1. Sport
  2. Eishockey
  3. DEL

Forderung im Eishockey und Handball: Gehaltsverzicht geht nur mit Zustimmung

Forderung im Eishockey und Handball : Gehaltsverzicht geht nur mit Zustimmung der Spieler

Im Eishockey und Handball sollen Profis in der kommenden Saison wegen der Corona-Krise auf Teile ihres Gehalts verzichten. Rechtlich ist das möglich. Dabei sind die Vereine aber auf die Bereitschaft der Spieler angewiesen.

Die Profiligen im Eishockey und Handball haben ihre aktuelle Saison wegen der Corona-Pandemie abgebrochen. Viele Mitarbeiter und damit auch Spieler sind in Kurzarbeit. Die meisten Profis haben auch so für diese Zeit auf einen Teil ihres Gehalts verzichtet. Nun aber steht schon die neue Saison an. Und für die müssen die jeweiligen Ligen, Vereine und Spieler jetzt planen: wirtschaftlich und im Blick darauf, unter welchen Umständen wegen der Corona-Beschränkungen gespielt werden kann. Die werden zwar nach und nach gelockert. Dennoch ist völlig unklar, wie die Situation in zwei oder drei Monaten sein wird. Wann kann es überhaupt los gehen? Kann vor Zuschauern gespielt werden?

Letztere Frage ist vor allem für Sportarten wie Handball, Eishockey oder auch Volleyball essentiell, weil die Vereine von den Zuschauereinnahmen und den Spieltagserlösen abhängig sind. Geisterspiele wie im Fußball sind für sie nicht finanzierbar. Dennoch könnten sie nötig werden. Deswegen loten die Liga-Verbände derzeit ganz genau aus, wie sie die finanzielle Leistungsfähigkeit der Profivereine und damit auch ihre eigene erhalten können. Dafür werden Gespräche mit Sponsoren geführt und Kosten gesenkt. An genau dieser Stelle scheinen die Personalkosten ein entscheidender Faktor zu sein — und gleichzeitig ein sensibles und heikles Thema.

Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat sich dennoch darauf verständigt, das die Vereine die Personalkosten für die kommende Saison senken müssen. „75/25-Modell“ nennt die DEL ihr Konzept. Die Spieler sollen dabei zunächst auf 25 Prozent ihres vereinbarten Gehalts verzichten. Wenn die Vereine in der kommenden Saison dann aber wirtschaften können wie sonst auch – etwa weil keine Geisterspiele angesetzt werden mussten – erhalten die Spieler demnach ihr normales Gehalt. Auf dieses Verfahren habe man sich mit den Vereine nach mehreren Konferenzen geeinigt, heißt es seitens der DEL. Die Einigung mit den Spielern auf einen Gehaltsverzicht sei auch ein Prüfungsmaßstab beim Lizenzierungsverfahren für die kommende Saison. Vereine, die keine derartige Vereinbarung mit ihren Spielern treffen, können sich demnach nicht darauf verlassen, eine Lizenz zu bekommen.

Bis zum 24. Mai sollten alle Unterlagen dafür abgegeben sein. Vorerst reichten aber nur vier Vereine die Vereinbarung mit ihrem Kader ein. Die übrigen zehn Vereine konnten sich mit ihren Spielern nicht bis zu diesem Termin auf das Gehaltsverzichts-Modell einigen. Viele Spieler weigern sich, den Verzicht in dieser Form zu unterschreiben. Kritikpunkt ist die pauschale Vorgabe unabhängig von der finanziellen Lage des Vereins und dem Gehalt der Spieler. Einige Spieler sprechen von Erpressung und Nötigung durch die DEL. Davon könne aber keine Rede sein, entgegnet diese.

Lothar Sigl, geschäftsführender Gesellschafter der Augsburger Panther und Mitglied im Aufsichtsrat der DEL, versuchte den Konflikt in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“ so zu erklären: „Viele Spieler wussten bis jetzt nicht so genau, wie sich ein DEL-Klub finanziert, wie mühsam wir zum Teil unser Budget zusammenbasteln. Wenn man ihnen erklärt, dass alles, was mit dem Spielbetrieb zusammenhängt – Ticketing, Catering, das Fernsehen –, zurzeit null Einnahmen generiert und nur das Merchandising vielleicht noch ein paar Cent in die Kasse bringt, dann begreift irgendwann jeder Spieler, dass das nicht aufgehen kann, wenn auf der einen Seite 68 Prozent Ausgaben für die Spieler stehen und auf der anderen Seite eine Null.“

Ob mit dieser Erklärung alle Vereine ihre Spieler erreichen, bleibt ungewiss. Klar ist, die Vereine müssen auf das Entgegenkommen ihrer Spieler hoffen. Eine Gehaltskürzung ist in Deutschland rechtlich zwar möglich, aber nur im Einvernehmen mit dem Arbeitnehmer. Für die Vereine wird es genau auf dieses Einvernehmen ankommen, sagen Arbeitsrechtler. Der Arbeitgeber, in dem Fall die Vereine, könne natürlich wegen der wirtschaftlich prekären Lage mit den Spielern verhandeln, zwingen kann er sie dazu aber nicht. Die Spieler wiederum haben womöglich nichts gewonnen, wenn die Alternative zum Gehaltsverzicht aller die Kündigung einer gewissen Anzahl von Spielern ist. Das wäre die andere rechtliche Möglichkeit der Vereine, um die Personalkosten zu senken, wenn es ums wirtschaftliche Überleben geht.

Ähnlich ist die Lage in der Handball-Liga. Dort machen die Gehälter der Spieler bei den Erstliga-Vereinen etwa 65 Prozent der Kosten aus. Ein Gehaltsverzicht der Spieler von 25 Prozent sei auch in der Handball-Liga (HBL) ein realistischer Wert, sagte HBL-Geschäftsführer Frank Bohmann der Nachrichtenagentur sid. In einigen Vereinen müsse der Verzicht aber wohl deutlich höher ausfallen, um den Spielbetrieb zu sichern. Teil der Lizenzunterlagen solle eine solche Vereinbarung aber nicht werden.

Während im Eishockey die Nationalspieler Moritz Müller und Patrick Reimer für genau solche Problemstellungen gerade planen, eine Spielergewerkschaft ins Leben zu rufen, gibt es die ihm Handball schon. Ihre Vertreter sprechen mit den Vereinen über die heikle Gehaltsverzichts-Frage. „Wir wissen, was gerade los ist, aber wir müssen mit allen offen und ehrlich reden. Da müssen die Bücher geöffnet werden, und dann muss vernünftig kommuniziert werden“, sagte Nationaltorhüter Johannes Bitter am vergangenen Sonntag in seiner Funktion als Vorstandsmitglied der Spielergewerkschaft Goal der ARD-Sportschau.

Die Spieler bräuchten Zahlen, Daten und Fakten, um Entscheidungen zu treffen. „Ganz am Ende muss das Risiko verteilt werden. Es kann nicht sein, dass ein gewisser Betrag, der als Risiko da steht, auf die Spieler abgewälzt wird“, sagte Bitter. Die Spieler seien grundsätzlich aber bereit zu helfen.