächsten Gegner einzustellen. Die Pinguins von der Nordsee erlebten am Wochenende ebenfalls eine Achterbahnfahrt. Dem Überraschungssieg in Mannheim folgte die Heimniederlage gegen Iserlohn. Auch sonst zeigten die ersten vier DEL-Spieltage, dass eigentlich nur die Nürnberger ihren Rhythmus gefunden haben. Alle anderen Topteams mussten unerwartet Federn lassen.

(RP)
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