Krefeld Pinguine: 22 Endspiele für Trainer Rick Adduono

Krefeld Pinguine: 22 Endspiele für Trainer Rick Adduono

Für die Pinguine beginnt heute unter der Regie des 61-jährigen Kanadiers eine neue Zeitrechnung. Die Verantwortlichen machten dem Team klar, dass es jetzt auch um Spielerverträge und den DEL-Standort Krefeld geht.

"Rick is back in town" hieß es gestern kurz vor 12 Uhr am König-Palast. Rick Adduono, der ehemalige und neue Trainer der Krefeld Pinguine traf gemeinsam mit seiner Frau Melanie pünktlich in seiner alten Wahlheimat ein, in der sich das Ehepaar fast sechs Jahre sehr wohl gefühlt hatte. Ihre alte Wohnung in Bockum ist belegt. Sie ziehen im Stadtwald in die Räume ein, in denen vor 14 Jahren auch Meistercoach Butch Goring wohnte. Vielleicht ist das für den Rest der Saison ein gutes Omen. Zuletzt war das die Wohnung von Steve Hanusch.

Geschäftsstellenleiter Mathias Ross hatte die Adduonos am Düsseldorfer Flughafen in Empfang genommen. Am Nachmittag machte sich der 61-jährige Kanadier gleich an die Arbeit. Denn auf ihn wartet scheinbar eine "Mission Impossible". Ganz aussichtslos ist das Erreichen der Pre-Play-offs sicher noch nicht. Aber es bestehen durchaus Zweifel, dass die Mannschaft unter der Regie des neuen Trainers sehr schnell die Kurve in eine erfolgreiche Richtung bekommen wird. Die kommenden Spiele werden zeigen, ob die Talfahrt tatsächlich an den zwischenmenschlichen Problemen zwischen Franz Fritzmeier und den Spielern lag oder das Leistungspotenzial des Teams in der Gesamtheit nicht für Platz zehn ausreicht.

Auch wenn das Trainer-Gesicht hinter der Bande nicht für alle Spieler neu ist, besteht die Hoffnung, dass der neue Besen gut kehrt. Denn zunächst mal sind Adduonos Motivationskünste gefragt. Er muss in der Kabine von der ersten Sekunde an damit anfangen, die mentale Blockade seiner Schützlinge zu lösen und ihr arg ramponiertes Selbstvertrauen wieder aufpolieren. Er muss ihnen die Angst vor Fehlern nehmen. Er muss ihnen wieder den Stolz, für Krefeld zu spielen, einhauchen. Der Rest kommt dann vielleicht ganz von alleine. An großen Stellschrauben muss er nicht drehen. Er findet Spieler mit bester Kondition und in körperlicher Verfassung vor. An den Reihen wird er bis zum morgigen Derby gegen Köln sicher nicht mehr viel ändern. Ein großer Nachteil ist für Adduono der Abschied von Co-Trainer Elmar Schmitz, der ihm bei der Spielvorbereitung jede Menge Informationen über den Gegner geben könnte. Ob der junge Finne Ville Vaija, der gestern zusammen mit Schmitz das Training leitete, Assistent des Cheftrainers wird, stand gestern noch nicht fest. Es hieß, er wolle sich das noch überlegen.

Adduono wird den restlichen Spielplan der Pinguine schon in Kanada studiert haben. Von den 22 "Endspielen" um Platz zehn geht es bis zum 26. Februar noch zehn Mal gegen Teams aus den aktuellen Top-Sechs. Als er 2009 sein Amt bei den Pinguinen antrat, stand er vor einer ähnlichen "Mission Impossible". Damals, als der Liga noch 15 Mannschaften angehörten, mussten in 28 Spielen zehn Punkte aufgeholt werden. Derzeit sind es nur fünf. Allerdings hat der Tabellenzehnte Düsseldorf zwei Spiele weniger auf dem Konto. Damals kam Krefeld noch auf 72 Punkte und belegte zwei Punkte hinter Rang zehn den zwölften Platz. Nach ersten Prognosen von Rechenkünstlern könnten in dieser Saison vielleicht nur 67 oder 68 Zähler für Platz zehn reichen.

Es geht ab morgen auf dem Eis aber nicht nur um Tore und Punkte. Es steht viel mehr auf dem Spiel. Das wurde der Mannschaft am Dienstag vor ihrem Weihnachts-Wichteln in der Kabine im Auftrag des Aufsichtsrates von Karsten Krippner und Mathias Ross mitgeteilt. Die Spieler erhielten die klare Ansage, dass Vertragsgespräche auf Eis gelegt sind und insgesamt der DEL-Standort Krefeld gefährdet sei, wenn sich das Team weiter so präsentiert wie bisher. Die sowieso immer angespannte Finanzlage in Krefeld könnte bei einer weiteren Talfahrt sehr bedrohlich werden. Die Spieler bekamen das vielleicht schon zu spüren. Denn das letzte Gehalt soll erst mit zweiwöchiger Verspätung gezahlt worden sein.

Es müssen besonders Heimsiege her, damit die Kasse wieder kräftiger klingelt. Für das morgige Derby wurden bereits 6000 Karten verkauft. Die Logen sind schon ausverkauft. Damit ist das Spiel im Vorverkauf schon jetzt die zuschauerstärkste Begegnung der laufenden Saison. Die Krefeld Pinguine empfehlen daher weiter den Vorverkauf, um am Freitag lange Schlangen vor den Kassen des KöPa zu vermeiden.

(RP)
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