Offensivspieler aus Kanada Harper komplettiert den DEG-Sturm

Düsseldorf · Die Planung für die Offensive der Düsseldorfer EG sind vorerst abgeschlossen. Der Kanadier Stephen Harper kommt aus der AHL und will sich in Europa einen Namen machen. In seinem Fall gar nicht so einfach.

 Freut sich über einen neuen Angreifer: DEG-Trainer Roger Hansson.

Freut sich über einen neuen Angreifer: DEG-Trainer Roger Hansson.

Foto: RP/Ralph-Derek Schröder

Wer hat sich nicht schon mal selbst gegoogelt? Man will ja sehen, was das Internet so alles über einen zu wissen glaubt. Erst recht als Profisportler, wo das Image mindestens so wichtig ist wie die Leistung. Bei Stehen Harper gibt es dabei allerdings ein Problem, von dem er vor Jahren mal kanadischen Medien berichtete. Er heißt genauso wie der ehemalige Premierminister seines Heimatlandes. Wer also „Stephen Harper“ sucht, landet automatisch bei dem Politiker. Man muss schon explizite Eishockey-Begriffe dazu verwenden, um auf den heute 27-Jährigen zu kommen, der mit Schlittschuhen, Schläger und Puck sein Geld verdient.

Seit diesem Freitag gibt es dafür ein paar weitere Möglichkeiten: DEG oder Deutsche Eishockey-Liga etwa. Denn da stellte die Düsseldorfer EG Harper als neuen Stürmer vor. Der 1,88 Meter große und 95 Kilogramm schwere Kanadier wird bald mit der Nummer 15 für die DEG auflaufen.

Damit sind die Planungen für den Sturm vorerst abgeschlossen. Wobei die Betonung auf „vorerst“ liegt. Ergibt sich in den nächsten Wochen noch eine ungeahnte Möglichkeit, wird Manager Niki Mondt sicher zuschlagen. Erst recht, wenn es in der Saison langfristige Ausfälle geben sollte oder die Offensive nicht wie geplant funktioniert. Genügend Lizenzen für Importspieler sind ja noch frei, und eine finanzielle Reserve hält sich jedes DEL-Team für Nachverpflichtungen parat.

Die wird wohl auch nötig sein, die Personaldecke ist dünn. Zwölf Stellen müssen besetzt werden, 13 Stürmer gehören zum Kader. Und es ist rein vom Alter her wieder eine gute Mischung. Vier Angreifer sind zum Saisonstart 22 Jahre alt oder jünger, weitere fünf sind mittleren Alters (23 bis 29), vier sind jenseits der 30, mit Alexander Barta (39) als Kapitän und klare Führungsfigur.

Auch von den Rollen her ist Mondt mit seiner Offensive zufrieden. In Alexander Barta, Stephen MacAulay und Victor Svensson sind drei der vier etatmäßigen Mittelstürmer aus der Vorsaison geblieben, neu dazu kam Alexander Blank. Und auch Tobias Eder, Cedric Schiemenz sowie der neue Stephen Harper könnten in der Mitte spielen.

Das müssen sie aber vielleicht gar nicht, könnten sich auf die acht Außenpositionen in den vier Reihen verteilen. Wer das wo genau macht, steht noch nicht fest. Allein für die vier Stellen in den Topreihen gibt es genügend Kandidaten: Die größten Chancen auf einen Platz dort sowie in Überzahl haben Topscorer Brendan O'Donnell (59 Scorerpunkte), der vor allem in den Play-offs überragende Daniel Fischbuch (51) und Tobias Eder (32), der sich ebenfalls weiter gesteigert hat. Auch der unbekümmerte Alexander Ehl (29) und Rückkehrer Philip Gogulla (31) werden Ansprüche anmelden. Und vielleicht spielt sich ja wieder einer der neuen Jungen oben fest: Alexander Blank, Jakub Borzecki oder Josef Eham.

Auch Stephen Harper dürfte kaum nach Deutschland gekommen sein, um das Spiel die meiste Zeit von der Bank aus zu beobachten. Das weiß auch Mondt: „Stephen möchte sich in Europa beweisen, und wir wollen ihm die Möglichkeit geben.“ Die dauert vorerst ein Jahr, in der Zeit muss sich Harper für mehr empfehlen. Dafür muss er aber wohl beweisen, dass seine Zahlen aus der Vorsaison nicht sein wahres Leistungsvermögen spiegeln. Da spielte der 27-Jährige für drei Teams in zwei Ligen und schoss insgesamt elf Tore. Acht davon in der ECHL, die dritte Liga in Nordamerika unter NHL und AHL, die übrigen drei schoss er für die Tucson Roadrunners in der AHL.

Das muss erst mal nichts heißen. Es gibt immer wieder Spieler, die nach statistisch mageren Nordamerika-Jahren in Europa aufdrehen, weil sie endlich Vertrauen spüren und eine prominentere Rolle bekommen. Genauso oft aber sind hoch gehandelte Spieler schon abgestürzt – weil sie mit Liga, Trainer oder gleich dem ganzen Leben in der neuen Heimat nicht klarkommen.

Für Harper geht Mondt nicht davon aus, nennt ihnen einen „sehr vielseitig einsetzbaren Spieler, der verschiedene Rollen in unserer Mannschaft einnehmen kann, da er sowohl Außen- als auch Mittelstürmer spielen kann“. Zeigt er das, dürfte er zumindest in Düsseldorf bald bekannter sein als der ehemalige Premierminister.

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