"Profilneurotiker wollen Erfolg kaufen": Eishockey: Ex-Bundestrainer Hans Rampf wird 70

"Profilneurotiker wollen Erfolg kaufen": Eishockey: Ex-Bundestrainer Hans Rampf wird 70

Lenggries (sid). "Hans Dampf" wird 70 und kein bisschen leise. Zum deutschen Eishockey hat der frühere Bundestrainer Hans Rampf, der am Freitag im idyllischen Lenggries seinen Geburtstag feiert, eine klare Meinung, und mit der hält er nicht hinter dem Berg. "In den Vorständen wollen Profilneurotiker den schnellen Erfolg erkaufen", sagt der Eishockey-Coach a.D.: "Der Sport interessiert sie nicht."

Den gelernten Friseurmeister hat sein Sport nie losgelassen. Der Sport, den er als Spieler ebenso mitgestaltete wie als Coach und später als Trainerausbilder. Umso mehr ärgert den 101-maligen Nationalspieler, der an neun Weltmeisterschaften und zwei Olympia-Turnieren teilnahm, der derzeitige Zustand des deutschen Eishockeys.

"Da soll die Zahl der Deutschen in der DEL praktisch limitiert werden, das ist doch schizophren", beklagt Rampf, der von 1977 bis 1981 die Nationalmannschaft betreute, und kritisiert wie sein Freund Hans Zach, der derzeitige Bundestrainer, die mangelhafte Nachwuchsarbeit: "Gezielte Talentsuche findet nicht statt. Da werden Buben genommen, die sich besser fürs Briefmarkensammeln eignen. Für einen Smoking nimmt man ja auch keinen ungarischen Kartoffelsack."

Hinter die Bande will der Hobby-Golfer, der "im kleinsten Kreis mit einem netten Abendessen und einem Glas Schampus" feiert, noch einmal zurückkehren - bei einem Oldtimer-Turnier im April in Prag. Auf dem Eis sollen dann Erich Kühnhackl, Franz Reindl und Ernst Höfner stehen, "die hatte ich alle als Junioren, jetzt sind sie Oldies - das sagt alles."

Als er selbst noch aufs Eis ging, freute er sich vor allem über die Olympia-Nominierung 1956 in Cortina, "das war mein größtes Glücksgefühl", und den Meistertitel als Spielertrainer 1962 mit dem EC Bad Tölz. Ein Kunststück, das er fünf Jahre später als Chefcoach bei der Düsseldorfer EG wiederholte. Auf seiner sportlichen Visitenkarte steht auch WM-Silber 1953. "Da kriege ich jedes Mal einen Lachkrampf", sagt Rampf, wenn er sich an das Mini-Turnier mit nur vier Teams erinnert, bei dem der Favorit Tschechoslowakei auch noch vorzeitig abreiste.

(RPO Archiv)
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