Krefeld Pinguine: Ponomarev gibt Geschäftsführung von Gesellschafter Energy Consulting ab

Saison-Aus theoretisch wieder denkbar : Ponomarev gibt Geschäftsführung von Pinguine-Gesellschafter Energy Consulting ab

Es ist ein weiteres Detail in der Posse um die Zukunft der Krefeld Pinguine: Investor Ponomarev hat seine Firma, mit der er am Club beteiligt war, übertragen. Die Kapitalerhöhung, die die Saison sichern soll, soll dies nicht gefährden. Die Zukunft bleibt ungewiss.

Der Geschäftsführer der Krefeld Pinguine hatte schon vor der vermeintlich entscheidenden Gesellschafterversammlung ein ungutes Gefühl. „Mit Herrn Ponomarev ist grundsätzlich alles möglich“, hatte Matthias Roos gesagt und recht behalten.

Der umstrittene russische Investor Mikhail Ponomarev hatte seine Firma Energy Consulting bereits im Oktober an den Russen Alexander Godowikow mit Wohnsitz in Moskau übertragen. Das geht aus einem aktuellen Handelsregister-Auszug hervor. Energy Consulting ist formal einer von zwei Haupt-Gesellschaftern der Pinguine aus der Deutschen Eishockey Liga. Der deutscher Meister von 2003 erfuhr dies aber erst am Donnerstagabend auf seiner Gesellschafterversammlung, die wegweisend für den finanziell angeschlagenen Club werden sollte.

Eigentlich. Mit dem Anwalt der Energy Consulting, Wolfgang Peters, wurde dabei beschlossen, einen neuen Haupt-Gesellschafter durch eine Kapitalerhöhung in Höhe von 750 000 Euro ins Boot zu holen. Durch diese Liquiditätsspritze soll zumindest die aktuelle Saison gesichert werden. Denn nach Darstellung von Roos fehlen den Pinguinen aktuell 1,1 Millionen Euro in der Kasse, weil Energy Consulting seinen Vereinbarungen nicht nachgekommen sei - was Ponomarev stets bestritt.

Bei den Pinguinen gibt es nun Befürchtungen, dass die Absicht zur Kapitalerhöhung nicht notariell beurkundet werden kann wegen des Wechsels bei Energy Consulting. Peters beschwichtigte am Freitag. „Das hat überhaupt keine Auswirkungen. Das wird an formellen Problemen nicht scheitern“, sagte der Anwalt der Deutschen Presse-Agentur. Es bestünde zudem keine Gefahr, dass sein Mandat durch den neuen Geschäftsführer zurückgezogen würde.

Die erneute Wende ist ein weiteres Kapitel der Posse um die Pinguine, die seit Jahren am DEL-Tabellenende herumkrebsen und immer mal wieder um ihre Existenz bangen. Selbst wenn der Notartermin, der in den kommenden zwei Wochen stattfinden soll, erfolgreich verläuft und die Pinguine die Saison zu Ende spielen können, ist die Zukunft fraglich. Die Situation geht auch am Team nicht spurlos vorbei. Beim 1:4 am Abend gegen die Eisbären Berlin verlor Krefeld das dritte Spiel am Stück und ist Vorletzter in der Tabelle.

Der neue Gesellschafter steht zwar parat, will sich bis zum Notartermin aber nicht zu erkennen geben. Erst danach könnten Gespräche mit den bisherigen Haupt-Gesellschaftern Energy Consulting und Wolfgang Schulz über die künftige Struktur folgen. Davon ist abhängig, ob die Pinguine bis Mitte Februar eine Bürgschaft in Höhe von 100 000 Euro bei der DEL hinterlegen werden, um überhaupt am Lizenzierungsverfahren für die neue Saison teilzunehmen.

„In der jetzigen Konstellation geht es nicht weiter“, sagte eine Club-Sprecherin. Der 72 Jahre alte Schulz will seine Anteile verkaufen, Energy Consulting soll dies tun. Spätestens seit der Firmen-Übertragung ist eine Kommunikation nur über den Anwalt möglich. Selbst wenn es am Ende eine Lösung im Sinne der Pinguine gibt: Auch sportlich bekommt der Club allmählich ein ernstes Problem.

Von der Saison 2020/2021 an wird wieder ein Absteiger in der DEL ausgespielt. Krefeld hat durch die Hängepartie schon einen Wettbewerbsnachteil. Es gibt derzeit keine Planung für die kommende Spielzeit, weil die Zukunft unklar ist. „Eigentlich muss man Anfang November anfangen, eine Mannschaft zusammenzustellen für die neue Saison. Man muss mit Werbepartnern Gespräche führen. All diese Dinge liegen auf Eis. Jede Woche, die vergeht, ist eine Woche, die wir verlieren“, klagte Roos. „Wenn wir dann im Februar oder im März irgendwann auf die Kette bekommen, dass es weitergeht, bleibt nicht viel übrig.“ Ganz zu schweigen von aktuellen Leistungsträgern, die angesichts der Ungewissheit demnächst Angebote von Konkurrenten annehmen könnten. Die Perspektive in Krefeld bleibt also düster.

(eh/dpa)
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