Krefeld Pinguine: Christian Ehrhoff muss sich stellen

Krefeld Pinguine : Brisante Ehrhoff-Rückkehr im Haie-Trikot

Das Heimspiel der Krefeld Pinguine am Freitag gegen Köln gewinnt durch die Rückkehr des Verteidigers eine zusätzliche Brisanz. KEV-Ehrenkapitän Uwe Fabig bittet die Fans um Respekt und eine faire Behandlung.

Die Freude bei Rick Adduono war immer groß, wenn er Anfang August als Trainer der Pinguine NHL-Star Christian Ehrhoff auf dem Eis begrüßen konnte. Übermorgen wird sich die Wiedersehensfreude des Kanadiers in Grenzen halten. Denn bei seinem Comeback hinter der Krefelder Bande kommt Ehrhoff mit den Kölner Haien als Gegner aufs Eis. Selten seit dem Play-off-Finale 2003 gegen den rheinischen Rivalen vom Dom stand dieses Derby unter einem so besonderen Stern wie am Freitag. Der Trainerwechsel und Ehrhoffs Rückzieher von der ersehnten Rückkehr zu seinem Stammverein sorgen im Vorfeld für eine große Vorfreude und Spannung zugleich. Daher müsste der KöPa eigentlich bis auf den letzten Platz gefüllt sein.

Als sich die Pinguine gestern an ihrem langen Dienstag mit einer Trocken-und einer langen Eiseinheit unter der Regie von Co-Trainer Elmar Schmitz auf das Derby vorbereiteten, war Ehrhoff um 13 Uhr beim Gespräch mit unserer Zeitung schon zu Hause. "Das ist schon ein komisches Gefühl, wenn ich an Freitag denke. Das ist mein erstes Gastspiel in Krefeld", sagte der 34-Jährige. Den Gedanken, bei der Vertragsunterzeichnung in Köln eine Vereinbarung zu treffen, nicht gegen die Pinguine spielen zu müssen, habe es nicht gegeben: "Ich bin jetzt ein Teil der Kölner Mannschaft und muss mich stellen." Auf die Frage, mit welcher Reaktion übermorgen er rechne, antwortete er: "Ehrlich, ich weiß es nicht. Einige werden immer noch sauer sein, andere nicht." Er habe großes Verständnis für die Enttäuschung in Krefeld: "Das war auch für mich eine sehr emotionale Zeit. Ich will die Sache aber nicht mehr aufrollen. Das Thema ist für mich erledigt. Krefeld hat weiter einen Platz in meinem Herzen. Es ist für mich nichts zerbrochen." Er habe auch mit Pinguine-Geschäftsführer Karsten Krippner gesprochen, der in einem TV-Interview von einen "zerrissenen Tischtuch" gesprochen hatte: "Seine Aussage muss man den Emotionen schulden. Es ist kein Riss entstanden." Natürlich werden viele KEV-Fans nie vergessen und verzeihen, dass Ehrhoff am 23. Oktober dem Aufsichtsrat einen Korb gab. Doch Ehrhoff bleibt das Gesicht und die Galionsfigur des Krefelder Eishockeys, auch übermorgen. Pfiffe gegen ihn soll es wohl geben. Aber eine geplante Choreo gegen den verlorenen Sohn soll vom Tisch sein. "Das finde ich super. Christian hat Respekt und eine faire Behandlung verdient. Natürlich darf man ihn als Gegner sehen und pfeifen. Er bleibt aber einer von uns. Wir müssen ihm zeigen, dass wir auf ihn warten", sagte gestern KEV-Ehrenkapitän Uwe Fabig nicht nur, weil er freundschaftlich mit Ehrhoff verbunden ist und im Sommer häufig mit ihm Golf spielt. Es sei traurig, dass Ehrhoff seine Familie vielleicht zu Hause lassen will, weil er seinen Kindern nicht erklären möchte, warum die Zuschauer ihn beschimpfen.

Elf Spiele absolvierte Ehrhoff bisher für die Haie und erzielte dabei zwei Treffer. Dass der Titel-Mitfavorit derzeit auf Platz sechs etwas hinter den Erwartungen herhinkt, beunruhigt den Verteidiger nicht: "Für mich ist das nur eine Momentaufnahme. Wir haben eine gute Mannschaft. Zuletzt wollte die Scheibe einfach nicht ins gegnerische Tor. Aber die Torhüter des Gegners waren auch stark." Persönlich fühle er sich in der DEL schon wohl: "Die Umstellung auf das Eishockey hier klappt immer besser. Insgesamt ist das Spielsystem anders." Nach den vielen Jahren in der NHL vermisste er Nordamerika nicht: "Unsere Kinder haben jetzt ein festes Zuhause. Viele Freunde und die Familien sind in der Nähe, das ist sehr schön." Mittlerweile hat er sich auch an den Pendelverkehr zwischen Krefeld und Köln gewöhnt: "Anfangs habe ich oft im Stau gestanden. Jetzt geht es. Manchmal brauche ich nur eine knappe Stunde." Am Freitag nach dem Spiel sind es aber nur zehn Minuten bis nach Hause. Das Geschehen bei den Pinguinen verfolgt er jetzt aus nächster Nähe. Viel sagen wollte er gestern dazu nicht: "Es ist schade, wie sich das entwickelt hat."

(RP)
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