DEL. Nürnberg Ice Tigers hadern nach Aus mit den Schiedsrichtern

"Irgendwann hört der Spaß auf": Ice Tigers hadern nach Aus mit den Schiedsrichtern

Traumfinale in der DEL: Rekordmeister Eisbären Berlin fordert Titelverteidiger Red Bull München. In Nürnberg fließen Tränen - auch, weil die Liga ein Schiedsrichter-Problem hat.

Ehe sich Uwe Krupp zumindest bis Freitag nach Berlin verabschiedete, war es ihm offensichtlich ein großes Bedürfnis, dem geschlagenen Gegner seinen Respekt zu zollen. Und so lobte der Trainer der Eisbären die Nürnberg Ice Tigers, die ihre spannende Serie im Halbfinale der Deutschen Eishockey Liga (DEL) gegen den Rekordmeister mit 2:4 verloren hatten, für deren "Arbeit in diesem Jahr": Was in Franken abgehe, "da kann sich das deutsche Eishockey bei Nürnberg bedanken".

"Play-offs haben ihre eigenen Regeln"

Krupp hatte nach dem 3:2 (1:1, 1:1, 1:0) im sechsten Spiel der Serie auch Grund genug, seine eigene Mannschaft zu loben - die Eisbären waren ein klein wenig unverschämter oder cleverer als die unglücklichen Ice Tigers. Die DEL hat damit nun so eine Art Traumfinale: Der siebenmalige Meister trifft ab Freitag auf Red Bull München, "die dominierende Mannschaft der vergangenen zwei Jahre", wie Krupp der Form halber noch einmal erwähnte. Er sagte aber auch: "Play-offs haben ihre eigenen Regeln."

In Nürnberg flossen derweil Tränen, nicht zuletzt bei jenem Mann, ohne den es Eishockey in dieser Stadt längst nicht mehr gäbe: Thomas Sabo. Der Hauptgesellschafter verschwand nach dem Spiel in der Kabine, "er hat uns gesagt, dass er stolz auf uns ist", berichtete Steven Reinprecht. Auch der mit bald 42 Jahren älteste Spieler der DEL hatte feuchte Augen, unter anderem, weil es sein letztes Spiel als Profi war. Mit dem Kanadier verliert die Liga eine der prägendsten Figuren der vergangenen Jahre.

Darüber hinaus haderten sie in Nürnberg mit den Schiedsrichtern - was durchaus berechtigt war. Nach 50 Sekunden ahndeten Daniel Piechaczek und Andre Schrader einen Kniecheck von Jamie Sheppared gegen Dane Fox nur mit einer kleinen Strafe - obwohl Fox so schwer verletzt wurde, dass er wie der von Frank Hördler kurz darauf ungestraft verletzte Tom Gilbert nicht mehr auf das Eis kam. Klub-Chef Sabo war darüber so fassungslos, dass er hernach schwere Geschütze auffuhr.

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"Ich habe das erste Mal nach einer Play-off-Serie wirklich geheult, weil ich mich selten hilfloser gefühlt habe als heute", sagte Sabo den "Nürnberger Nachrichten" und ergänzte: "Wir machen hier Profisport, für den wir uns wahnsinnig stark einsetzen, und da hört irgendwann mal der Spaß auf." Einen Schiedsrichter wie Piechaczek pfeifen zu lassen, grenze "fast schon an Geschäftsschädigung, würde man im kaufmännischen Bereich sagen".

Diskussionswürdige Entscheidungen

Piechaczek und Schrader machten zumindest eine sehr unglückliche Figur - wie allerdings auch einige ihrer Kollegen in den anderen Spielen der Halbfinalserien. So entging Sirko Hunnius und Marc Iwert der brutale Ellbogencheck des Münchners Steven Pinizzotto gegen Matthias Plachta im ersten Spiel gegen Adler Mannheim. Im zweiten Spiel gaben Piechaczek und Schrader den Treffer zum 2:2 (Endstand 4:2), nachdem zwei Mannheimer den Münchner Torhüter Danny aus den Birken mit dem Puck ins Tor geschoben hatten. Im dritten Spiel zwischen Berlin und Nürnberg foulte Andre Rankel dem Nürnberger Patrick Köppchen ungestraft das Gesicht blutig.

DEL-Schiedsrichter-Chef Lars Brüggemann sagte am Montag zu den umstrittenen Situationen in Nürnberg, er könne "nachvollziehen, warum die Schiedsrichter so entschieden haben, ich gestehe aber auch jedem zu, dass er das subjektiv anders sieht". Im Fall des Fouls an Fox stellte er klar: "Wir bedauern natürlich, dass der Spieler schwer verletzt worden ist, aber auf dem Eis müssen die Schiedsrichter in Sekundenbruchteilen das Vergehen beurteilen." Eine Zeitlupe hätten sie halt nicht.

Piechaczek und Schrader beurteilten die Fouls an Fox und Gilbert falsch. Für ein Foul mit Verletzungsfolge gibt es normalerweise eine Fünf-Minuten- plus Spieldauer-Disziplinarstrafe.

(sid)