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Düsseldorfer EG: Neuer Zuschauerrekord im Eishockey

Düsseldorfer EG : 51.125 — Neuer Zuschauerrekord im Eishockey

Das Winter Game in Düsseldorf zwischen der DEG und den Kölner Haien war Werbung für die Sportart. Es hat aber auch die Grenzen der Veranstaltung aufgezeigt.Neuer Zuschauerrekord im Eishockey

Travis Turnbull kommt vom Eis gekrochen. Der Torschütze, der mit seinem Führungstreffer die Weichen zum 3:2-Sieg der Düsseldorfer EG über die Kölner Haie gestellt hatte und dem sie eigentlich einen Lorbeerkranz hätten flechten müssen, stand ohne Schlittschuhschoner da. Also krabbelte er auf allen Vieren in Richtung Ausgang, um die Kufen, aber vor allem auch den Boden nicht zu beschädigen. Eine Randnotiz, die jedoch wunderbar zeigt, dass Eishockey an Grenzen stößt.

Die wurden beim 2. Winter Game in der Esprit-Arena optimal ausgereizt. Die Organisatoren machten ihr Meisterstück. Sie nutzten die technischen Möglichkeiten perfekt, präsentierten ein Gesamtpaket, das seinesgleichen sucht. Überragend waren die Lichteffekte und optischen Akzente. Die weiße Fläche im Innenraum, die Eis und Schnee symbolisierte, ließ die Zuschauer bei wohligen 15 Grad vom Winter träumen. Das abschließende Feuerwerk war nicht nur für die Ohren ein Kracher. Die sportlichen Darbietungen beim Spiel der Legenden waren unterhaltsam, das 206. rheinische Derby von Minute zu Minute spannender, am Ende gar packend. Den einen oder anderen kleinen Misston gab es beim musikalischen Rahmenprogramm. Die vorgetragene Nationalhymne war selbst für ungeschultes Gehör schwere Kost, Mando Diao vor allem laut, so dass eine Coverband zum heimlichen Gewinner avancierte. "Es war ein Traum-Tag", meinte Jochen A. Rotthaus, der Geschäftsführer der DEG. "Wir haben alles getan, um Menschen für das Eishockey und die DEG zu begeistern."

Dass die Veranstaltung bei extrem milden Temperaturen, Sturmböen mit Windstärke elf und einem Wolkenbruch nicht ins Wasser gefallen war, war ausschließlich dem Austragungsort zu verdanken, der die Möglichkeit geboten hat, das Dach zu schließen. Martin Ammermann von Düsseldorf Congress Sport & Event nutzte das sogleich für Werbung in eigener Sache: "Das war eine sensationelle Veranstaltung. Das Eishockeyspiel passt in die Arena und wir würden gerne das nächste Wintergame in zwei Jahren ausrichten. Wir sind ja jetzt geübt."

Doch so weit ist es noch lange nicht. Die Deutsche Eishockey Liga (DEL), die das Winter Game im Herbst wieder ausschreiben und in einem Jahr vergeben wird, will sich nicht festlegen. Einigen schwirren andere skurrile Austragungsorte im Kopf herum. Sie würden das Spektakel gerne weiter auf die Spitze treiben. So hält Gernot Tripcke ein Dach für keine zwingende Voraussetzung. "Natürlich gibt das Sicherheit, aber ein Ort, der das nicht bietet, hat dafür den Charme des Unwägbaren." Eine Idee: Ein Eishockey-Spiel könnte auf dem Nürburgring veranstaltet werden. Ob sich die Investoren der Gefahr der Witterung aussetzen wollen? Das scheint bei einem Event dieser Größenordnung nun doch eher unwahrscheinlich.

Niemand lässt sich gerne in die Bücher schauen, exakte Zahlen werden gerne geheim gehalten. Projektleiter Lorenz Funk bestätigte jedoch, dass die Kosten sich immerhin auf rund 1,5 Millionen Euro belaufen sollen. Laut DEG-Geschäftsführer Jochen A. Rotthaus bleibt für den Verein "ein niedriger sechsstelliger Betrag". Insidern zufolge soll die Veranstaltung rund eine halbe Million Gewinn abwerfen. Daran ist Kooperationspartner U.Com prozentual beteiligt.

Philip Wolfarth vom Fernsehsender ServusTV, hatte die Devise ausgegeben, nicht kleckern, sondern klotzen und dementsprechend groß aufgefahren: "Respekt, was hier geboten wurde. Das war ein Meilenstein. Dieses Event zu toppen, dürfte schwierig werden." Eine TV-Station braucht indes Planungssicherheit. Kaum vorstellbar, dass ein Sender mehr Risiko als nötig eingeht. Ähnlich äußerte sich Projektleiter Funk, der bereits das erste Winter Game in Nürnberg vor zwei Jahren organisiert hatte: "Die Bedingungen in Düsseldorf waren ideal. Alles hat perfekt geklappt, so wie wir uns das vorgestellt haben." Nur, dass er beim Spiel der Legenden einen Schläger ins gesicht bekommen hatte und unter der Nase genäht werden musste, darauf hätte er gerne verzichtet.

Rotthaus' Traum-Tag gehört der Vergangenheit an, doch er hat eine Vision: "Düsseldorf muss für das Winter Game werden, was Berlin für das Fußball-Pokalendspiel ist - ständiger Austragungsort." Aus seinem Munde sind das fast verpflichtende Worte. Er hat aber auch etwas zu bieten. Die Voraussetzungen sind ideal, weil Düsseldorf über drei notwendige Dinge verfügt: eine Arena mit verschließbarem Dach, einen Traditionsverein und eine Partymeile. All das ist für das Gelingen des Winter Game notwendig.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Düsseldorfer EG - Kölner Haie

(RP)