Düsseldorfer EG: 9000 Fans bereiten Daniel Kreutzer emotionalen Abschied

Abschied von einer Legende: Brehmstraßen-Gefühl zu Daniel Kreutzers Ehren

Letztes Spiel im Eisstadion: Abschied von DEG-Legende Daniel Kreutzer

Rund 9000 Fans bereiten dem Eishockey-Urgestein der Düsseldorfer EG einen emotionalen Abschied. Alle waren gekommen, um ihrem Kapitän, ihrem Wegbegleiter, ihrem Freund einen würdigen Endpunkt einer großartigen aktiven Karriere zu setzen.

Es ist kurz nach 19 Uhr im Zooviertel. "Guck mal, ich hab Daniel knieend auf dem Eis. Ich glaub, das mach ich mir als Poster." Es ist nicht etwa ein fanatischer Teenager, der diesen Satz sagt, während er das Smartphone stolz seinem Nebenmann zeigt. Es ist Campino. Der Toten-Hosen-Frontmann sitzt auf einer Holzbank in einer Ecke der DEG-Kabine im Eisstadion an der Brehmstraße. Marian Bazany schaut sich das Bild ganz genau an, ehe er den Kopf schüttelt. Dann lachen beide lauthals los.

Es wird ohnehin viel gelacht in diesen Minuten im vielleicht 20 Quadratmeter großen Raum, der an diesem Samstagabend mit lebenden Eishockey-Legenden gefüllt ist. Auf der einen Seite ist Harold Kreis ins Gespräch mit Chris Valentine vertieft, während gegenüber Didi Hegen an Uli Hiemer vorbeigreift, um sich eine Schachtel Zigaretten aus der Jacke zu holen. Becher nach Becher wird mit Altbier aus dem Fass, das in der Mitte auf einem Tisch steht, gefüllt. Die Fastenzeit ist ausgesetzt.

Der typische Kabinen-Mief umweht die Nasen. Mittendrin sitzt Daniel Kreutzer. Er rückt sich kurz die Kappe zurecht, dann guckt er sich um und lächelt selig. Wenige Augenblicke zuvor hat sich der 38-Jährige mit einer letzten Ehrenrunde von rund 9000 Fans verabschiedet. Alle waren gekommen, um ihrem Kapitän, ihrem Wegbegleiter, ihrem Freund einen würdigen Endpunkt einer großartigen aktiven Karriere zu setzen. "Es war ein überragender Tag. Ich hätte es mir nicht besser vorstellen können. Jeder der hier war, weiß, dass es so etwas an der Brehmstraße nicht mehr geben wird. Das ist schon irgendwie geil", sagt der Mann des Tages.

Knapp vier Stunden zuvor steht Kreutzer mit seiner Ehefrau Nadine und den gemeinsamen Töchtern Fee und Liz auf einem roten Teppich mitten auf dem Eis. Um ihn herum ein Spalier. Gebildet von DEG-Allstars wie Valentine und Peter-John Lee, langjährigen Konkurrenten wie Mirko Lüdemann und aktuellen DEG-Profis wie Torhüter Mathias Niederberger. Oberbürgermeister Thomas Geisel bedankt sich in einer Rede für die Verdienste Kreutzers um die Stadt Düsseldorf. Die Fans halten im ausverkauften Stadion Papptafeln mit "DK 23" hoch, wedeln rot-gelbe Luftballons. Auf Blockfahnen sind einige der großen Karriere-Momente gezeichnet, darüber prangt ein Spruchband mit der Aufschrift "Deine Meilensteine machen dich zur Legende - deine Ära geht nie zu Ende".

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Kreutzer greift zum Mikrofon: "Es ist für mich nicht einfach, in diesem Moment Worte zu finden", sagt er und beginnt sich zu bedanken. Für den außergewöhnlichen Rahmen des Abschiedsspiels. Für den Zuspruch der Fans über all die Jahre. Und für die Unterstützung seiner Familie. Als er sich zu seiner Mutter, die auf der Tribüne sitzt, dreht, beginnt die Stimme zu zittern. Tränen stehen in seinen Augen. "Ich hätte nicht gedacht, dass ich heulen muss", sagt er später. "Aber es ist einfach über mich gekommen. Es ist gut so, es musste raus."

Danach spielen die Teams zusammen Eishockey. Dass es 7:7 ausgeht, interessiert natürlich niemanden. Es geht um die Party. Und es geht vor allem darum, noch einmal das alte Brehmstraßen-Gefühl zu leben. Noch einmal die Stätte zum Kochen zu bringen, an der die DEG zwischen 1935 und 2006 acht Meisterschaften errungen hatte, bevor sie aus dem Zooviertel in die Multifunktionsarena ISS Dome nach Rath umzog. Die Fans schunkeln zum Schneewalzer, grölen das Altbierlied und beehren ihre Idole mit den altbekannten Schlachtrufen. Auch eine Busladung Anhänger aus Kassel ist angereist. Für die Huskies war Kreutzer zwischen 1998 und 2002 aufgelaufen. Die Stimme der Brehmstraße, Volker Boix, ist ebenfalls dabei, rundet als Stadionsprecher den Ausflug in die Vergangenheit ab.

Kreutzer, der 16 Spielzeiten lang das rot-gelbe DEG-Trikot in der Deutschen Eishockey Liga getragen hat, gelingen zwei Tore und drei Vorlagen. "Das hab ich gar nicht mitgezählt", sagt er. Wichtiger sind ihm die Emotionen. Und davon gibt es an diesem Nachmittag reichlich.

Dass er nun, nachdem wirklich alles vorbei ist, in ein kleines mentales Loch fällt, glaubt er nicht: "Dafür habe ich gar keine Zeit. Mit der DEG geht es ja direkt weiter." Doch bevor er als Assistenztrainer helfen will, in den drei ausstehenden Spielen doch noch den Einzug in die Play-offs zu schaffen, wird er sich vor den Fernseher setzen: "Ich muss mir erst einmal das Video von diesem Tag anschauen, um wirklich zu realisieren, was heute hier passiert ist."

(erer)