Krefeld Pinguine: Saison endet vor einem Scherbenhaufen

Krefeld Pinguine : Die treue Kundschaft ergreift die Flucht

Die Krefeld Pinguine stehen kurz vor dem Ende der Hauptrunde vor einem Scherbenhaufen. Die Finanzlage ist so bedrohlich wie schon lange nicht mehr. Im Team soll ein großer Umbruch erfolgen.

Dem Herzen des Krefelder Sports droht der Stillstand. Hinter der viel zitierten Angriffssaison der Pinguine wird am Ende der DEL-Hauptrunde (26. Februar) das Wort Waterloo stehen. Sportlich enttäuschte das Gründungsmitglied der Deutschen Eishockey-Liga seine Fans wie nie zuvor. Und das trotz der teuersten Mannschaft seit langem. Auch selbst bei der treuesten der treuen Kundschaft ist das schwarz-gelbe Herzblut aus den Adern geflossen. Viele Dauerkarteninhaber sind auf der Flucht und wollen sich reiflich überlegen, ob sie erneut ein Saisonticket kaufen sollen. Das "KEV-Wir-Gefühl" ist nach 18 Heimniederlagen gänzlich verloren gegangen.

Von der schönsten Nebensache der Welt ist das DEL-Eishockey an der Westparkstraße momentan so weit entfernt wie die Erde vom Mond. Zuschauer, die seit Jahrzehnten die Spiele des KEV und der Pinguine verfolgen und an der Westparkstraße viele Höhen und Tiefen erlebten, verfolgen das Geschehen in dieser Saison mit großer Fassungslosigkeit. Dunkler als jetzt können die Wolken über dem König-Palast nicht mehr werden. Die KEV Pinguine Eishockey GmbH steht aktuell vor einem Scherbenhaufen. Auch wenn die Sommerpause so lange ist wie nie zuvor in der Krefelder DEL-Geschichte, wird die Zeit kaum reichen, den emotionelle Schaden zu beheben und die Lust auf die neue Eiszeit zu wecken.

Hinter der Zukunft steht ein großes Fragezeichen. Bleibt der DEL-Standort Krefeld erhalten? Bis zum 15. Februar muss bei der DEL die Lizenz für die Saison 2017/18 beantragt und dazu eine Bankbürgschaft in Höhe von 100.000 Euro hinterlegt werden. In dieser Woche wollen Aufsichtsrat und Geschäftsführung abchecken, ob die Sponsoren bei der Stange bleiben und welche Marschroute man sportlich einschlagen kann. Die bedrohliche Lage erfordert innerhalb von wenigen Tagen viele Gespräche und Entscheidungen. Daher muss jeder Fan dafür Verständnis aufbringen, dass in dieser Woche die Zeit für ein Fan-Hearing nicht reif ist. Denn schließlich wird sich der Aufsichtsrat mit Wolfgang Schulz an der Spitze Gedanken machen, ob die Zusage, bis zum Ende des laufenden Mietvertrages (Juni 2018) in der Verantwortung zu bleiben, noch gehalten werden kann.

Mit dieser besorgniserregenden Entwicklung konnte im Sommer keiner rechnen. Von einer Spielerverpflichtung zur nächsten stiegen Euphorie und Erwartungshaltung. Doch Namen sind oft nur Schall und Rauch. Bei der Zusammenstellung des Teams vertraute der Aufsichtsrat voll und ganz auf Franz Fritzmeier. Das Risiko, einem jungen und unerfahrenen Trainer die Verantwortung zu übertragen, wurde unterschätzt. Der Coach verfehlte sein Ziel, dem Team mit erfahrenen Spielern aus der Liga ein neues Gesicht zu geben und in der Spitze zu verstärken. Dazu holte er sich durch die Abschiebung des Duos Duba/Klein ohne Not ein Torwartproblem ins Haus. Die Chemie in der Mannschaftskabine stimmte von Anfang an nicht. "Es gibt nicht genug Spieler, die den Willen haben, ihren Körper zu quälen", sagte Rick Adduono am vergangenen Donnerstag. Trotzdem bereut der Kanadier nicht, dass er vor Weihnachten in seiner Heimat Hals über Kopf seine Zelte abgebrochen hat. Bei ihm fließt das schwarz-gelbe Herzblut nach wie vor durch die Adern.

Auch wenn er als Trainer sicher austauschbar wäre, kann er als Mensch für den notwendigen Umbruch überaus wertvoll sein. Und das muss ein gravierender Umbruch sein, egal in welcher Liga. 19 Verträge laufen aus. Selbst über gültige Verträge, die noch für die kommende Spielzeit gelten, muss nachgedacht werden. Denn zum Beispiel scheint Mark Mancaris Zenit offensichtlich überschritten zu sein, zumal der Stürmer unter chronischen Knieproblemen leidet.

Am schnellsten muss der Hebel in der Abwehr angesetzt werden. Dafür sprechen alleine schon die meisten Gegentore in der Liga. Nur Nick St. Pierre und Maximilian Faber besitzen für die neue Eiszeit gültige Verträge. Tim Hambly wäre ein Kandidat, wenn er aufgrund seiner langen Zeit in der DEL einen deutschen Pass bekäme. Dafür müsste er aber wohl erst in Bremerhaven oder Iserlohn einen Vertrag unterschreiben. Entscheidend wird auch sein, wer für den personellen Umbruch verantwortlich ist. Dem künftigen Sportdirektor Matthias Roos fehlt es an Erfahrung. Rüdiger Noack soll dem Aufsichtsrat auch weiter als Berater zur Seite sehen.

(RP)
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