Düsseldorfer EG: Tobias Eder überzeugt in der Schweiz

21-jähriger Stürmer schlägt voll ein : Tobias Eder überzeugt bei der DEG

In Sachen gute Manieren macht dem DEG-Stürmer niemand etwas vor. Doch was noch wichtiger ist: Tobias Eder spielt auch noch glänzend Eishockey.

Auf der letzten Etappe der fünftägigen Schweiz-Reise zeigt der sonst so höfliche Tobias Eder einmal ein freches Grinsen. „Dann will ich mir doch mal meine 1,5-Liter-Flasche Schampus abholen“, sagt der DEG-Stürmer, als er vom gemeinsamen Essen nach dem 5:0-Sieg bei Servette Genf vom Tisch aufsteht. „Mal sehen, vielleicht kippe ich die ja auf der Rückfahrt hinunter.“

Verdient hätte der 21-Jährige es sich ja gehabt, war der Champagner doch die Trophäe für den „Man of the Match“ (Spieler des Spiels), den die Organisatoren anlässlich der Saisoneröffnung des Schweizer Eishockey-Erstligisten ausgelobt hatten. Und lang genug wäre die Bustour mit rund neun Stunden durch die Nacht ohnehin gewesen. Doch wenn, dann hätte der gebürtige Tegernseer das Prickelwasser, das er fürs Duschen und Essen kurz aus der Hand gegeben hatte, sicher mit der Mannschaft geteilt. Egotrips sind in seiner DNA nicht angelegt.

Eder hat es geschafft, binnen kürzester Zeit seit seinem Wechsel aus München im Frühjahr zu einem außerordentlich beliebten Kadermitglied zu werden. „Tobi ist ein Supertyp“, sagt stellvertretend für die DEG-Kollegen der kanadische Außenstürmer Chad Nehring, der aus Bremerhaven an den Rhein kam. „Ihn muss man einfach mögen.“

Die Betreuer des achtmaligen deutschen Meisters lassen ebenfalls nichts auf den Youngster kommen, der bei der DEG nur noch „der Eder Tobi“ genannt wird, seit er sich selbst, in Unterscheidung zu seinem in München gebliebenen Bruder „Eder Andi“, so vorgestellt hat. Bei jedem Mitarbeiter der Geschäftsstelle und des Betreuerteams persönlich, versteht sich. „Das gehört sich doch so“, wiegelt der Bayer ab, „das sind doch alles meine Kollegen.“ Komisch dann nur, dass das allen bei der DEG aufgefallen ist – ebenso, dass der Eder Tobi mit anpackt, wenn die Betreuer die schweren Ausrüstungskisten und Kartons mit Reiseproviant zum Bus schleppen. „Warum soll ich das denn die Betreuer allein tragen lassen?“, fragt er lapidar. „Dafür gibt es doch keinen Grund.“ Eigentlich nicht – nur, dass er der Erste ist, der nach ewig langer Pause dieses Mit-Anpacken in Düsseldorf wieder eingeführt hat.

Doch noch wichtiger als seine guten Manieren sind die Qualitäten des Ex-Münchners auf dem Eis. Beim 5:0 in Genf (Eder: „So ein Ergebnis gegen ein deutsches Team ist für Schweizer eine nationale Katastrophe“) bereitete der Außenstürmer zwei Treffer vor und erzielte den fünften auf sehenswerte Weise selbst. Da auch sein Nebenmann und Kumpel Patrick Buzas traf, war die Bilanz der vierten Reihe außergewöhnlich. „Wir haben eben eine Supermannschaft zusammen“, sagt Eder bescheiden, „auf dem Eis und außerhalb. Ich fühle mich richtig wohl.“

Zum Entschluss, das ambitionierte und finanzstarke Team aus München zugunsten der DEG zu verlassen, steht er deshalb hundertprozentig. „Ich habe in den vergangenen Jahren mitverfolgt, dass junge Spieler bei der DEG viel Eiszeit bekommen. Der sportliche Leiter Niki Mondt und Trainer Harry Kreis haben mir dann erklärt, dass sie auf junge Spieler bauen. Bei Harry spielt jeder eine wichtige Rolle.“

Seinem neuen Klub traut er „durchaus mehr zu als nur das Viertelfinale. Wenn wir die Play-offs erreichen und dann alles gesund bleiben“. Und persönlich? „Für jeden jungen Deutschen ist die Nationalmannschaft immer ein Ziel. Wenn das einer von uns schafft, dann wäre das auch schön für die DEG.“

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