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Als der Krefelder EV das Play-off-Spiel in Rosenheim gewann

Eishockey : Sieg in Rosenheim ein Paukenschlag

Seit der Saison 1980/81 wird der Deutsche Eishockey-Meister im Play-off-Modus ermittelt.

Als der KEV 1991 in die Eishockey-Bundesliga zurückkehrte, war die Begeisterung in der Seidenstadt riesengroß. 4000 Dauerkarten, so viele wie bis heute nicht mehr, wurden für die Saison verkauft. Das Team startete mit einem 3:1-Sieg in Köln. „Nie wieder zweite Liga“ schallte es dann beim ersten Heimspiel gegen Schwenningen in der ausverkauften Rheinlandhalle von der Nordtribüne. Die Zuschauer erlebten gleich einen Krimi. Nach einem 0:3-Rückstand erzielte Martin Gebel in der 53. Minute den Siegtreffer zum 4:3-Endstand. Dennoch rechneten viele Experten damit, dass die Schwarz-Gelben Lehrgeld zahlen würden. Doch weit gefehlt. Am Ende der Hauptrunde stand der KEV auf dem siebten Tabellenplatz und hatte damit zum ersten Mal in der Krefelder Eishockey-Geschichte die Play-offs erreicht.

Als krasser Außenseiter ging es in der „best-of-five-Serie“ gegen den Tabellenzweiten SB Rosenheim. Zunächst ging die Reise nach Bayern. Im ausverkauften Marox-Stadion erzielte Francios Sills vor 7000 Zuschauern den 1:1-Ausgleich und Uwe Fabig die 2:1-Führung des KEV. Doch der Favorit drehte das Match durch zwei Treffer des Deutsch-Kanadiers Michael Heidt und sah sich schon als Sieger. Doch 90 Sekunden vor dem Ende glich Steve McNeil zum 3:3 aus. In der Verlängerung schlug Fritz Brunner beim „sudden death“ eiskalt zum 4:3 für Krefeld zu. Mit diesem Paukenschlag gingen die Schwarz-Gelben gestärkt in ihre Heimpremiere.

Da die Eintrittspreise für die Play-off-Spiele trotz zahlreicher Proteste der Fans drastisch erhöht wurden, war die Rheinlandhalle mit 5800 Zuschauern nicht ausverkauft. Diese konnten bis zur 42. Minute beim Stande von 4:4 (Tore für Krefeld: 2x Reuter, Sills und McNeil) auf den zweiten KEV-Sieg hoffen. Doch Vaclav „Venci“ Sebek (45.) und Tony Vogel (52.) sorgten für den Rosenheimer Sieg. Im dritten Spiel erlebte der KEV dann ein Waterloo und ging in Rosenheim mit 0:9 unter. Trotzdem herrschte in Krefeld weiter eine große Euphorie. Für das zweite Heimspiel setzte ein Run auf die Karten ein. Der Vorverkauf wurde kurzfristig ins Rathaus verlegt.

Trotz des Ansturms hatten viele Fans den KEV wohl schon aufgegeben. Denn nur 4800 Zuschauer verfolgten in der Rheinlandhalle das Spiel. Darunter waren auch einige Meisterspieler von 1952, deren Titelgewinn sich zum 40. Mal jährte und die vor dem Spiel von Vereinsboss Hans-Ulrich Urban geehrt wurden. Damit war es aber auch vorbei mit der guten Laune. Denn Dale Derkatch brachte die Rosenheimer mit 2:0 in Führung. Und wie es sich für einen Favoriten gehört, ließ er sich die Butter nicht mehr vom Brot nehmen und gewann das Spiel mit 4:0 und damit auch diese Play-off-Serie.

Trotz des Play-off-Aus blickten Verantwortliche und Fans zufrieden auf ihr Erstliga-Comeback zurück. Erst als die Dauerkartenpreise für die Saison 1992/93 bekannt wurden, zog sich Präsident Urban wieder Eishockey-Volkes Zorn zu. Teilweise betrug die Preiserhöhung 25 Prozent. Die Quittung bekam er kurz vor dem Saisonstart, als deutlich weniger Dauerkartenverkauf verkauft wurden als ein Jahr zuvor.

Urban ließ sich aber nicht davon abhalten, die Mannschaft gezielt zu verstärken. Mit Greg Thompson (Hannover), Michael Tack (Köln), Michael Flemming (DEG), Reemt Pyka (Rosenheim) und Bruce Eakin (Nürnberg) wurde ein starkes Quintett verpflichtet. Als Weihnachtsgeschenk kam dann während der Saison der ehemalige NHL-Crack Peter Ihnacak vom Schweizer Erstligisten HC Ajoe nach Krefeld. Schon früh standen die Krefelder als Play-off-Teilnehmer fest und belegten am Ende einer Doppelrunde Platz drei. Damit begann an der Westparkstraße eine sehr lange Play-off-Geschichte, meist mit Duellen gegen Berliner Teams.