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Kahun, Kühnhackl und Rieder: Ex-NHL-Spieler wechseln nach Europa

NHL und dann? : Deutsche Eishockeyspieler auf der Suche nach dem Glück

Während Leon Draisaitl, Philipp Grubauer und Tim Stützle als deutsche Spieler in der NHL gefeiert werden, wurden Dominik Kahun, Tom Kühnhackl und Tobias Rieder vor der Saison aussortiert. Doch anstatt in die DEL zurückzukehren, suchen die drei ihr Glück in anderen europäischen Ligen.

Die Ex-NHL-Spieler Dominik Kahun, Tom Kühnhackl und Tobias Rieder werden in Edmonton, New York und Buffalo nicht mehr gebraucht. Jetzt wagen sie einen neuartigen Schritt. Kahun zog es zum SC Bern in die Schweiz, Kühnhackl und Rieder nach Schweden, zu Skelleftea AIK, beziehungsweise Växjö Lakers.

Zuvor gab es nur zwei Deutsche mit mehr als 100 NHL-Spielen, die in eine andere Liga als die deutsche gewechselt sind. Christoph Schubert, der heutige Assistenztrainer der Heilbronner Falken, wechselte 2010 von den Atlanta Thrashers zum Frölunda HC nach Schweden. Dort spielte er allerdings nur drei Monate und kam dann zurück nach Deutschland zu den Hamburg Freezers. Korbinian Holzer ging 2020 nach zehn Jahren in Nordamerika in die russische Kontinentale Hockey Liga (KHL) zu Awtomobilist Jekaterinburg. Dort spielte er jedoch auch nur eine Saison und schloss anschließend den Adlern Mannheim an. Holzer hat insgesamt 211 Spiele in der NHL absolviert. Damit hat er mit Abstand die meiste NHL-Erfahrung von den aktiven deutschen DEL-Spielern. Es folgt Lean Bergmann mir gerade einmal 13 NHL-Spielen.

Vor einigen Jahren war es hingegen üblich, nach dem Ende in der NHL nach Deutschland zurückzukehren. Christian Ehrhoff, Marcel Goc oder Marco Sturm sind dafür prominente Beispiele aus dem letzten Jahrzehnt. Einige Spieler wie Olaf Kölzig, Uwe Krupp oder Dennis Seidenberg haben ihre Karriere sogar in der NHL beendet. Ein Wechsel nach Schweden oder in die Schweiz kam nicht in Frage.

Kahun, Kühnhackl und Rieder könnten also ein neues Zeitalter für ehemalige NHL-Spieler aus Deutschland einläuten. Wenn sie denn länger als eine Saison im Ausland spielen. Wobei das große Ziel für alle drei eine Rückkehr in die NHL ist.

Dazu muss man sagen, dass die legendären Spieler wie Ehrhoff und Co. alle zum Ausklang ihrer Karriere nach Deutschland kamen. Uli Hiemer ist der einzige Deutsche mit mehr als 100 NHL-Spielen, der bei seiner endgültigen Rückkehr in die DEL unter 30 Jahren alt war. Kahun (26), Kühnhackl (29) und Rieder (28) sind jedoch alle noch im besten Eishockey-Alter. Daher ist ein Wechsel in eine europäische Topliga nachvollziehbar.

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Dazu hat sich insbesondere die schwedische Svenska Hockeyligan in den vergangenen Jahren entwickelt. Heute gilt sie als drittbeste Eishockeyliga hinter der NHL und der KHL, wie ein Blick auf die Ligenrangliste bei der europäischen Champions Hockey League (CHL) zeigt. Bei der ersten Einführung der CHL im Jahr 2008 wurde die russische Liga als stärkste eingestuft. Dahinter kamen die finnische und tschechische Liga. Auf Platz vier folgte die schwedische, dann die slowakische, die schweizerische und zuletzt die deutsche.

Doch schon bei der European Trophy, die zwischen 2010 und 2013 ausgetragen wurde, zeigte sich eine Übermacht der schwedischen Teams. Im ersten Jahr kam ein Drittel der teilnehmenden Mannschaften aus Schweden. Außerdem landeten in jedem Jahr zwei schwedische Mannschaften unter den besten Vier.

Seit der Saison 2017/18 werden die Startplätze in der neuen Version der CHL nach Ligen vergeben. Unter den Gründungsligen (die KHL zählt nicht dazu) war Schweden auf Platz eins, gefolgt von Finnland, der Schweiz, Tschechien, Deutschland und Österreich. Mittlerweile folgt die DEL als viertbeste Liga auf die schwedische, die schweizerische und die österreichische Liga. Das Ranking wird anhand der Punkte des Abschneidens der jeweiligen nationalen Vereine in den vergangenen Saisons vorgenommen und bestimmt die Anzahl an Starterplätzen für die kommende Spielzeit.

Aus Deutschland stand seit Einführung der CHL im Jahr 2014 nur der EHC Red Bull München im Finale. Die schweizerische Liga hat bisher nur zwei Halbfinalisten hervorgebracht. Die CHL wird von schwedischen Vereinen dominiert. Der Frölunda HC Göteborg stand in sechs Jahren fünfmal im Finale und hat viermal gewonnen. Im letzten Jahr waren unter den besten vier Mannschaften drei aus Schweden.

Zudem dient die Svenska Hockeyligan auch als Nachwuchsliga. Das deutsche Ausnahmetalent Moritz Seider wechselte 2020 für ein Jahr nach Schweden, wurde sowohl dort als auch bei der Weltmeisterschaft zum besten Verteidiger gekürt und steht mittlerweile bei den Detroit Red Wings unter Vertrag.

Die DEL ist seit einigen Jahren zwei Klassen von der NHL entfernt, sodass sich Spieler, die das NHL-Niveau nicht mehr oder noch nicht haben, eine Zwischenstufe suchen. Diese haben sie in Schweden gefunden, momentan wird dort besseres Eishockey als hierzulande gespielt.

(jg)