Darum scheiterte die Düsseldorfer EG im Play-off-Viertelfinale

Analyse nach dem 1:2 in Augsburg : Darum scheiterte die DEG im Play-off-Viertelfinale

Das schier unglaubliche Verletzungspech war es nicht allein: Die Eishockey-Mannschaft von Trainer Harold Kreis leistete sich in der entscheidenden Phase der Saison Fehler, die ihr zuvor nicht passiert waren. Zudem fand die vermeintliche Paradereihe nie ihre Form.

Die DEG biss auf die Zähne. Neun Spieler des Kaders waren im entscheidenden Spiel des Play-off-Viertelfinales bei den Augsburger Panthern (1:2) entweder gesperrt, verletzt oder angeschlagen. Zum Beispiel erlitt Kapitän Alexander Barta einen Innenbandriss im Knie, Ken-Andre Olimb muss nach einer Schulterverletzung wohl operiert werden, Manuel Strodel brach sich den Mittelfuß, bei Patrick Köppchen wird nach einem Sehnenriss in der Schulter gar das Karriereende befürchtet. Sie alle spielten die Partie irgendwie zu Ende – doch das Verletzungspech war am Ende einfach zu viel und wohl auch der Hauptgrund für das Ausscheiden.

Und doch bleibt am Ende einer Saison, in der mehr erreicht wurde als vorab erwartet, ein merkwürdiger Beigeschmack. Denn nach dem Play-off-Aus ist klar: Da war mehr drin. Faktisch lässt sich die Spielzeit der Mannschaft von Trainer Harold Kreis in zwei Hälften teilen: Eine vor – und eine nach dem Wintergame in Köln. Vor dem Derbysieg im Fußballstadion des 1. FC Köln war die DEG ein Spitzenteam, war Tabellendritter und hatte gar noch Tuchfühlung zur Spitze. Überzahl, Unterzahl, Torhüter – überall stand die DEG ganz oben. Doch danach ging es steil bergab: Seit dem 12. Januar gab es inklusive der Play-offs nur noch drei Siege nach 60 Minuten, das Abrutschen auf Rang sechs und das Aus in den Play-offs gegen Augsburg. Einige Faktoren, die zum Ausscheiden geführt haben.

Eine Reihe reicht nicht Jaedon Descheneau, Alex Barta und Philip Gogulla waren in dieser Spielzeit die Lebensversicherung der DEG. Das Trio war in der Hauptrunde bereits für das Gros der Tore verantwortlich, in den Play-offs spielte es gar Alleinunterhalter – und das, obwohl Gogulla hier merklich abbaute. Barta und Descheneau machten es mit einer weiteren Leistungs-Explosion jedoch wieder wett.

Die vor der Saison als Top-Reihe geltende Linie um Olimb und Calle Ridderwall blieb derweil völlig blass. Beide Spieler haderten mit ihren Leistungen, verbuchten in den Play-offs exakt einen Scorerpunkt. Da half auch eine selbstkritische Schimpftirade Ridderwalls nichts. Auch der als Leistungsträger eingeplante Jerome Flaake enttäuschte, wenn auch lange verletzt, auf ganzer Linie. Insgesamt versagte das „secondary scoring“ bei der DEG. Mit einer Reihe allein gewinnt aber keine Titel.

Formkrise zur Unzeit Mathias Niederberger war in der Hauptrunde der statistisch beste Torhüter der Liga; in den Play-offs war davon jedoch gar nichts mehr zu sehen. Niederberger kassierte haltbare Treffer und war für sein Team zu selten der benötigte Rückhalt. Das lag zum Teil an ihm selbst, zum Teil aber auch an durchwachsenen Abwehrleistungen: Während die Augsburger Defensive ihrem Torhüter Olivier Roy immer wieder die Sicht freikämpfte, war vor Niederberger viel zu viel Verkehr. Mit Folgen. Fredrik Pettersson-Wentzel war für Trainer Kreis keine Alternative, weil er aufgrund der vielen verletzten deutschen Spieler als überzähliger Ausländer ständig auf der Tribüne gesessen hatte und ihm deshalb die Spielpraxis fehlte. Ein Teufelskreis.

Hohe Fehlerquote Augsburg war technisch keineswegs die bessere Mannschaft, machte jedoch schlichtweg weniger Fehler. Allein das entscheidende Gegentor zum 1:2 in der Serie taugt dafür als Beispiel: Zuerst spielt Alex Picard, wie in den vergangenen Wochen häufig, einen katastrophalen Aufbaupass, dann lenkt er den Puck ins eigene Tor ab. Mit Fehlern wie diesen brachte sich die DEG immer wieder um den Lohn ihrer harten Arbeit.

Verletzungspech Nicht erst im entscheidenden Spiel schlug das Schicksal zu – schon zuvor ging die DEG personell auf dem Zahnfleisch. Gegen die Krefeld Pinguine kurz vor Hauptrundenende standen Kreis und Co-Trainer Tobias Abstreiter nur vier Verteidiger zur Verfügung. Vielleicht, wahrscheinlich sogar, wäre die Viertelfinalserie bei einer „vollen Kapelle“ der DEG anders ausgegangen. So jedoch trafen einfach zu viele Faktoren aufeinander, die dem Weiterkommen des achtmaligen Meisters im Weg standen.

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