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DEB-Präsident Franz Reindl: "Jammern bringt Eishockey nicht weiter"

Franz Reindl im Interview : "Jammern bringt Eishockey nicht weiter"

Der Präsident des DEB spricht über leere Kassen des Verbandes, sportliche Ziele und fehlende Präsenz bei ARD und ZDF.

Herr Reindl, wie oft am Tag werden Sie als Herr Präsident angesprochen?

Reindl Das hält sich glücklicherweise in Grenzen. Für viele bin ich einfach nur der Franz - und das gefällt mir auch ganz gut so.

Sie haben immer wieder betont, es sei nicht Ihr Lebensziel gewesen, Präsident des Deutschen Eishockey-Bundes (DEB) zu werden. Warum haben Sie sich dann doch breitschlagen lassen?

Reindl Stimmt, das war wirklich nie mein Plan. Aber jetzt ist es eben so gekommen. Es gab einfach unglaublich viele Leute, die mich in den vergangenen Monaten aufgefordert haben, mich dieser Verantwortung nicht zu entziehen. Viele waren unzufrieden damit, wie das Eishockey hierzulande repräsentiert wurde. Wir haben nun eine historische Chance, einiges anders zu machen.

Sie haben unter anderem als Generalsekretär über Jahrzehnte die Geschicke des DEB gelenkt. Müssen Sie sich nicht den Vorwurf gefallen lassen, dass Sie schon früher hätten etwas verändern können?

Reindl Man darf dabei nicht vergessen, ich war in dieser Zeit ausschließlich Angestellter des Verbands und meine Arbeit auf Projekte konzentriert. Für diesen Bereich übernehme ich auch die Verantwortung und stehe zu meinen Entscheidungen. Es gehört auch dazu, loyal zu sein und Entscheidungen mitzutragen - auch wenn ich nicht immer derselben Meinung gewesen bin. Ich würde mir nur einen Vorwurf machen, wenn ich intern nicht den Mund aufgemacht hätte. Das habe ich aber immer.

Neben Ihrer Tätigkeit als Präsident sind Sie auch Geschäftsführer der sogenannten DEB Sport-GmbH. Besteht da nicht die Gefahr einer Interessenkollision?

Reindl Das habe ich mich im Vorfeld meiner Wahl auch gefragt. Ich sehe da keinerlei Probleme. Die Mitglieder waren darüber von Anfang an informiert, und ich hätte diesen Posten auch nicht aufgegeben, um Präsident zu werden. Ich muss ja schließlich auch vor irgendetwas leben. Ich bekleide diesen Posten bereits seit 20 Jahren. Alle relevanten Verträge mit der Sportgesellschaft wurden vor meiner Nominierung bis 2017 ausgehandelt. Es gibt also im operativen Geschäft nichts, was überhaupt noch beschlossen werden müsste. Unser nächstes großes Projekt ist die Weltmeisterschaft 2017 in Deutschland und Frankreich.

Sie sind aber mit der Wahl zum DEB-Präsidenten nun Ihr eigener Chef und könnten durchaus Korrekturen vornehmen.

Reindl Genau das ist eben so nicht korrekt. Es gibt zwei Gesellschafter, die dahinter stehen, neben dem DEB auch noch die Vermarktungsfirma Infront aus der Schweiz. Alles ist ganz transparent.

Wie würden Sie den Zustand des DEB beschreiben?

Reindl Kritisch. Wir stecken in großen finanziellen Schwierigkeiten. Es klafft ein riesiges Loch bei den Jahren 2011 und 2012 - für diesen Zeitraum wurde der alte Vorstand auch noch nicht entlastet. 2013 kommt in diesen Tagen auf den Tisch, und man kann schon jetzt sagen, dass auch diese Bilanz nicht gut ausfallen wird. Die Aussichten für 2014 sind genauso schlimm. Dazu kommt noch die Forderung des Landesverbands NRW, der sich eine Nachzahlung von 300 000 Euro aus der WM 2010 erstritten hat. Bei einem Haushalt von rund 4,5 Millionen Euro ist das schon eine gewaltige Summe. Wir wollen das alles nun von unabhängigen Experten aufarbeiten lassen.

Schließen Sie weitere Entlassungen aus?

Reindl Wir können nicht mehr weiter schrumpfen. Seit 2010 gab es bereits elf Entlassungen. Wir haben jetzt eher das Problem, dass wir massiv Personal aufstocken müssten, um unsere Pläne umsetzen zu können. Wir werden auf jeden Fall nicht unser Tafelsilber verkaufen.

Wie wollen Sie denn an mehr Einnahmen kommen? Werden die Klubs der Deutschen Eishockey Liga (DEL) am Ende zur Kasse gebeten?

Reindl Die DEL-Klubs machen heute schon viel und zahlen eine hohe Summe.

Wie viel genau?

Reindl Mehr als eine halbe Million Euro.

Reicht das?

Reindl Man kann immer mehr machen. Wir alle können mehr machen. Es bringt nichts, ständig auf den anderen zu schimpfen. So kommen wir im deutschen Eishockey kein Stück voran.

Viele Sportarten beklagen die erdrückende Dominanz des Fußballs bei den Öffentlich-Rechtlichen. Habe Sie eine Forderung an ARD und ZDF, mehr Eishockey zu zeigen?

Reindl Ich muss ehrlich sagen, ich habe nullkommanull Wut auf den Fußball. Wir sollten nicht ständig jammern, sondern unser Produkt einfach besser machen. Wenn der Sport besser wird, wenn die Verpackung attraktiver wird, dann wird sich vieles von alleine regeln. Wir wollen die Nummer eins nach Fußball werden.

Bei der Weltmeisterschaft in Minsk ist Deutschland vor ein paar Monaten nur 14. geworden. Ein enttäuschendes Abschneiden, das nicht gerade für Aufbruchstimmung steht.

Reindl Stimmt. Wenn du so ein Ergebnis ablieferst, dann hast du die Schnauze zu halten und musst dich noch intensiver auf deine Aufgaben konzentrieren.

Was stimmt Sie denn zuversichtlich?

Reindl Meine Überzeugung, ein gutes Produkt verkaufen zu können. Wir brauchen uns gerade im Nachwuchsbereich nicht zu verstecken. Und auch die Play-offs in der DEL in der vergangenen Saison waren großartig, total spannend.

Sie waren als Sportdirektor maßgeblich für die Verpflichtung von Uwe Krupp als Bundestrainer verantwortlich. Ist unter dem Präsidenten Reindl eine Rückkehr von Krupp zum DEB denkbar?

Reindl Für ihn steht die Tür immer offen. Der Uwe ist ein Glücksfall für das deutsche Eishockey - egal, in welcher Funktion. Er macht aktuell auch in Köln einen großartigen Job. Ich werde ihn auch weiterhin immer um Rat fragen. Ich möchte aber auch andere Persönlichkeiten einbinden.

Als eine Art Rat der Legenden?

Reindl (lacht) Gefällt mir, das machen wir so. Es gibt einfach unheimlich viele, die sich einbringen sollen, deren Stimme wichtig ist. Hans Zach, Gerd Truntschka, Klaus Merk, Marco Sturm und viele weitere.

(RP)