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Corona-Klauseln: DEL-Plan zum Gehaltsverzicht birgt viel Zündstoff

„Corona-Klauseln“ : DEL-Plan zum Gehaltsverzicht birgt viel Zündstoff

Dem deutschen Eishockey droht eine Zerreißprobe. Die Profis sollen auf viel Geld verzichten, damit ihre Klubs überleben. Die Gründung einer Spielergewerkschaft ist bereits vorbereitet.

Nach dem schmerzvollen Saisonabbruch bewegt sich die DEL weiter auf dünnem Eis. Um die Existenz der Klubs zu sichern, sollen die Spieler nach Plänen der Deutschen Eishockey Liga (DEL) sogenannte "Corona-Klauseln" und das Einfrieren von einem Viertel ihres Jahresgehalts akzeptieren. Diese Maßnahmen stoßen bei einigen Profis auf Widerstand, zumal ihnen die Zeit im Nacken sitzt: Bis zum kommenden Sonntag müssen die Klubs ihre Lizenzunterlagen für die nächste Saison eingereicht haben.

Auch wegen der aktuellen Entwicklung forcieren einige von Moritz Müller (Kölner Haie) und Patrick Reimer (Nürnberg Ice Tigers) angeführte Profis die Gründung einer Spielergewerkschaft. Einen Aufstand wollen die Kufencracks angeblich nicht proben, ihr Wort soll aber analog zur Spielergewerkschaft NHLPA in Nordamerika künftig deutlich mehr Gewicht bekommen.

"Wir möchten in den Lösungsprozess für die aktuelle Situation mit eingebunden werden und mit Liga und Vereinen an einem gemeinsamen Verhandlungstisch sitzen", sagte Müller der Kölnischen Rundschau. Der Verteidiger betonte, man wolle "nicht gegen die Liga arbeiten", sondern "eine für alle Beteiligten gute Lösung zu finden".

Das ist auch im Sinne von DEL-Geschäftsführer Gernot Tripcke, der zum Gehaltsverzicht der Spieler dennoch keine Alternative sieht - auch im Sinne der Spieler selbst. "Wir wollen keinen über den Tisch ziehen. Das Geld ist derzeit einfach nicht da", sagte Tripcke der Fachzeitschrift Eishockeynews. Allein den Verlust der abgebrochenen Corona-Saison bezifferte er auf bis zu 20 Millionen Euro.

Der DEL-Chef bezweifelte, dass es "im Sinne des Spielers wäre", wenn die Klubs bei einem fehlenden Entgegenkommen erst gar keine Lizenzunterlagen einreichen würden. "Eine Verweigerungshaltung kann schnell einen Flächenbrand auch bei anderen Klubs auslösen", mutmaßte Tripcke, der auf den "Solidaritätsgedanken" und "eine gewisse Gruppendynamik" setzt.

Die "75/25-Prozent"-Klausel besagt, dass der Profi - sollte der Spielbetrieb wie geplant ab dem 18. September wieder aufgenommen werden - zunächst nur drei Viertel seines Gehalts bezieht. Das restliche Viertel soll abhängig von den Einnahmen des jeweiligen Klubs in der Saison 2020/21 an den Spieler ausgezahlt werden.

Da aber kaum jemand glaubt, dass die Klubs ihre Umsatzzahlen aus dem Vorjahr auch nur annähernd erreichen können, ist diese Auszahlung - Stand jetzt - unrealistisch. Laut Eishockeynews zeigen vor allem einige Topverdiener derzeit wenig Bereitschaft, ihre bestehenden Verträge, die rechtlich gültig sind, entsprechend anzupassen. Diejenigen, die neue Verträge unterschreiben, könnten womöglich im Gegenzug eine Ausstiegsklausel für den Fall eines besseren Angebots aus dem Ausland im Kontrakt verankern.

Ebenfalls nicht unproblematisch sind die "Corona-Klauseln". Spielerverträge sind ab sofort aufschiebend bedingt, sie enthalten unter anderem die Bereitschaft zur Kurzarbeit bei besonderen Fällen und eine neue Ausschütungsregelung für die Play-off-Prämien.

Für Müller und Co. besteht also reichlich Gesprächs- und Verhandlungsbedarf. Deshalb bringt der Köln-Profi auch eine Verschiebung der Lizenzierung ins Gespräch, "da doch jetzt vollkommen unsicher ist, wann wir wieder Eishockey spielen".

Die Idee einer Spielergewerkschaft geistert schon viele Jahre durch die DEL, doch an der Umsetzung haperte es bislang. Auch die derzeitige Interessengemeinschaft benötigt noch eine Satzung, muss einen Verein gründen und den offiziellen Titel einer Gewerkschaft erlangen.

"Wir stecken noch in den Kinderschuhen und haben noch viel Arbeit vor uns", sagte der DEL-Rekordtorschütze Reimer dem SID. Trotzdem sei nun der richtige Zeitpunkt: "Wenn nicht jetzt, dann nie, haben wir uns gedacht und sind zusammengerückt."

SID js cp

(ako/sid)