Düsseldorfer EG: Eis-Auftakt bei der DEG mit einigen Überraschungen

Düsseldorfer EG: Eis-Auftakt bei der DEG mit einigen Überraschungen

Etwa 50 Fans haben sich an der Brehmstraße eingefunden. Sie tuscheln an der zweiten Eisbahn. Wer ist der große Kerl mit der Kappe da auf dem Eis? Überall fragende Blicke.

Neben den Eishockey-Profis der Düsseldorfer EG und den Trainern Christian Brittig und Christof Kreutzer dreht Zugang Colin Long gestern beim ersten offiziellen Training seine Runden auf Schlittschuhen - mit Schläger, aber ohne Helm und Ausrüstung. "Er hat den medizinischen Check nicht bestanden", klärt Manager Walter Köberle schließlich auf.

Der 23-Jährige war als Center für eine der ersten beiden Reihen eingeplant, eine schwere Gehirnerschütterung macht dieses Vorhaben zunichte. Ein Rückschlag für die DEG. Doch der Verein zeigt Größe: Zwar wurde der Vertrag mit Long aufgelöst, doch der US-Amerikaner bleibt in Düsseldorf - als zweiter Assistenztrainer. "Ich bin Walter und der DEG sehr dankbar für diese Möglichkeit", erklärt Long, der darauf hofft, in absehbarer Zeit wieder seinen Sport ausüben zu dürfen.

Sechs bis sieben Gehirnerschütterungen hat Long in den vergangenen zehn Jahren erleiden müssen. Zu viel für seinen Körper. "Ich habe relativ schnell in der Vorbereitung gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Nach dem Training habe ich mich in dunkle Räume zurückgezogen, konnte kein Licht sehen, wollte meine Augen gar nicht mehr öffnen", sagt der Mittelstürmer. Nationalspieler Stefan Ustorf und NHL-Star Sidney Crosby sind prominente Beispiele, wie langwierig die Genesung einer Gehirnerschütterung im Eishockey verlaufen kann. "Er muss den Sport jetzt erst einmal gedanklich komplett streichen. Wir werden ihm die Zeit geben", sagt Coach Brittig. In der Zwischenzeit muss ein neuer Akteur die Lücke füllen, und der ist auch schon gefunden: Travis Turnbull. Der 26-Jährige spielte in der vergangenen Saison für die Rochester Americans in der American Hockey League (AHL), dem Farmteam der Buffalo Sabres, für die Turnbull auch dreimal in der National Hockey Leagues (NHL) zum Einsatz kam. Für Rochester erzielte der 1,83-Meter-Mann in 63 Spielen zwölf Tore und lieferte 15 Assists.

"Er ist ein hundertprozentiger Mittelstürmer und passt mit 26 Jahren voll in unser Konzept", meint Brittig. Vom Konzept, mit jungen Spielern und wenig Geld dennoch in der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu bestehen, ist der Trainer voll überzeugt. Die kommenden Wochen bis zum Saisonstart am 14\. September will Brittig nutzen, um aus den 18 Zugängen eine Einheit zu formen. "Wir müssen jetzt sehen, welches System zu dem Team passt", sagt der 46-Jährige.

Eines steht jetzt schon fest: Die Verteidigung, die in der kommenden Spielzeit vermutlich häufig gefordert wird, soll Furcht und Schrecken verbreiten. "Die Abwehr soll groß und stark sein, deswegen heißt sie ja Abwehr. Wir haben bewusst Jungs ausgewählt, die auf den Körper gehen und unsere Torhüter schützen", erläutert Brittig, der auch die Fans mit ins Boot holen will. "Ich denke, die Leute verstehen, was wir hier aufbauen. Das sieht man ja auch heute an den Leuten und dem Transparent." Auf der am Plexiglas befestigten Tapete steht: "Wir erwarten keine Meisterschaft, aber ein Team mit Herz." Das passt zum Konzept.

Hier geht es zur Bilderstrecke: DEL-Play-offs 11/12, 2. Viertelfinale: DEG - Ingolstadt 5:1

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