DEL 2018/19: 13 Eishockey-Klubs jagen Red Bull München

Saisonstart in der DEL: DEG steht vor entscheidendem Jahr

Die DEL startet in ihre 25. Saison. Favorit ist Red Bull München. Für die Düsseldorfer EG und die Krefeld Pinguine geht es zunächst einmal darum, sich für die Play-offs zu qualifizieren.

Wenn im April der Pokal für die Meisterschaft in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) überreicht wird, stand zuletzt immer einer mit breitem Grinsen als Empfänger bereit: Michael Wolf. 2016, 2017 und 2018 stemmte der Kapitän von Red Bull München den Silberpott in die Höhe. Am Freitag startet die DEL in ihre Jubiläumssaison – und 13 Klubs wollen verhindern, dass die Münchner erneut jubeln. Vier Meisterschaften in Folge feierte in Deutschland bisher erst eine Mannschaft: die Düsseldorfer EG zu Bundesligazeiten (1990 bis 1993). Wir beantworten die wichtigsten Fragen zur Titeljagd.

Wie viel Rückenwind gibt es noch durch das sensationelle Olympia-Silber? Schon zum Ende der vergangenen Spielzeit waren die Arenen voll, im Sommer stieg der Dauerkartenverkauf, neue Sponsoren stiegen ein. Und zehn bis 15 Prozent mehr Kinder meldeten sich in den Klubs zum Eishockey an.

Spielen die Helden von Pyeongchang die Hauptrolle? Ja. Spieler wie der Nürnberger Torjäger Patrick Reimer, Olympia-Kapitän Marcel Goc in Mannheim, der Münchner Torhüter Danny aus den Birken oder der Kölner Verteidiger Moritz Müller stehen auch in der DEL im Fokus. Allerdings hat die Liga ihren wohl besten Spieler verloren: Dominik Kahun. Der Münchner versucht sich wie seine Olympia-Kollegen Brooks Macek (München) und Yasin Ehliz (Nürnberg) in der NHL.

Wer ist Favorit? Natürlich München. „Wenn man dreimal in Folge Meister wird, ist das keine Frage“, sagt der Mannheimer Matthias Plachta. Red Bull steckt allerdings im Umbruch. Neben Kahun und Macek gingen auch DEL-Topscorer Keith Aucoin und Play-off-MVP Jon Matsumoto. Die Chance für die Mannheimer Adler? „Wir wollen von Anfang an vorne mitspielen“, sagt Plachta und setzt auf den „neuen Wind“, den Trainer Pavel Gross gebracht hat. Auch Vizemeister Eisbären Berlin rechnet sich Chancen im Kampf um die 99. deutsche Meisterschaft aus.

Welche Höhepunkte gibt es in der Jubiläumssaison? NHL-Altmeister Edmonton Oilers mit dem deutschen Star Leon Draisaitl stattet den Kölner Haien am 3. Oktober einen Besuch ab. Am 12. Januar 2019 verwandelt sich das Fußballstadion des Bundesliga-Absteigers 1. FC Köln in eine Eishockeyarena. Die Haie und ihr Erzrivale Düsseldorfer EG treffen im vierten Winter Game unter freiem Himmel aufeinander.

Wie wird gespielt? In einer Doppelrunde mit 52 Spieltagen werden die Play-off-Teilnehmer ermittelt. In der maximal fünfminütigen Verlängerung wird mit drei gegen drei gespielt. Die ersten sechs stehen im Viertelfinale. Die Teams sieben bis zehn ermitteln im Modus „best of three“ die letzten beiden Viertelfinalisten. Danach geht es im Modus „best of seven“ bis zum Titelgewinn – vier Siege sind notwendig, um eine Runde weiterzukommen.

Was ist neu? Statt mit drei geht die DEL mit sieben Profi-Schiedsrichtern in die neue Saison. Dabei wurden auch zwei Referees aus dem Ausland verpflichtet: der Amerikaner Andrew Howard und der Finne Aleksi Rantala, der das Olympiafinale von Pyeongchang pfiff. Neu ist auch, dass jeder Klub in jedem Spiel einen U23-Spieler aufstellen muss, wenn er mit dem Maximalaufgebot antritt. Im Penaltyschießen beginnt jetzt immer das Heimteam. Bei einem Penalty im Spiel muss nicht mehr der Gefoulte selbst antreten.

Wie begann die DEL? Am 15. September 1994 begründete die DEL eine neue Ära im deutschen Eishockey. Die eigenständige Profiliga löste die wirtschaftlich kollabierende Bundesliga ab. Aus eingetragenen Vereinen wurden Kapitalgesellschaften. Nach Dauerstreit mit dem Verband und Konkursen mehrerer Klubs etablierte sich die Liga sportlich und konsolidierte sich wirtschaftlich. Von den 18 Gründungsmitglieder gehen acht auch in die Jubiläumssaison. Sechs von ihnen gehörten durchgängig der DEL an.

Was kostet DEL-Eishockey? Der Großteil der 14 Klubs hat mehr investiert als im Vorjahr. Krösus ist München mit einem geschätzten Gesamtetat von 13,5 Millionen Euro. Das kleinste Budget hat Bremerhaven (4,6). Die billigsten Tickets gibt es in Wolfsburg (vier Euro Stehplatz Kinder), die teuersten in Nürnberg (55 Euro Haupttribüne).

Wer überträgt die Spiele? Wie in der Vorsaison wird jedes DEL-Spiel live übertragen. Die Deutsche Telekom zahlt dafür pro Saison rund 3,5 Millionen Euro. Die Spiele sind in HD als Livestream über TV, PC, Tablet oder Smartphone zu sehen – für Telekom-Kunden kostenlos, für alle anderen gegen monatliche Gebühren. Sport1 zeigt mindestens 40 Spiele im Free-TV.

Wie stehen die Chancen für die DEG? Die Düsseldorfer haben „ein ganz entscheidendes Jahr“ ausgerufen. Es ist das dritte ihres im Sommer 2016 erstellten Drei-Jahres-Plans, mit dem sie sich nach sportlich wie wirtschaftlich schwierigen Zeiten wieder in der Spitze etablieren wollen. Die Ziele sind entsprechend. „Unser Minimalziel ist Platz zehn“, sagt Geschäftsführer Stefan Adam. Der neue Cheftrainer Harold Kreis geht noch weiter: „Wir wollen mindestens ins Viertelfinale.“ Garanten dafür sollen in erster Linie zwei Rückkehrer sein: der Norweger Ken-Andre Olimb und der Schwede Calle Ridderwall, die in schlechten DEG-Zeiten Topscorer ihres Teams und in Ridderwalls Fall sogar der DEL waren. Hinzu kommen erfahrene Zugänge wie Jerome Flaake, Philipp Gogulla und Patrick Köppchen, wobei der Sportliche Leiter Niki Mondt Wert darauf legt, dass „der Spieleretat gegenüber dem Vorjahr sogar gesunken“ sei. Die Trennung von überteuerten Altlasten machte es möglich.

Und wie sieht es mit den Krefeld Pinguinen aus? Bei den Pinguinen begann nach drei sportlich mageren Jahren im Sommer eine neue Zeitrechnung. Der bisher dienstälteste Krefelder DEL-Trainer Rick Adduono und sein Assistent Marian Bazany mussten gehen. Der neue Chefcoach Brandon Reid wurde beim dänischen Meister Aalborg Pirates aus seinem laufenden Vertrag herausgekauft. Ihm zur Seite steht Pierre Beaulieu, der auch als Torwarttrainer fungiert. Zwölf Zugänge verleihen der Mannschaft ein stark verändertes Gesicht. Besonders in der Abwehr wurde der Hebel angesetzt. Das Saisonziel lautet Pre-Play-offs. Neues gibt es auch in der Führungsetage: Mikhail Ponomarev, Präsident des Fußball-Drittligisten KFC Uerdingen, übernahm 43 Prozent der GmbH-Anteile. Der Russe, für den Eishockey eine „Herzensangelegenheit“ ist, sieht sich als Berater und Investor. Gemeinsam mit Aufsichtsratschef Wolfgang Schulz, der 46 Prozent der Anteile besitzt, soll der DEL-Standort Krefeld langfristig gesichert werden.

(mit sid)