Düsseldorfer EG zieht durchwachsenes Saisonfazit

Bitteres Aus in den DEL-Play-offs : DEG zieht durchwachsenes Saisonfazit

Die Düsseldorfer EG ist in den Eishockey-Play-offs im Viertelfinale ausgeschieden und setzt dabei ihre unfassbare Verletzungsserie fort. Die Kölner Haie halten nun als letztes Team die rheinische Fahne hoch.

Der Traum endete im Viertelfinale. Bitterer noch: im letzten Drittel des siebten und letzten Viertelfinalspiels. Mathias Niederberger, Torhüter der Düsseldorfer EG, kassierte den Treffer zum 2:1-Sieg der Augsburger Panther, der noch einmal so richtig plastisch das ganze Pech des achtmaligen deutschen Eishockeymeisters widerspiegelte. Eine an sich harmlose Hereingabe des Augsburgers Drew Leblanc fälschte DEG-Verteidiger Alex Picard unerreichbar für seinen Goalie ins eigene Netz ab.

Doch in Sachen Pech setzten die Düsseldorfer noch einiges drauf. Die ohnehin in der ganzen Saison stark gebeutelte Mannschaft steckte beim Saisonfinale fünf neue, gravierende Verletzungen ein. Manuel Strodel brach sich den Fuß, Ken-André Olimb sprang das Schultereckgelenk heraus und droht nun die WM zu verpassen, Christian Kretschmann erlitt eine Gehirnerschütterung, bei Patrick Köppchen riss eine Schultersehne, bei Kapitän Alexander Barta das Innenband im Knie.

„Bei Alex passierte das schon kurz vor Ende des ersten Drittels“, berichtet DEG-Arzt Ulf Blecker. „Als ich ihm sagte, dass es ein Innenbandriss ist, sagte er nur: Fixier’ mir das, ich spiele weiter.“ Auch Köppchen, Strodel und Olimb hielten durch, doch alles war umsonst. Die Saison ist für die DEG beendet, und zu allem Überfluss drehte der Erzrivale Kölner Haie die Serie gegen den ERC Ingolstadt und hält nun als einziges Team die Fahne des Rheinlands im Halbfinale hoch. Ausgerechnet die Haie, gegen die die Düsseldorfer während der Hauptrunde noch drei der vier Duelle gewonnen hatten.

Doch während die Haie nach dem verlorenen Wintergame-Derby im Kölner Fußballstadion mächtig aufdrehten, ging es mit der DEG stetig bergab. Deshalb zieht der Sportliche Leiter Niki Mondt auch ein durchwachsenes Saisonfazit. „Unterm Strich war es eine gute Saison, weil wir unsere selbstgesteckten Ziele erreicht haben“, sagt der Ex-Profi. „Wir sind unter die Top sechs gekommen, haben die Play-offs erreicht und uns mit einem starken Gegner auf Augenhöhe präsentiert. Dennoch sind wir jetzt enttäuscht. Wir sind ehrgeizige und ambitionierte Sportler und deshalb nie zufrieden.“

Aufgrund des kuriosen Verlaufs ist es auch enorm schwer, die Düsseldorfer Saison gerecht zu beurteilen. Mit einem grandiosen Start und sieben Siegen aus den ersten sieben Begegnungen weckte die Mannschaft von Trainer Harold Kreis Erwartungen, denen sie in der Folge nicht hundertprozentig gerecht werden konnte. Dass die DEG ausgerechnet gegen den späteren Drittletzten Wolfsburg die erste Saisonniederlage bezog, kann im Nachhinein als böses Omen gewertet werden: Es gelang den Düsseldorfern einfach nicht, dauerhaft Konstanz in ihre Leistungen zu bringen.

Zum Beweis lohnt sich ein Blick auf die Monats-Tabellen der Liga. Im September wurde die DEG Erster, im Oktober und November Siebter, im Dezember wieder Erster, im Januar Sechster, im Februar/März gar Tabellenletzter. Eindeutig zu viele Ausschläge in der Fieberkurve. Und denoch hat Mondt Recht, wenn er sich insgesamt zufrieden zeigt. „Wir wissen das einzuordnen“, sagt der Manager und spielt damit zum einen auf das unglaubliche Verletzungspech an, zum anderen auf die Möglichkeiten vor der Saison.

Mit schmalerem Geldbeutel ausgestattet als viele Gegner landete der Klub einige Volltreffer auf dem Transfermarkt, den bis dato gänzlich unbekannten Kanadier Jaedon Descheneau etwa, oder den in Köln aussortierten Philip Gogulla. Dafür zündete die Rückholaktion der früheren Top-Torjäger Olimb und Calle Ridderwall überhaupt nicht.

In Köln geht nun der rheinische Traum vom Titel weiter, während in Düsseldorf die Wunden geleckt werden. Schmerzt das den Nachbarn womöglich noch mehr? „Ganz ehrlich?“, fragt Mondt. „Das spielt für mich keine Rolle, ob die Haie noch drin sind.“ Viel wichtiger ist für ihn, begehrte Spieler wie Descheneau und Gogulla zu halten. Die Gespräche sind im Gange – die Aussichten jedoch gering.

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