Neuausrichtung beim E-Sports-Team So will die Düsseldorfer EG auf dem virtuellen Eis durchstarten

Düsseldorf · Vor fünf Jahren hat die DEG als erster Klub der Deutschen Eishockey Liga eine E-Sports-Mannschaft gegründet. Mit der Neuausrichtung zur nun gestarteten virtuellen Spielzeit möchte der Verein das Thema verstärkt in den Fokus nehmen – und die Fans für das Projekt begeistern.

 Die beiden Organisatoren des E-Sports-Team bei der DEG: Daniel Otten (l.) und Bernd Angenendt (r.) zusammen mit Frederik Wecker vom Sponsoring der DEG.

Die beiden Organisatoren des E-Sports-Team bei der DEG: Daniel Otten (l.) und Bernd Angenendt (r.) zusammen mit Frederik Wecker vom Sponsoring der DEG.

Foto: Daniel Otten

An vier bis fünf Abenden in der Woche trifft sich Daniel Otten mit seinen Teamkollegen von der Düsseldorfer EG zum Training. Anders als beim DEL-Team muss er dafür aber nicht in den Dome fahren, er muss dafür nicht mal wirklich aufs Eis gehen – obwohl er es dennoch so nennt. Otten und seine Teamkollegen bilden das E-Sports-Team der DEG – das gemeinsame Training findet bei NHL 24 von EA Sports auf der Playstation und Xbox statt.

 Das neue Team der DEG auf dem virtuellen Eis. Gespielt wird NHL24 von EA Sports auf der Playstation und der Xbox.

Das neue Team der DEG auf dem virtuellen Eis. Gespielt wird NHL24 von EA Sports auf der Playstation und der Xbox.

Foto: Daniel Otten

Schon 2018 gründete der Düsseldorfer Eishockeyverein als erstes DEL-Team überhaupt eine E-Sports-Mannschaft, um die DEG auch an der Konsole zu repräsentieren und auf das virtuelle Eis zu führen. Nun hat sich die Mannschaft unter der Führung von Daniel Otten neu aufgestellt.

Otten ist leidenschaftlicher DEG-Fan, besitzt seit über 20 Jahren eine Dauerkarte und hat nach eigener Aussage in dieser Zeit maximal „sechs oder sieben Heimspiele“ verpasst. Der 36-Jährige ist aber auch schon seit Kindheitstagen ein begeisterter Konsolenspieler. „Ich wollte schon lange sehr gerne in das E-Sports-Team der DEG, vor einem dreiviertel Jahr hat es dann geklappt. Und weil es nach der vergangenen Saison einige personelle Veränderungen gab, haben wir das Team nun komplett neu aufgestellt“, erzählt Otten, der die Leitung des E-Sports-Projektes übernommen hat und selbst auf dem virtuellen Eis im Tor der DEG steht.

DEG hat ein komplett neues Team aufgestellt

Dafür benötigte es eine ganze Reihe neuer Spieler. Die mussten in ihrem Anforderungsprofil keine Fan-Nähe zur DEG mitbringen, sondern in erster Linie mit dem Controller umgehen können. „Mit unserem anderen Keeper Bernd und mir gibt es im Team zwei richtig große Fans der DEG. Wir sind auch beide immer vor Ort in Düsseldorf“, erklärt Otten. Die restlichen Teammitglieder wohnen verteilt in Deutschland und sogar darüber hinaus. „Wir haben auch Spieler aus der Schweiz“, so Otten weiter.

Seit dem vergangenen Wochenende läuft der Spielbetrieb in der European Championship League (ECL) – einer der renommiertesten Ligen im virtuellen NHL-Bereich. Dort geht die DEG aktuell in der „ECL Winter Lite“-Division an den Start, der dritten von fünf Spielklassen. „Wir möchten uns in der Wintersaison einspielen, dann folgt die German Championship League und im Frühjahr geht es in der ECL mit der Spring-Saison weiter. Dann würden wir gerne in den Pro-Bereich aufsteigen“, sagt Otten.

Zum Auftakt der neuen Spielzeit gab es am Doppelspieltag gegen das Team „Bustdown Rollie Avalanche“ zunächst einen 2:1-Erfolg und dann eine 0:4-Niederlage. „Im zweiten Spiel hatten wir ein bisschen Pech, treffen Pfosten und Latte, spielen dann auch noch lange in Unterzahl. Mit einem Sieg zum Start können wir aber zufrieden sein“, sagt Otten in der Nachbetrachtung, die von der Analyse eines „echten“ Eishockeyspiels nicht zu unterschieden ist.

Videoanalyse gibt es auch beim E-Sport

Sowieso ist die Herangehensweise bei den E-Sportlern ähnlich detailgetreu und professionell wie bei den Kollegen der DEL. Es gibt Videoanalysen, Vor- und Nachbesprechungen der Spiele, Analysen der kommenden Gegner, Taktik-Meetings: „Jeder Spieler von uns steuert ja einen virtuellen Spieler auf dem Eis. Da ist eine gute Absprache wichtig – deshalb studieren wir diese Dinge im Training ein“, erklärt Otten. Im Team kommuniziert wird dann, wie auch bei den Spielen, über Sprach- und Videochat.

Für den 36-jährigen DEG-Fan geht es bei dem E-Sports-Projekt aber um mehr, als nur den reinen Erfolg an der Konsole. Otten möchte das große Potenzial, das er im E-Sports-Bereich des Eishockeys sieht, für seinen Herzensverein nutzen. „Die Sache steckt noch in den Kinderschuhen und baut sich grade sukzessive auf. Generell sieht man aber, dass das Thema E-Sports immer mehr Anklang findet – und das nicht nur bei jungen Menschen, sondern auch bei der Altersklasse 30 bis 50“, sagt Otten. Auch im Team der DEG zeigt sich dies an der Altersstruktur. Der jüngste Spieler ist 19 Jahre alt, der älteste bereits 45.

„Wir freuen uns, wenn die Fans der DEG sich auch für unsere Spiele interessieren und wollen ihnen dafür Content bieten, wenn keine DEL-Partien stattfinden“, so Otten. Dafür haben sich die E-Sportler im Zuge der Umstrukturierung auch in den sozialen Netzwerken runderneuert. Insbesondere auf der Streamingplattform „Twitch“ hat sich bei der DEG einiges getan. „Wir werden unsere Spiele dort professionell übertragen. Mit Vor- und Nachbericht, Interviews und Alexander Blattmann, genannt BloddyLP, als Kommentator“, so Otten.

 Alex Blattmann, genannt BloddyLP, kommentiert die Spiele der DEG auf der Streamingplattform Twitch.

Alex Blattmann, genannt BloddyLP, kommentiert die Spiele der DEG auf der Streamingplattform Twitch.

Foto: DEG/Twitch

Blattmann ist selber Streamer und Youtuber für den NHL-Bereich, hat zudem auch schon Erfahrung als Kommentator in der DEL2 gemacht. „So können wir eine richtig gut produzierte Übertragung anbieten und uns hoffentlich eine Community aufbauen.“

Der Verein unterstützt Otten bei der Organisation

Otten kann sich bei der Organisation des Projektes auf die Unterstützung des Vereins verlassen, der in den vergangenen Tagen auch auf seinen Social-Media-Kanälen Werbung für das Team gemacht hat. „Das ist eine sehr enge Zusammenarbeit mit den Verantwortlichen der DEG, die das Projekt von Anfang an sehr positiv, unterstützend und wohlwollend begleitet haben“, sagt Otten. So wurden sie beispielsweise vor dem ECL-Saisonstart mit offiziellem Vereinsmerch ausgestattet. „Wir haben mit dem Akkuzentrum aber auch einen regionalen Partner aus Viersen gewonnen, der explizit das E-Sports-Team unterstützt und uns bei den Kosten für die Lizenzen und die Übertragung hilft,“ erklärt Otten.

Neben den Trikots gibt es im Videospiel auch die Heimspielstätte der Düsseldorfer.

Neben den Trikots gibt es im Videospiel auch die Heimspielstätte der Düsseldorfer.

Foto: Daniel Otten

Der würde sich wünschen, dass noch mehr Teams der DEL ein E-Sports-Team gründen, sodass in Zukunft möglicherweise sogar parallel zum realen Spielbetrieb eine virtuelle Liga mit allen deutschen Teams stattfinden kann. „Bislang treten in der ECL nur München, Nürnberg, Iserlohn und wir an. Die Fußball-Bundesliga – also EA FC – hat schon eine komplette Liga und zeigt, wie viel Potenzial da drin steckt.“