DEL: Geschlossene Gesellschaft

Deutsche Eishockey Liga : Geschlossene Gesellschaft

In der Deutschen Eishockey Liga gibt es immer wieder Überraschungen in einzelnen Spielen. Doch insgesamt spiegelt die Tabelle - mit geringen Abweichungen - nur wider, über welche finanziellen Etats die Klubs verfügen.

In der Fußball-Bundesliga ist Bayern München der Krösus, gefolgt von dem gepäppelten Emporkömmling RB Leipzig, Borussia Dortmund und Schalke 04. Geld mag keine Tore schießen, wirkt sich aber sehr wohl gestaltend auf die Tabelle aus. Das ist in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) nicht anders. Jahr für Jahr behaupten die Protagonisten zwar, die Liga sei so eng und so spannend wie nie zuvor. Manchmal ist man versucht, das zu glauben. Wenn zum Beispiel Köln in Mannheim gewinnt und 48 Stunden später Mannheim in Berlin siegt. Oder wenn die Düsseldorfer EG tatsächlich den Meister und Spitzenreiter Red Bull München bezwingt. Das mag einmal gelingen, aber kein zweites Mal. Dem 6:4-Heimsieg folgte gestern eine 1:5-Niederlage in München.

Tatsächlich ist es möglich, dass ein Außenseiter in einem Spiel gegen einen Favoriten für eine Überraschung sorgt - so wie das im Fußball im Pokal möglich ist. Doch nach 20 von 52 Spieltagen zeichnet die Tabelle ein deutlich anderes Bild. Da sieht es fast so aus, als seien die Vereine nach der Höhe ihres jeweiligen Etats platziert. München führt die Tabelle sportlich und finanziell mit einem Etat in Höhe von 12,5 Millionen Euro an, gefolgt von Nürnberg (10,5), Berlin (11,2) und Mannheim (12,2).

Natürlich gibt es aber auch eine kleine Überraschung. Für die sorgt erneut Bremerhaven. Die Fischtown Pinguins spielen erst die zweite Saison in der DEL. Sie wurden im Sommer 2016 für Hamburg in die ansonsten geschlossene Liga aufgenommen. Die vergangene Saison beendete der Neuling, dem kaum einer etwas zugetraut hatte, auf dem sehr guten Rang zehn. Jetzt liegt der Klub mit dem kleinsten Etat (4,1) geradezu sensationell auf dem sechsten Platz.

Den hat die Düsseldorfer EG angepeilt, doch sie droht kläglich zu scheitern. Der Traditionsverein steht tief im Tabellenkeller und bildet gemeinsam mit den Kölner Haien den negativen Ausreißer. Dabei haben die Düsseldorfer den Etat auf rund neun Millionen Euro aufgestockt, um das Ziel Play-offs zu erreichen. Die Mannschaft des neuen Trainers Mike Pellegrims wurde personell verstärkt und ist zwar fit, doch das reicht natürlich nicht aus. Der Coach führt ein überaus straffes Regiment, was sich auf dem Eis widerspiegelt. Die Spieler agieren zwar diszipliniert, aber nicht selbstbewusst, geschweige denn befreit. Das ist aber genau das, was ihrem Spiel in der Offensive fehlt. Ob es dem Coach gelingt, die Bremse zu lösen und seinen Schützlingen auch die Freude am Spiel zu vermitteln?

Kölns Trainer Cory Clouston war bereits vor der gestrigen 2:3-Niederlage in Bremerhaven angezählt. Die Haie sind als Titelkandidat mit einem Etat von 11,5 Millionen Euro in die Saison gegangen und belegen nun Rang zehn, der so eben noch für die Pre-Play-offs ausreichen würde. Es wäre nicht überraschend, wenn nach den Trainerwechseln in Straubing und Iserlohn weitere folgen würden.

Die Krefeld Pinguine hätten natürlich gerne den ein oder anderen Punkt mehr auf dem Konto, doch halten sie Anschluss an Platz zehn. Viel mehr darf von dem Klub angesichts des Etats (5,8) auch nicht erwartet werden.

Sicherlich wird es in dieser Saison noch die ein oder andere Überraschung geben. Doch wer darauf wetten möchte, dass München den Titel verteidigt, hat zwar eine gute Chance, erhält aber dafür sicherlich keine attraktive Quote.

Hier geht es zur Bilderstrecke: München feiert den Titelgewinn mit Bier und Zigarren

(ths)