Schädel-Hirn-Trauma nach Check: Eisbär Ustorf bangt um seine Karriere

Schädel-Hirn-Trauma nach Check: Eisbär Ustorf bangt um seine Karriere

Stefan Ustorf ist hart im Nehmen. Kieferbruch, Bänderrisse, Schulterverletzungen - kaum ein Körperteil des Eishockeyprofis wurde noch nicht in Mitleidenschaft gezogen. Doch der eisenharte Stürmer, der selbst beim Verlust von sieben Zähnen nach einem Puckeinschlag vor zwei Jahren noch lächelte, kehrte immer wieder zurück. Seit einem Check des Hannoveraners Gerrit Fauser Anfang Dezember bestehen daran aber Zweifel. Ustorf muss wegen eines Schädel-Hirn-Traumas um die Fortsetzung seiner Karriere bangen.

Peter John Lee, Manager von Ustorfs Arbeitgeber Eisbären Berlin, schloss ein Karriereende des nicht nur in der Haupstadt beliebten Profis erstmals nicht mehr aus. "Hinter dieser Saison steht ein sehr großes Fragezeichen. Möglicherweise ist die Endkonsequenz auch die, dass er gar nicht mehr spielen kann", sagte Lee dem SID.

Er werde jedoch die Hoffnung nicht aufgeben und dem Kapitän des amtierenden Meisters einen Platz im Kader offen halten, erklärte der Eisbären-Manager: "Der Usti hat so viel für das Team und den Klub geleistet, für ihn gibt es bei mir immer einen Platz."

Ustorf, der gelegentlich noch immer über Kopfschmerzen und Übelkeit klagt, befindet sich derzeit zur Regeneration bei seiner Familie in seiner Wahlheimat Amerika. In den kommenden Wochen und Monaten soll mit den behandelnden Ärzten geklärt werden, ob der 38-Jährige seine Karriere fortsetzen kann. "Er ist ein Typ, der immer spielen will. Aber das ist keine Knieverletzung. Die Gesundheit steht immer an erster Stelle", sagte Lee.

Ustorf gab zu, dass er die Verletzung kaum einschätzen kann und deshalb etwas ratlos ist. "Bei Blessuren am Knie oder der Schulter sieht man zu, dass man mit den Schmerzen klarkommt. Wenn es irgendwie geht, steht man wieder auf dem Eis. Bei dieser Verletzung fehlt mir aber die Kontrolle", sagte der 121-malige Nationalspieler kürzlich dem Berliner Kurier.

Eisbären-Manager Lee forderte nun mehr Schutz für die Eishockeyspieler. "Wir in Berlin hatten in den vergangenen zwei Jahren zehn Gehirnerschütterungen", klagte Lee. Er will das Thema bei der nächsten Sitzung der Deutschen Eishockey Liga (DEL) in der kommenden Woche zur Sprache bringen. Lee kritisiert vor allem, dass den Spielern nach DEL-Richtlinien erlaubt wird, den Gegner auch ohne Puck innerhalb von zwei Sekunden zu checken. "Das ist viel zu lange.
In der Zeit kann man ja eine Straße überqueren", meinte Lee.

DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke zeigte sich gesprächsbereit, meinte jedoch auch: "Es gibt bei uns keinerlei Hinweise, dass Anzahl der Fouls gegen den Kopf und die Anzahl der Verletzungen zugenommen haben."

In der nordamerikanischen Profiliga NHL wird das Thema Sicherheit nach etlichen Kopfverletzungen, unter anderem von Kanadas Nationalheld Sidney Crosby, schon länger diskutiert. Die NHL installierte inzwischen unter anderem Einzelrichter, die brutale Checks bestrafen.

(sid)