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Eishockey: Straubing Tigers streiten mit der DEL

Kritik an Schiedsrichtern : Straubing Tigers streiten mit der DEL

Ein Kniecheck mit großen Folgen: Die Straubing Tigers kritisieren das Schiedsrichterwesen in der DEL scharf - und werden dafür bestraft. Der Unmut aber bleibt.

Im deutschen Eishockey fühlt man sich zurzeit wie in einem Asterix-Comic: Ein "gallisches Dorf" wehrt sich mit allen Mitteln gegen die scheinbare Willkür des Herrschers. Gemeint sind die Tigers aus dem 45.000-Einwohner-Städtchen Straubing in Niederbayern, die sich mit der Deutschen Eishockey Liga (DEL) angelegt haben.

Die Quittung gab es Anfang der Woche: Die Tigers wurden "wegen unsportlichen und ligaschädigenden Verhaltens" zu einer Geldstrafe in unbekannter Höhe verurteilt. Ob der Klub die Strafe, die zum Teil auf Bewährung ausgesetzt werden soll, akzeptiert, soll in einer Sitzung der Gesellschafter in dieser Woche entschieden werden.

Was war passiert? Am Rande des Heimspiels der Straubinger am 25. Januar gegen die Adler Mannheim hatte Maskottchen "Tigo", gekleidet in schwarzer Mönchskutte, einen Sarg und einen Grabstein aus Pappe und Plastik auf dem Eis präsentiert. Entsprechend der Aufschriften trug das Maskottchen dabei den "fairen Sport", die "Transparenz" und "Glaubwürdigkeit" zu Grabe.

Besonders makaber war der Zusatz "Powered by TB" - also mit den Initialen von Tino Boos, dem Vorsitzenden des Disziplinarausschusses der DEL. "Das war komplett geschmacklos sowie ein Angriff auf die Werte der Liga", sagte DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke dem SID.

Neben dieser Aktion sanktionierte der DEL-Aufsichtsrat auch das Verhalten von Hubert Stahl. Der Maschinenbau-Unternehmer ist einer von vielen Tigers-Gesellschaftern und hatte in zwei offenen Briefen an die DEL seinen Frust über die seiner Meinung nach eklatante Ungleichbehandlung bei Sperren zum Ausdruck gebracht - und damit nicht nur bei Straubing-Fans einen Nerv getroffen. Eine von der DEL angebotene Telefonkonferenz zur Schlichtung lehnte der Gesellschafter ab.

Das Gespräch würde "erneut hinter verschlossenen Türen stattfinden und am Ende die gesamte Thematik im Sand verlaufen", begründete Stahl, der in Richtung DEL-Bosse betonte, "dass ich im Namen aller Eishockeyfans in Deutschland nicht aufgeben werde, bis Sie sich öffentlich zu meinen Fragen geäußert haben."

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Auslöser des Streits war das Derby der Tigers gegen Meister Red Bull München am 20. Januar: Münchens Nationalstürmer Patrick Hager streckte Tigers-Verteidiger Fredrik Eriksson mit einem üblen Kniecheck nieder. Der Schwede blieb Minuten auf dem Eis liegen und fällt seither mit einer Knieverletzung aus. Hager kassierte für sein Foul zwar eine Spieldauer-Strafe, doch der Disziplinarausschuss verzichtete im Nachgang auf eine weiterführende Sperre.

Für Stahl ein Unding, zumal ein Straubinger Spieler in dieser Saison für ein ähnliches Vergehen und zwei seiner Profis für Faustkämpfe ohne Verletzungsfolge mit nachträglichen Sperren und Geldstrafen belegt worden waren. Stahl wittert eine Verschwörung: "Ist es vielleicht der Versuch, kleine Vereine wie Straubing klein zu halten und finanziell stärkeren Vereinen wie München möglichst wenig Steine in den Weg zu legen? Oder ist es die Angst vor dem Großkonzern Red Bull?"

Auch DEL-Boss Tripcke bekam sein Fett weg. "Anstatt sich wirklich mit Kritik auseinanderzusetzen, verhängen Sie und die Deutsche Eishockey Liga einfach eine Geldstrafe in der Hoffnung, dass solche Kritikäußerungen dann tot geschwiegen werden", schrieb Stahl. Tripcke wies darauf hin, dass die Klubs selbst zur Saison 2016/17 ein Gentlemen's Agreement zur Schiedsrichter-Kritik eingeführt haben wollten, um das Thema zu versachlichen.

Im Fall Hager verwies die DEL auf seinen "Standard bei Checks mit dem Knie", der zuletzt im November von der Sportkommission einstimmig beschlossen worden war. Auch Straubing stimmte nicht dagegen. "Die Verletzung von Herrn Eriksson ist absolut bedauerlich, und wir wünschen dem Spieler natürlich alles Gute und eine schnelle Genesung", teilte die DEL mit.

Die Straubing-Fans beruhigt das nicht, zuletzt hing im Eisstadion am Pulverturm das Spruchband: "Eishockeymafia DEL".

(lt/sid)