Nach dem Auftakt in München DEG zeigt vielversprechende Ansätze, aber auch altbekannte Schwächen

Meinung | München/Düsseldorf · Es war ein Auftritt, der Hoffnung und Lust auf mehr macht. Trotz vieler Personalprobleme und eines langen Zwei-Tore-Rückstands war die Düsseldorfer EG beim amtierenden Meister drauf und dran, etwas mitzunehmen, ehe altbekannte Probleme das Vorhaben zunichte machten. Ein Umstand, der sich bessern muss.

 War in seinem ersten Pflichtspiel für die DEG direkt an einem Tor beteiligt: Stürmer Bennet Roßmy (l.)

War in seinem ersten Pflichtspiel für die DEG direkt an einem Tor beteiligt: Stürmer Bennet Roßmy (l.)

Foto: dpa/Sven Hoppe

Eigentlich war es für die Düsseldorfer EG ja eine Woche zum Vergessen. Beinahe täglich türmten sich die schlechten Nachrichten beim Klub aus der Deutschen Eishockey Liga (DEL) zu einer hohen, scheinbar unüberwindbaren Mauer an Problemen auf: Erst das vermutlich sichere Saisonaus von Stephen MacAulay aufgrund eines Kreuzbandrisses, dann die OP von Brendan O’Donnell und am Ende die Gewissheit, dass auch Kyle Cumiskey (anhaltende Probleme am operierten Knie) sowie Alec McCrea (Drei-Spiele-Sperre) beim Saisonauftakt in München fehlen würden. Machte unterm Strich: Vier Leistungsträger und jede Menge Fragezeichen, wie sich die DEG wohl beim amtierenden Meister schlagen würde.

Es gab nicht wenige in Düsseldorf, die schon mit dem Schlimmsten rechneten. Doch allem rheinischen Pessimismus zum Trotz lieferte diese neu zusammengestellte DEG den Gegenbeweis. Zwar riss sie nicht die Mauer komplett ein, bohrte aber immer wieder gut erkennbare Löcher hinein und brachte das ganze Konstrukt für kurze Zeit ins Wanken. Weil sie das bestätigte, was Trainer Thomas Dolak schon vor dem Spiel feststellte: Die Chemie in der Kabine stimmt. Trotz durchwachsener Testspielergebnisse. Trotz Verletzungspech.

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Foto: Birgit Häfner

Gut zu erkennen spätestens im letzten Drittel, als die Rot-Gelben die favorisierten Münchner immer besser in den Griff bekamen und ihrerseits schöne Spielzüge aufs Eis legten. Exemplarisch der 2:2-Ausgleich durch Victor Svensson nach starker Kombination über Bennet Roßmy und Alexander Ehl. Überhaupt machten die meisten Zugänge einen guten Eindruck und die Hoffnung, die Problemmauer in den kommenden Monaten Stück für Stück weiter abzutragen.

Moritz Wirth initiierte aus der Abwehr heraus immer wieder kluge Pässe, auch mal mithilfe der Bande. Kohen Olischefski und Bennet Roßmy gefielen mit unbekümmerten Spiel, und auch die zuvor viel gescholtene Top-Reihe mit Philip Gogulla, Phil Varone und Kevin Clark wusste trotz punktlosem Auftritt über weite Strecken zu überzeugen. Vor allem die wuseligen und dadurch schwer zu verteidigenden Varone und Clark werden noch einige Abwehr-Schränke in der DEL vor Probleme stellen und über kurz oder lang zu Scorerpunkten kommen.

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Der Auftakt und die Ansätze waren trotz 2:4-Niederlage also schon mal vielversprechend, wenn auch noch genug Verbesserungspotenzial vorhanden bleibt. Dass München bei aller vorhandenen Offensivqualität in drei von vier Powerplayphasen zu Treffern kam, war definitiv zu viel. Hier muss sich die DEG cleverer anstellen. Co-Trainer Daniel Kreutzer als Beauftragter fürs Unterzahlspiel wird da in den kommenden Wochen gefragt sein. Hinzu kommen die altbekannten Schwächen beim Bullly (23:56) und im eigenen Powerplay (0/2). Genug Hausaufgaben also. Am Sonntag beim ersten Heimspiel gegen die Eisbären Berlin (15.15 Uhr, live bei ServusTV und Magentasport) wartet der nächste Hochkaräter. Die nächste Gelegenheit, die Problemmauer kleiner werden zu lassen.